Weltpremiere des Mazda MX-5 - ein Protokoll

aus Im Auto Mobil

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Mit der vierten Generation des MX-5 will Mazda die unglaubliche ERfolgsgeschichte des Roadsters fortschreiben. Foto: Mazda

Während in der Autobranche die Laufzeiten einer Modellgeneration immer kürzer werden und sich auf eine Dauer von sechs Jahren zubewegen, lässt sich Mazda bei seinem...

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. 15.50 Uhr - Ankunft in Barcelona. Die Stimmung ist gut, fast euphorisch. Endlich wieder ein Termin in der für mich schönsten Stadt Europas. Und viel für ein Wiedersehen mit Ramblas, Sagrada Familia und Parc Güell.

16.10 Uhr - Ankunft im Hotel. Ortskundige ahnen: Sooooo zentral kann die Herberge nicht liegen, wenn man sie vom Flughafen aus innerhalb vom 20 Minuten erreichen kann. Und richtig: Vom Zimmer aus wäre die Stadt höchstens in der Ferne zu sehen, wenn nicht ein Büro-Klotz die Sicht komplett verstellen würde.

16.15 Uhr - Geografische Bestandsaufnahme. Das Hotel liegt zwar an der Gracia, einer der Prachtstraßen Barcelonas. Das hilft aber nur wenig, wenn es sich um einen Fleck am äußersten Ende der gefühlt 20 Kilometer langen Straße handelt.

16.16 Uhr - Umplanung. Die Nacht wird bei der geplanten Weltpremiere um 3 Uhr morgens lang, also lieber ein Mittagsschläfchen einlegen. So weit die Theorie. Dem Körper ist einfach nicht nach Schlaf. Der Nachmittag wird vertrödelt mit Fernsehen, iPad-Recherchen und der Suche nach der Ursache vom grässlichen kloakenähnlichen Gestank im Hotelzimmer. Nun wird mir klar, warum das winzig kleine Ausstellfenster des Zimmers auf Kipp stand, statt, wie es weltweite Hoteltradition zu sein scheint, geschlossen zu sein.

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20.00 Uhr - Transfer zum Dinner. Sechs große Busse stehen bereit, um die europäischen Journalisten zur Abendveranstaltung zu bringen. Einen Hang zu unnötiger Bescheidenheit in Zusammenhang mit der MX-5-Weltpremiere kann man Mazda sicherlich nicht nachsagen.

20.05 Uhr - Eine schöne Stadtrundfahrt - auch durch Viertel, die mir völlig unbekannt sind, die aber sofort auf die To-Do-Liste eingetragen werden. Nächstes Mal vielleicht.

20.30 Uhr - Vor der zu einem Restaurant umgebauten ersten Veranstaltungshalle wird Cava serviert. Anschließend gibt es - hurra! - Croquetas. Von mir aus könnte man die ruhig endlos weiterliefern und auf Fleisch und Fisch verzichten.

22.51 Uhr - Ortswechsel. Vom "Restaurant" geht es zu Fuß zum eigentlichen Ort der Weltpremiere. Mazdas früherer Generationen fahren den Spaziergängern vorweg. So langsam steigt der Puls.

22.58 Uhr - Ankunft an der Weltpremieren-Location. Ich sichere mir einen Tisch und halte mich für sehr schlau. Immerhin gilt es, vier Stunden bis zur Enthüllung des MX-5 zu überbrücken. Und da es weniger Sitzplätze als Besucher zu geben scheint, erscheint mir das Blockieren eines Tisches die passende Strategie zu sein.

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23.01 Uhr - Ich langweile mich ein wenig. Zwar spielt eine wirklich ziemlich gute Band, ansonsten gibt es aber nicht viel, was zur Zerstreuung beiträgt.

23.03 Uhr - Ich löse gaaaanz vorsichtig das Etikett des Biers ab und lege es der Flasche auf dem Kopf (also das Etikett auf dem Kopf, nicht ich oder die Flasche) wieder an.

23.05 Uhr - Viele der Kollegen verabschieden sich. Die Weltpremiere wird für die weniger Standfesten morgens um 9 Uhr noch einmal wiederholt. Einmal abgesehen davon, dass eine wiederholte Premiere ein Widerspruch in sich ist: Ich fliege doch nicht nach Barcelona, um früh ins Bett zu gehen. Ich halte aus.

23.53 Uhr - Die deutsche Mazda-Pressesprecherin gesellt sich zu uns an den Tisch. Ich merke an, dass ja offensichtlich nicht viele Kollegen bis 3 Uhr ausharren wollen. "Die sind alle unten", erwähnt die Pressesprecherin. Unten? "Es gibt noch ein Unten", sagt sie geheimnisvoll.

23.54 Uhr - Ich würde ja zu gerne wissen, was es mit dem "Unten" auf sich hat. Aber das hebe ich mir lieber für später auf, die Nacht ist noch lang.

23.54.45 Uhr - Ich gehe nach unten

23.55 Uhr - Im Untergeschoss ist tatsächlich mehr los. Drei Räume sind im Zeitgeist der drei bisherigen MX-5-Generationen ausgestattet. Bilder an der Wand rufen die großen Ereignisse der jeweiligen Jahre in Erinnerung, auf Fragebögen geben Mazda-5-Fahrer zu Protokoll, warum das Auto ihr Lieblingsauto ist.

23.56 Uhr - Ich entdecke die Carrera-Bahn. Leider nicht als erster. Die Warteschlange für einen Platz an den Controllern dürfte sich bis 3 Uhr nicht aufgelöst haben. Allerdings nehme ich bewundernd zur Kenntnis, dass Mazda Mitarbeiter organisiert hat, die an den Kurven die aus selbigen fliegenden kleinen Wagen (natürlich Miniaturen des MX-5) wieder in die Spur setzt. Ein toller Service.

23.59 Uhr - An den Tischkickern das gleiche Bild. Mehr Interessenten als freie Plätze. Ich bin eh kein Tischkicker-Fan (rede ich mir ein…)

0.05 Uhr - Spaziergang um den Block. Der Lokalbahnhof "Franca" hat seine Tore geschlossen, buchstäblich. Öffnungszeit 5 bis 0 Uhr. Ein Mitarbeiter mit seiner Putzmaschine zieht einsam seine Runden.

0.10 Uhr - In den Restaurants, Kneipen und auf der Straße ist so viel los, als wäre es Freitag um 21 Uhr und nicht früher Donnerstagmorgen um kurz nach Mitternacht. Vielleicht haben die Menschen hier aber auch nur einen Termin um 3 Uhr.

0.45 Uhr - Zurück in der Veranstaltungslocation.

0.55 Uhr - Der DJ spielt "Mr. Sandman". Keine gute Idee.

1.15 Uhr - In Mazda-Rot gekleidete Tänzerinnen bewegen sich anmutig um die ausgestellten Fahrzeuge der ersten drei Generationen. Nett anzuschauen.

1.20 Uhr - Ich bewundere die versenkbaren "Schlafaugen" des MX-5 der ersten Generation. Kein gutes Stichwort

1.21 Uhr - Ich schaue inzwischen um 30-Sekunden-Takt auf die Uhr und entschließe mich, eine App zu entwickeln, die die Zeit doppelt so schnell vergehen lässt.

2.35 Uhr - Meine Tischwahl war doch nicht perfekt. Zwischen mir und der Bühne drängen sich Hunderte andere Gäste. Ich überlege mir kurzzeitig, in den Arbeitsraum zu gehen und mir die Weltpremiere lieber im Internet im Live-Stream anzuschauen. Vermutlich führt Schlafmangel zu so abstrusen Ideen

2.45 Uhr - Die Pressekonferenz beginnt. Der neue Design Director von Mazda Europe, Kevin Rice, beschwört die MX-5-Legende. Jeder Autofan wisse, wann und wo er seinen ersten MX-5 gesehen habe (stimmt), lobt die zeitlose MX-5-Formel (stimmt) und weist darauf hin, dass der MX-5 nach wie vor schon vom Aussehen her dem Einsteigenden verspricht, eine gute Zeit zu haben (stimmt).

2.55 Uhr - Jeffrey H. Guyton, der Managing Executive Officer, weist auf die enormen Verkaufszahlen von Mazda hin. Von Januar bis Juni setzte das Unternehmen 25 Prozent mehr Autos ab als im Vorjahreszeitraum. Der MX-5 hat es bis jetzt auf 950.000 Exemplare gebracht, steht bereits seit 2000 im Guinness-Buch der Rekorde als bestverkauftes zweisitziges Sportauto. Guyton lässt keinen Zweifel daran, dass die vierte Generation des MX-5 diese Erfolgsgeschichte fortschreiben wird.

3.01 Uhr - Der MX-5 wird enthüllt. Alles strömt auf die Bühne. Ich sehe nichts.

3.05 Uhr - Ich kämpfe mich zur Bühne vor. Da steht der MX-5. So richtig würdigen kann ich ihn noch nicht, zu viele Leute, zu große Müdigkeit. Es wird aber bestimmt nicht die letzte Begegnung mit der automobilen Ikone gewesen sein.

3.15 Uhr - Auf dem Weg zum Bus weiche ich einem Müllwagen aus, dessen Besatzung sich offensichtlich auf dem Weg zur Arbeit befindet.

3.50 Uhr - Ankunft im Hotel. Im Zimmer riecht es immer noch nicht nett. Zum Glück muss ich um

5.15 Uhr wieder aufstehen. Die Fahrt zum Flughafen ist für 5.30 Uhr terminiert.

6.55 Uhr - Start des Fluges nach Frankfurt. Zeit für ein Resümee. Ganz schön anstrengend, dieser Termin. Würde ich wieder teilnehmen, wenn ich eine solche Einladung bekäme? Auf jeden Fall. Es geht schließlich um den MX-5!!!