Hüttenzauber in den Alpen

Das Rifugio Lagazuoi ist ein Beispiel für eine Berghütte, in der Skifahrer übernachten können. Foto: EyesWideOpen

Wer keinen Wert auf Luxus legt, sondern lieber Skiurlaub auf die authentische Art macht, sollte in der Berghütte übernachten. Das ist urig, gemütlich – und preiswerter als im Tal.

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. Sie brauchen im Skiurlaub weder ein Luxushotel, noch ein Sterne-Restaurant, kein Schwimmbad und keinen Nachtklub? Sie wollen vielmehr die Bergwelt auf einfache und unverfälschte Art genießen? Und morgens vielleicht noch der Erste sein, der Spuren auf die frisch präparierten Pisten zieht, ohne früh aufstehen zu müssen? Dann sind Sie der Typ, der sich auf bewirteten Berghütten wohlfühlt. Großer Vorteil: Das Schlafen auf dem Gipfel ist meist deutlich günstiger als im Tal.

Sonnenaufgang im Rifugio Lagazuoi. Foto: Michaela Strassmair
Das Rifugio Lagazuoi ist ein Beispiel für eine Berghütte, in der Skifahrer übernachten können. Foto: Michaela Strassmair
Schlicht und einfach: Die Zimmer im Rifugio Lagazuoi. Foto: Michaela Strassmair

1 Edmund-Probst-Haus, Nebelhorn im Allgäu

Das Höchste: Mit diesem Slogan wirbt das deutsche Skigebiet Nebelhorn als höchstgelegenes Skigebiet des Allgäus mit Pisten, die von 828 bis auf 2224 Meter reichen. Das Höchste für Ski- und Snowboardfahrer, die am Berg übernachten wollen, ist das Edmund-Probst-Haus auf 1932 Metern. Die Alpenvereinshütte liegt direkt neben der Station „Höfatsblick“ der Nebelhornbahn – mitten im Skigebiet. So können die maximal 94 Hüttengäste morgens als erste auf den 13 Pistenkilometern des Nebelhorns Richtung Tal carven, den ganzen Tag den Panoramablick auf 400 Alpengipfel und abends die glitzernden Lichter aus dem Oberstdorfer Tal genießen.

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Übernachtet wird in 4-Bett-Zimmern oder in Matratzenlagern, die Platz für sechs bis 18 Leute bieten. Eine warme Dusche gibt es auch, die mit Münzeinwurf funktioniert. Diese ursprüngliche Form des Skiurlaubs ist vergleichsweise günstig, denn die Bettenpreise für Alpenvereinsmitglieder bewegen sich zwischen 13 und 20 Euro, Nichtmitglieder müssen 24 bis 30 Euro für die Nacht bezahlen.

2 Gipfelhaus, Brauneck bei Lenggries

Für Alpinisten ist einer der beliebtesten oberbayerischen Berge kein Riese, doch für Münchner ist ihr Hausberg, das 1555 Meter hohe Brauneck bei Lenggries, im wahrsten Wortsinn ein Höhepunkt. Auch wegen der vielen gemütlichen Hütten, die es in dem Skigebiet zwischen den 34 Kilometern an Pisten gibt. Nur 15 Meter unter dem Gipfel liegt das urige Gipfelhaus, eine Alpenvereinshütte mit 80 Schlafplätzen, die in 2-, 4- und 8-Bettzimmer und Gruppenlager aufgeteilt sind.

Angenehm für Skiurlauber ist nicht nur die Anreise mit der Brauneck-Bergbahn, sondern auch die mobile Sauna aus Finnland. Vier Personen passen in die extra zu bezahlende Schwitzstube, die wie ein Bauwagen aussieht. Zur Abkühlung können Hüttengäste in einen Holzbottich oder gleich in den Schnee hüpfen. Die Übernachtung mit Halbpension kostet für Alpenvereinsmitglieder ab 39,50 Euro, Nichtmitglieder zahlen ab 44 Euro.

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3 Krefelder Hütte, Kitzstein- horn im Salzburger Land

Einfach und gemütlich auf modernem Niveau: So lautet das Motto der Krefelder Hütte, die in einer Höhe von 2300 Metern mitten im Gletscherskigebiet des Kitzsteinhorns liegt. Die 110 Jahre alte Alpenvereinshütte in Kaprun bei Zell am See ist im Winter nur für Skifahrer und Snowboarder erreichbar. Im Gegensatz zu vielen anderen Berghütten in Österreich, die sich immer mehr in Richtung luxuriöser Hotels entwickeln, wollen die Hüttenwirte Christian und Jutta Strolz den Charme einer Berghütte bewahren. Die 40 Übernachtungsplätze in 2- bis 5-Bettzimmern mit Etagendusche und Toilette unterstreichen dies. Wie auch die Preise: Alpenvereinsmitglieder zahlen für Übernachtung mit Halbpension 55 Euro, Nichtmitglieder bezahlen 65 Euro. Hüttengäste müssen mit den Gondeln der Gletscherbahn Kaprun bis zum Alpincenter fahren, dann auf der Piste „11“ bis zur Hüttenabzweigung. Gepäck wird auf Wunsch für zwölf Euro vom Alpincenter bis zur Krefelder Hütte transportiert.

4 Ulmer Hütte, St. Anton am Arlberg

Umgeben von den mondänen Wintersportorten St. Anton am Arlberg, St. Christoph, Lech und Zürs liegt die Ulmer Hütte auf 2288 Metern Höhe unterhalb der Valluga und der Schindlerspitze auf einem sonnigen Plateau – mitten im Skigebiet, direkt an der Piste. Wer hier oben über den Wolken absteigt, muss auf Luxus verzichten. Dafür schlafen die maximal 46 Gäste der deutschen Alpenvereinshütte in kuscheligen, holzvertäfelten 2- oder 4-Bettzimmern mit Bettwäsche, Handtüchern, Waschbecken oder Dusche und Toilette. Die mehr als 100 Jahre alte Hütte kann im Winter entweder mit der Schindlergratbahn oder der neuen Arlenmähderbahn angefahren werden, deren Bergstation sich nur ein paar Höhenmeter darüber befindet. Eine Materialseilbahn steht zudem für schweres Gepäck zur Verfügung, direkt neben der Passstrasse zwischen St. Christoph und Alpe Rauz. Das Vergnügen auf der Sonnenseite der Valluga schlafen zu dürfen kostet Alpenvereinsmitglieder ab 69 Euro mit Halbpension, Nichtmitglieder zahlen 84 Euro.

5 Bärghuis Jochpass, Engelberg Zentralschweiz

Unter Freeridern und anspruchsvollen Skifahrern gilt der 3020 Meter hohe Titlis-Gletscher in Engelberg als Geheimtipp: 82 Kilometer an teils sehr steilen Pisten, 25 Lifte, schneesicher bis in den Mai, inmitten einer atemberaubenden Bergwelt. Wer diese spezielle Atmosphäre auch nachts nicht verlassen will, übernachtet im „Bärghuis Jochpass“. Die 80 Jahre alte und große Hütte mit den roten Fensterläden liegt auf einer Höhe von 2222 Metern direkt an der Piste des Skigebietes Engelberg-Titlis. Im Berghaus gibt es etliche Zimmergrößen von kleinen Kuschelzimmern für Verliebte über Doppelzimmer bis hin zu 3-, 4- 5-, 6- und 10-Bettzimmern – ab rund 85 Euro pro Person mit Halbpension. Die Zimmer sind mit Liebe zum Detail eingerichtet, mit Betten und Möbeln aus heimischen Fichten, Fußbodenheizung, WLAN sowie teilweise mit eigener Dusche und Toilette. Eine Sauna mit Aussichtsterrasse gehört zum Schweizer Alpenschick dazu wie auch die Köstlichkeiten aus der Küche, die von hausgemachten Maiskroketten, lauwarmen Schoggiküchlein im Glas, traditionellem Schaffleisch-Eintopf bis zu gebeiztem Lachs reichen.

6 Rifugio Lagazuoi, Falzaregopass Dolomiten

Im Norden Italiens, zwischen Cortina d’Ampezzo und dem Gadertal am Falzaregopass, klebt das „Rifugio Lagazuoi“ wie ein Adlerhorst auf einem fast 1000 Meter senkrecht abfallenden Felsen. Mit einer Höhe von 2752 Metern zählt die Hütte auf dem Gipfel des Lagazuoi zu den höchstgelegenen Berghütten der Dolomiten und ist weithin bekannt für ihren spektakulären 360-Grad-Panoramablick auf das Dach der Dolomiten. „Das gibt es nur einmal auf der Welt. Und es ist besser als der Grand Canyon“, sagt Hüttenwirt Guido Pompanin. Vier Doppelzimmer, zwei 3-Bett- und ein 4-Bettzimmer gibt es sowie vier Schlaflager mit 56 Betten. Einfach und schlicht lautet das Motto hier oben, denn die Zimmer sind klein und eng, aber gepflegt und gemütlich mit viel Holz, und man muss sich Toiletten und Duschen teilen. Die Wintersportler, die hier oben übernachten, werden dafür mit kulinarischen Höhepunkten wie Mohn-Ravioli mit Rote-Beete-Füllung oder Rehragout mit Pilzpolenta und edlen Weinen verwöhnt. Am nächsten Morgen geht es spektakulär weiter, wenn die Hüttengäste sich mit Skiern oder Snowboards als erste auf die Armenterola-Abfahrt wagen, die vor der Hüttentüre beginnt und mit zwölf Kilometern Länge zu den längsten Pisten der Dolomiten gehört.

Von Michaela Strassmair