Opel Corsa wird zum Smartphone auf Rädern

aus Im Auto Mobil

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Das System IntelliLink spiegelt die Anzeige des Smartphones auf das Display des Opel Corsa. Die Anwendungen können dann über das Sieben-Zoll-Touchscreen bedient werden. Foto: Opel

Zyniker behaupten ja, die Autohersteller könnten deutlich mehr Fahrzeuge an die jüngere Kundschaft verkaufen, wenn sie die Wagen wie ein riesiges Smartphone designen und dann...

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. Bei Intellilink muss, vereinfacht gesagt, nicht das Auto die Rechenleistung zur Verfügung stellen, sondern das Gefährt zapft die Kapazitäten des Smartphones (die ja viel größer sind als die ausgewachsener Desktop-PCs noch vor einigen Jahren) an und spiegelt den Display-Inhalt in der Fahrzeuganzeige. Dadurch kann das System zu einem konkurrenzlos günstigen Preis angeboten werden (wobei sich Opel hier einen kapitalen Fehler leistet, doch dazu später mehr).

Navigator und Multimediasystem

Primär hat IntelliLink zwei Funktionen. Es stellt über die App BringGo eine Navigation zur Verfügung und sorgt für die Audio-Unterhaltung, entweder durch das Abspielen von Titeln aus der Smartphone-Mediathek oder durch das Internet-Radio TuneIn. Dritter im - noch überschaubaren - App-Bunde ist Stitcher, ein Podcast-Internetradio, das Programme live oder nach ihrer ersten Ausstrahlung sendet. IntelliLink ist kompatibel zu Smartphones mit Android- oder iOS-Betriebssystem. Während es bei iOS, da es nur unmodifiziert vorliegt, keine Kompatibilitätsprobleme gibt, sollten Corsa-Interessenten vor dem Kauf checken, ob ihr Android-Smartphone in der wachsenden Liste jener Geräte ist, die unterstützt werden. iPhone-Nutzer haben keinen Grund, gehässig zu sein. Sozusagen als Ausgleich für die Kompatibilitätsproblematik der Android-Konkurrenz muss das Apple-Telefon bei Nutzung der Navigation immer per Kabel mit dem Auto verbunden sein, auch wenn IntelliLink natürlich auch per Bluetooth arbeitet. Das führt zu einem unschönen Kabelsalat. Ärgerlich, dass Apple immer noch solche Marotten an den Tag legt.

Grobe Schnitzer im Testbetrieb

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Nur zu gerne hätte ich an dieser Stelle geschrieben, dass mich IntelliLink rundherum überzeugt. Im Test allerdings kam es beim System zu groben Schnitzern. Erst ließ sich über die Touchscreen-Steuerung des Fahrzeug-Displays bei TuneIn kein Sender einstellen (das musste über den Smartphone-Bildschirm geschehen, sicherlich nicht die beste Lösung beim Fahren…), dann leistete sich das Navi kapitale Aussetzer und fror schließlich ganz ein. In gewisser Hinsicht war das auf dem Weg nach Frankfurt, wobei ich mich auch ohne Fährtensucher leidlich zurechtfinde, allerdings fast eine Erleichterung. Ansagen wie "Biegen Sie rechts ab auf Wiesbaden" wirken leider wie das Ergebnis einer chinesischen Hinterzimmerprogrammierung. Opel-Offizielle schwören (und meine Kollegen bestätigen es), dass IntelliLink bei einer Adam-Präsentation vor wenigen Wochen ausgezeichnet funktionierte.

Größter Lapsus beim Preis

Den größten Lapsus leistet sich Opel aber beim Preis, Zwar ist IntelliLink laut Corsa-Pressemappe "mit nur 300 Euro äußerst erschwinglich". Der Preis gilt allerdings nur für die gehobeneren Ausstattungslinien, in denen der Corsa mindestens 13.490 Euro kostet. Für die Basis-Version des Kleinwagens (ab 11.980 Euro) werden für IntelliLink (wohlgemerkt: dasselbe System) dann plötzlich nicht mehr 300, sondern unglaubliche 950 Euro fällig. Liebe Opelaner, welche Ausstattungslinie kommt für jemanden, der sich, vielleicht sogar mit Omas Unterstützung, erstmals einen Neuwagen kauft, wohl am ehesten in Frage? Richtig: die günstigste. Hier den potenziellen Kunden, für den, siehe oben, Konnektivität eine Haupt-Kaufentscheidung ist, gleich wieder zu vergraulen, scheint für mich nicht unbedingt die zielführendste Strategie zu sein…

(Einen Bericht über den neuen Opel Corsa lesen Sie an diesem Wochenende - 18./19.10.2014 - im MotorJournal dieser Zeitung.)