Die olympischen Skiziele der koreanischen Halbinsel bieten...

Mystisch: Der Blick vom Gariwangsan (Mount Gariwang) über bewaldete Gebirgsketten, wo einst der Sibirische Tiger zu Hause war. Foto: Christoph Schrahe  Foto: Christoph Schrahe

War’s das schon? Auf der Fahrt zum Berg Gariwangsan, auf dessen Hängen am 11. Februar mit der Herrenabfahrt die Königsdisziplin der Olympischen Winterspiele über die Bühne...

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. War’s das schon? Auf der Fahrt zum Berg Gariwangsan, auf dessen Hängen am 11. Februar mit der Herrenabfahrt die Königsdisziplin der Olympischen Winterspiele über die Bühne geht, ging es soeben durch den kleinen Ort Pyeongchang. Anders als Sotschi, Vancouver und Turin ist die Stadt im Tal des Namhangang-Flusses keine Millionenmetropole, sondern ein unscheinbarer, nicht einmal 10 000 Einwohner zählender Fleck zwischen den zerklüfteten Ketten des Taebaek-Gebirges.

Mystisch: Der Blick vom Gariwangsan (Mount Gariwang) über bewaldete Gebirgsketten, wo einst der Sibirische Tiger zu Hause war. Foto: Christoph Schrahe  Foto: Christoph Schrahe
Ein Pappaufsteller mit Stars aus einer koreanischen Fernsehserie steht auf dem Drachenberg für Selfies bereit. Foto: Christoph Schrahe  Foto: Christoph Schrahe

Aber Pyeongchang ist Namensgeber für die Region, die als Wiege des Wintersports in Südkorea gilt. Mit Yongpyong (was so viel wie Drachental heißt) eröffnete hier im Nordosten des Landes 1975 das erste Skigebiet auf der geteilten koreanischen Halbinsel. Heute gibt es im ganzen Land rund 20 Wintersportzentren. Als jüngstes erschloss man für die Olympischen Winterspiele am Mount Gariwang das Skigebiet Jeongseon. Kurz hinter Pyeongchang rückt es ins Blickfeld.

Eine neue Gondelbahn führt bis auf einen 1 370 Meter hohen Vorgipfel. Von dort schweift der Blick über dicht bewaldete Hügelketten. Sibirische Tiger streiften einst durch diese magisch anmutende Landschaft. Heute existiert die größte Raubkatze der Welt in Korea nur noch als Olympiamaskottchen. Das Konterfei des weißen Tigers Soohorang prangt auch auf der Bergstation der Achtergondelbahn.

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Für den Bau fielen 58 000 bis zu 500 Jahre alte seltene Wangsasre-Birkenbäume den Kettensägen zum Opfer. Ein hoher Preis für eine zweiwöchige Veranstaltung.

Unklar ist, was nach den Spielen mit den Liften und Pisten passiert. „Eigentlich wurden die Baumaßnahmen unter der Auflage genehmigt, nach den Spielen sämtliche Infrastrukturen wieder rückzubauen und das Areal zu renaturieren“, erläutert Kookjae Yim, der sich beim Organisationskomitee um die Sportstätten kümmert. Seit seinem Studium an der Deutschen Sporthochschule nennen ihn eigentlich alle Jacob. Inzwischen hat man die Kosten des Rückbaus kalkuliert und würde die Anlagen nun doch lieber an einen privaten Investor veräußern, der sie als öffentliches Skigebiet betreibt.

Der neue Hochgeschwindigkeitszug KTX ist dagegen schon eher etwas, das längerfristig von Nutzen ist. Der bringt Besucher vom internationalen Flughafen Incheon via Seoul innerhalb einer Stunde mit einer Geschwindigkeit von 305 Stundenkilometern zur Station Jinbu. Die liegt 25 Kilometer von Jeongseon entfernt und von dort aus fahren Shuttlebusse ins Epizentrum der Spiele von Pyeongchang.

Gleich hinter dem Hügel mit dem Eiskanal liegen die Hotels und Ferienhäuser von Yongpyong. Per Gondelbahn geht es von dort aus auf den Drachenberg, auf dem die Riesenslalom- und Slalomrennen starten. Die Hänge auf der Rückseite des Berges, der als spitzer Kegel aus der umliegenden Landschaft aufragt, sind beliebt. Eine Sesselbahn bedient die vier schwarz markierten Abfahrten. Bei der Einfahrt in die Bergstation verneigt sich das Liftpersonal vor den Gästen.

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Pilgerstätte für Fans einer koreanischen Fernsehserie

Im Dragon House Restaurant, das auf dem Gipfel thront und koreanische Spezialitäten wie Nudelsuppe, aber auch Waffeln und Scones auftischt, sind Wintersportler in der Minderzahl. Der Berg ist Pilgerstätte für Fans der koreanischen Fernsehserie „Winter Sonata“, die als Auslöser der koreanischen Welle galt und K-Pop (also koreanische Popmusik) in ganz Asien und darüber hinaus populär machte. Kang Joon-sang und Jeong Yoo-jin, das Paar, um dessen Liebe sich in der Winter-Sonata alles dreht, steht draußen auf der Terrasse vor dem großartigen Panorama für Selfies bereit – als Pappaufsteller.

Bei der Abfahrt zurück ins Tal, mit fünf Kilometern die längste Koreas und daher ebenfalls ziemlich populär, fällt auf, dass die Topografie des Taebaek-Gebirges eigentlich nicht für die Anlage von Skipisten geeignet ist. Man hat dem Berg die Trasse mittels Dynamit und Bulldozern abgerungen. Auch das Klima ist kein perfekter Verbündeter der Wintersportler. Es ist zwischen Dezember und Februar zwar kalt, aber ziemlich trocken. Demzufolge sind sämtliche Pisten von Yongpyong mit Schneekanonen ausgestattet – so wie die Pisten aller anderen koreanischen Skigebiete auch.

Wem nach so viel Retorte der Sinn nach etwas Authentizität steht, der findet sie im nahe gelegenen Woljeongsa. In einem stillen Tal im Odaesan Nationalpark steht hier der 643 gegründete Woljeong-Tempel. Heute ist das beeindruckende Ensemble mit seinen kunstvoll verzierten Pagoden einer der Haupttempel des Jogye-Ordens, dessen Mönche die Besucher dazu einladen, mit ihnen in einem meditativen Ritual eine Yeum Ju zu fertigen – eine Kette aus 108 Holzkugeln.

Auf der Fahrt von Yongpyong nach Woljeongsa passiert man nicht nur das olympische Dorf und das fünfeckige Olympiastadion, sondern auch eine Menge Whang Tae. Das ist Schellfisch, der im Winter zum Trocknen an Drähten hängt, die zwischen Pflöcken über die Felder gespannt sind. Probieren kann man diese Spezialität in Hoenggye, dem Dorf hinter dem Olympiastadion. Gefühlt besteht Hoenggye nur aus Restaurants und Skishops. Hier gibt es reichlich Gelegenheit, auch für westliche Zungen schmackhafte Gerichte der landestypischen Küche zu kosten. Allen voran natürlich das Nationalgericht Bibimbap, das mit Gerste, Reis und unterschiedlichen Gemüsesorten, Rindfleisch, Ei und der Chilipaste Gochujang zubereitet wird. Auf keinen Fall entgehen lassen sollte man sich Bulgogi. Für das „Feuerfleisch“ wird bestes, marmoriertes Rinderfilet am Tisch über offenem Feuer gegrillt, auf ein Salatblatt gelegt, mit Sojasoße, Kimchi (scharf eingelegter Kohl), Knoblauch oder anderen Zutaten eingerollt und als komplettes Bündel in den Mund geschoben.

Die Koreaner spülen das alles gerne mit Soju hinunter. Das ist verdünnter Reisschnaps, der aber immer noch 19 Prozent Alkohol innehat und mit nicht einmal 80 Cent für die 0,36 Liter-Flasche einen recht preiswerten Rausch ermöglicht. Ob auch die Winterspiele von Pyeongchang einen Rausch heraufbeschwören werden, wird sich zeigen. Bei manch erfolgreichen Athleten und Athletinnen mit Sicherheit. Preiswert wäre dann allerdings das falsche Etikett. Denn diese Spiele haben viel gekostet. Viel Geld, viele Bäume, viel Landschaft.

Von Christoph Schrahe