Update statt Facelift: Ein Blick auf den neuen Passat

aus Im Auto Mobil

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Der neue Passat fährt irgendwann im zweiten Halbjahr bei den Händlern vor. Gefeiert wird er schon jetzt. Foto: Volkswagen

Im Zusammenhang mit Auto-Neuvorstellungen von Updates statt von Facelifts zu reden, wäre vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen, heute ist das Wort in der Branche (fast)...

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. Eigentlich läuft es in der Automobilbranche bei wichtigen Modell-Neuerscheinungen ja so: Weltpremiere, Fahrveranstaltung, Verkaufsstart. Beim Passat jedoch veranstaltete Volkswagen sozusagen eine Vorab-Weltpremiere, und die Tag für Tag zwei Wochen lang. Gleiches geschah im vergangenen Jahr auch beim Touareg, doch da war die eigentliche Premiere in Peking – nicht jeder will für eine wenige Stunden lange Veranstaltung eine so weite Reise auf sich nehmen. Der neue Passat wird offiziell in Genf enthüllt – die Strecke ist zu schaffen. Hinzu kommt, dass es sich beim größten VW-SUV um einen Generationenwechsel handelt, beim Passat aber „nur“ um ein Facelift, um ein Update auf die Version 8.2.

Warum also die Sneak-Preview, um mal im Lifestyle-Sprech zu bleiben? Vielleicht sah sich der Wolfsburger Konzern genötigt, in die Offensive zu gehen, nachdem im November 2018 Ungeheuerliches vermeldet wurde. Die Produktion des Passat, so schrieb die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ stehe in Emden möglicherweise vor dem Aus. Es sei daran gedacht, die Produktionskapazitäten für die Mittelklasselimousine für modernere Elektrofahrzeuge zu nutzen. Bis zu diesem Bericht unvorstellbar: Vielleicht gehe die 45-jährige Geschichte des Passat insgesamt ihrem Ende entgegen.

Bald Exemplar Nummer 30 Millionen

„Das ist nicht wahr“, sagt VW-Pressesprecher Martin Hube bei der Vorpremiere zu den Spekulationen um ein nahes Produktionsaus für den „weltweit erfolgreichsten Mittelklassewagen“. 29,9 Millionen Fahrzeuge wurden von ihm gefertigt (Exemplar Nummer 30.000.000 läuft medienwirksam passend zur tatsächlichen Weltpremiere der 8.2 vom Band), bei den Kombis führt er im Markt der 36 wichtigsten europäischen Länder (EU36) die Verkaufszahlen im Segment an, bei der Limousine (11 Prozent) muss er sich mit Platz 2 begnügen – geschlagen nur von der Mercedes C-Klasse. Wichtiger noch für VW: 80 Prozent aller Käufe sind Firmenzulassungen – „der Passat ist ein Auto von Profis für Profis“. Unwahrscheinlich, dass die Flottenchefs nach 45 Jahren ihre Liebe zum Passat einfach so aufkündigen. Was allerdings stimmt: Für den Passat gibt es in Emden keine Zukunft mehr, die Produktion wird nach Tschechien zu Skoda verlagert.

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Doch zurück zu Updates und zur Version 8.2. Auch wenn es sich nur um ein Facelift handele, finde bei der internen Vernetzung des Passat ein wahrer Paradigmenwechsel statt, sagt Hube. Alle Systeme arbeiteten noch intensiver miteinander zusammen, beispielsweise tauschen sich das Navigationsgerät, die GPS-Lokalisierung und der Tempomat ständig miteinander aus. „Weiß“ der Passat, dass kurz hinter der nächsten scharfen Kurve eine Ansiedlung kommt, reduziert er rechtzeitig die Geschwindigkeit, sodass das Auto ohne Bremsen mit Tempo 50 das Ortsschild erreicht. Der Spurverlassenswarner lernt die Fahrgewohnheiten des Mannes oder der Frau am Steuer – und verzichtet auf ein ständiges Sicherheitssignal, wenn bekannt ist, dass der Fahrer immer nah an einer der Grenzlinien fährt. Weiterentwickelt wurde auch der Emergency Assist. Erkennt das System eine Fahruntauglichkeit des Chauffeurs, hält es den Wagen nicht mehr wie bisher kontrolliert auf der jeweiligen Fahrspur an, sondern steuert das Fahrzeug automatisch auf den Standstreifen (und beachtet dabei natürlich den Verkehr in der Umgebung).

Der Eindruck, es beim neuen Passat mit einem rollenden Computer zu tun zu haben, drängt sich mehr und mehr auf, je länger Hube die IT-Neuerungen des Wagens beschreibt. Während ein Konkurrent aus Stuttgart seine Dienste unter dem Schlagwort „Me“ zusammenfasst, heißt die neue digitale Dachmarke in Wolfsburg „Volkswagen We“. „Sie ist die Absprungbasis für alle künftigen Dienste“, sagt Hube. Und die Möglichkeiten scheinen hier endlos zu sein, wie aus zwei bereits beim Passat 8.2 verfügbaren Optionen hervorgeht. Beispielsweise kann der Fahrer die Zugangs- und Nutzungsrechte für sein Auto per App befristet an einen Mitarbeiter überlassen, etwa wenn der Chef eilig zum Flughafen musste, der „8.2“er dort aber wegen der teuren Parkgebühren nicht ewig stehen bleiben soll. Oder – wichtig fürs Flottengeschäft mit ständig wechselnden Fahrzeugen für die einzelnen Mitarbeiter: Nahezu alle persönlichen Präferenzen von der Sitzeinstellung über die Klimatisierung, die Musikauswahl bis hin zur Ambientebeleuchtung liegt beim Einloggen in jedem Fahrzeug der Flotte vor.

VW-Mitarbeiter René Bondzio schaut hier ein wenig in die Zukunft: „Wenn „Volkswagen We“ in allen Modellen unserer Flotte integriert ist, finde ich irgendwann sogar meine Einstellungen aus dem Passat in meinem Urlaubsmietwagen, egal ob Golf oder Touareg, vor.“ Die wegen der Fahrzeughöhen unterschiedlichen Blickprofile würden rechnerisch so weit wie möglich angeglichen. „Volkswagen We“ soll dabei kein Wolfsburger Alleingang sein, sondern ist auch offen für neue Partner.

Vier Selbstzünder, drei Benziner, ein Plug-in-Hybrid

Auch das hätte es früher nicht gegeben: Informationen über die künftigen Motorisierungen finden sich ganz am Ende dieses Textes. Das soll allerdings nicht heißen, dass es hier keine spannenden Veränderungen gäbe. Bei den Dieseln emittiert der komplett neuentwickelte 2.0 TDI Evo (110 kW/150 PS) 10 g/km weniger CO2 als der Vorgänger (vorläufiger Wert). Drei weitere Selbstzünder gesellen sich zum genannten Aggregat: mit 88 kW/120 PS, 140 kW/190 PS und 176 kW/240 PS. Bei den TSI-Benzinern bietet VW folgende Optionen: 110 kW/150 PS, 140 kW/190 PS, 200 kW/272 PS. Alle TSI und TDI-Motoren erfüllen die Euro-6d-Temp-Norm. Der Plug-In-Hybrid GTE hat eine um fünf auf 55 Kilometer erhöhte Elektroreichweite, nach dem alten Messverfahren NEFZ wären es sogar 70 Kilometer und damit 20 Kilometer mehr.

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Preise für den neuen Passat wurden noch nicht genannt. Das passiert vielleicht, vielleicht aber auch nicht, bei der tatsächlichen Weltpremiere in Genf. Auf den Markt kommt der weltweit erfolgreichste Mittelklassewagen ohnehin erst in der zweiten Jahreshälfte.