GTI-Klassentreffen auf der Rennstrecke

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Auch das Drumherum muss stimmen: Badeenten und -schuhe im GTI-Design. Foto: Axel Keldenich

Da mag es inzwischen auf dem Markt noch so viele PS-starke Konkurrenzmodelle geben: Der Buchstabenkombination GTI, mit der VW vor mehr als 40 Jahren den Golf in einen –...

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. Von Axel Keldenich

Klassentreffen der Wolfsburger in Andalusien. Während in Niedersachsen nach wie vor Dieselskandal und Führungswechsel die Themen im Alltag des Konzerns sind, tummelten sich die Sonntagskinder des Hauses VW oberhalb von Malaga, nahe dem berühmten Bergort Ronda auf der privaten „Ascari“-Rennstrecke. Hier, wo der holländische Multimillionär Klaas Zwart die berühmtesten Kurven der Rennstrecken dieser Welt nachbauen ließ, trafen sich alle, die nicht nur VW, sondern auch GTI heißen. Derzeit sind das drei Modelle, neben dem legendären Golf auch der Polo und seit Jüngstem der kleinste Volkswagen namens up.

Überschrieben war das Ganze mit „Performance Days“ und das gab dann neben den verschiedenen Generationen der „Grand Turismo Injektions“ auch zwei ganz speziellen Derivaten die Zugangsberechtigung zu Fahrerlager und Boxengasse. Der Älteste von ihnen war der Golf mit Bi-Motor, mit dem VW 1987 das ehrfurchtsvoll „Race to the Clouds“ genannte Event am Pikes Peak in Angriff genommen hat, das auf 2.862 Meter startet und erst auf 4.302 Metern über Normalnull endet. Der damalige Pilot Jochi Kleint berichtete in Spanien noch einmal, wie knapp er damals scheiterte. Gerade jetzt nimmt man nun einen neuen Anlauf und schickt zur diesjährigen Austragung das erste rein elektrisch angetriebene Rennfahrzeug von Volkswagen an den Start.

Kein "Einstiegsmodell" für jeden

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Der zweite GTI, den niemand auf der Straße sehen wird, ist brandneu und trägt außer dem Namen Golf GTI das Kürzel TCR. Mit dem 350-PS-Boliden gehen VW-Kunden ab sofort auf die Rundstrecke. Auf dem Ascari-Kurs war für Gäste nur der Beifahrerplatz reserviert, aber auch diese Mitfahrt nötigte dem Otto-Normal-Fahrer schon den höchsten Respekt ab. Wenn er es denn überhaupt bis ins Auto schaffte. Der Autor scheiterte schon bei dem Versuch, zwischen dem Sicherheitsgestänge auf die Sitzschale zu kommen (der GTI TCR ist eindeutig kein klassisches "Einstiegsmodell") und berichtet deshalb nur vom Hörensagen.

Auch wenn also das Sahnehäubchen fehlte, blieb noch reichlich Fahrspaß mit den GTI-Drillingen. Vom Urvater Golf hatten die Verantwortlichen tatsächlich alle sieben Generationen seit 1976 nach Andalusien beordert und fahrbereit aufgereiht. Da ließ sich also einmal der Vergleich zwischen diesem Begründer der Legende und dem jüngsten Spross anstellen, denn der 1976er-Golf und der 2018er-up liegen leistungsmäßig ganz dicht beieinander. 110 PS der Ältere, 115 der Zwerg. Wobei der Golf vier Zylinder besaß, während der up seine Kraft aus deren drei bezieht.

Der längste Rennkurs Spaniens

Die Ascari-Strecke, übrigens der längste Rennkurs Spaniens, bot sogar Platz für zwei Erlebnislocations. Während es auf der einen stetig rund ging, hatten die Experten von VW auf der anderen einen Slalom- und Handlingkurs präpariert. Hier wie dort waren die Erkenntnisse die gleichen: Vater Golf macht nach wie vor Laune, richtig krachen lässt es aber heute der Polo. Und der up? Na ja, er ist im Reich der Kraftzwerge sicher auch ein Spaßmacher, seinen großen Brüdern kann er aber das Wasser nicht reichen. Aber natürlich trägt auch er alle Insignien, die ihn als dem GTI-Clan zugehörig ausweisen: Das karierte „Clark“-Sitzmuster, den Schaltknauf in Form eines Golfballs und den charakteristischen Schriftzug. Und er ist wie die beiden anderen 1,5 Zentimeter tiefer gelegt, aerodynamisch und fahrwerkstechnisch optimiert und rollt auf anderen Pneus als die „bürgerlichen“ Varianten.

Preislich bleiben die drei VW-Sportler in ihren Klassen jeweils erschwinglich. Den Golf gibt es ab 30.425 Euro, die Liste des Polo beginnt bei 23.950 Euro und der günstigste up GTI kostet 16.975 Euro. In dieser letzten Summe sieht der bekennende GTI-Fan Hans-Joachim Stuck die Möglichkeit, junge Leute, die eigentlich kaum noch auf sportliche Autos stehen, doch noch für einen solchen Flitzer zu begeistern.

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(Axel Keldenich, der Autor dieses Blogeintrags, arbeitet als freier Journalist für Tageszeitungen und Magazine.