Aus Liebe zum Lärm - warum nicht alle Autos leise sind

aus Im Auto Mobil

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Der Lärm, den diese F-Type-Fahrzeuge auf der Rennstrecke am Bilster Berg machen, kann man sich kaum vorstellen. Für manche Autofans klingt das allerdings wie Musik. Foto: Jaguar

Autos werden immer leiser. Wer nicht gerade als Fußgänger das Überqueren einer Straße ausschließlich nach Gehör startet, wird diese Entwicklung begrüßen. Doch es gibt...

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. In der Ruhe liegt ja angeblich die Kraft - aber Kraft sorgt nicht unbedingt für Ruhe. Ein Verbrennungsmotor sorgt nun einmal für einen gewissen Lärmpegel. Dass sich die Geräuschbelastung bei einem Auto für die Fahrzeuginsassen und - mindestens ebenso wichtig - für die Menschen in der Umgebung in erträglichen Grenzen hält, ist das Verdienst unermüdlicher Arbeit bei den Automobilherstellern. Wer, um nur ein Beispiel zu nennen, eine S-Klasse mit niedriger Geschwindigkeit vorbeifahren hört, mag kaum glauben, dass der Motor unter der Haube in diesem Moment tatsächlich werkelt.

Lärm gehört manchmal zum guten Ton

Nicht jeder Autofahrer möchte allerdings, dass seine Karosse einen Flüsterpreis gewinnt. Bei einem Sportwagen etwa gehört es buchstäblich zum guten Ton, dass sich der PS-starke Motor ordentlich bemerkbar macht. Hier schlägt die große Stunde der Soundingenieure. Sie sorgen dafür, dass der Fahrer vom Triebwerk eine ordentliche akustische Rückmeldung bekommt. Das funktioniert erstaunlicherweise so punktgenau, dass schon der Beifahrer vom PS-Getöne viel weniger mitbekommt als der Fahrer. Es gibt aber auch Ausnahmen von der Regel, dass Autos immer leiser und akustisch zahmer werden. Jaguar geht einen mutigen Weg: Ein aktives Auspuffsystem, so lesen wir in der Pressemappe, "führt das akustische Erlebnis an Bord eines Jaguar F-TYPE zu neuen Höhen. Über eine Reihe elektronisch gesteuerter Bypass-Ventile im hinteren Teil des Auspuffstrangs wird die Soundwiedergabe bei zügiger Beschleunigung deutlich sportlicher. Kann der Motor doch dann auf direktem statt verschlungenem Weg frei ausatmen."

Frei ausatmende Motoren

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Merke: Frei ausatmende Motoren machen Lärm, gewollten Lärm. Er schwillt, um noch einmal den Pressetext zu bemühen, "beim Erreichen der Gipfelregionen des Drehzahlbandes zu einem prickelnden Crescendo an". Und weiter: "Zur Abrundung des Sounderlebnisses hat Jaguar zusätzlich ein Rückkoppelungssystem entwickelt, das den Insassen zusätzlich ,Musik` aus dem Ansaugkrümmer zu Ohren bringt."

Prickelndes Crescendo

Ich weiß nicht, wie es meinen Mitmenschen geht, aber ich liebe es eigentlich, wenn ich mich im Auto mit meiner Beifahrerin oder meinem Beifahrer in Zimmerlautstärke unterhalten kann (oder möglicherweise unerfreuliche Gespräche abwürge, indem ich das Radio entsprechend laut stelle). Insofern stehe ich einem, wenn auch "prickelnden", Crescendo, das ein Motor verursacht, eher skeptisch gegenüber. Die Fahrt mit dem Jaguar F-Type hat mich allerdings, ich gebe es errötend zu, eines Besseren belehrt. Das Klangerlebnis, das der Sechszylinder dank Soundengineering vermittelt, ist mit Worten nicht zu beschreiben (würde bei dem Lärm auch eh keiner verstehen). Nicht, dass ich das aufheulende Geröhre auf einer Fahrt von Mainz nach Hamburg dauerhaft um mich haben müsste. Bei einer lustbetonten Ausfahrt über kurvenreiche Strecken, für die Roadster letztendlich ja irgendwie entwickelt wurden, trägt das PS-Konzert aber nicht unerheblich zum Spaß bei.

Auch an die Nachbarn denken

Unvermeidlich der Einwand: Und die Nachbarn? Deren Ruhe ist für ganze 240 Euro zu sichern. Soviel kostet es beim F-Type S als Aufpreis, damit der ganz besondere Motorenlärm nur auf Knopfdruck aktiviert wird. Dass man die entsprechende Taste nur außerhalb geschlossener Ortschaften drückt, gebietet nicht nur die Gentlemanness, über die man als Fahrer eines britischen Autos prinzipiell verfügen sollte. Eine solche Selbstbeschränkung kann nicht funktionieren? Doch, tut sie. Beim Starten des F-Type dreht der Motor einmal kurz hoch, um dann mit der Drehzahl wieder in Leerlauf-Regionen abzufallen. Klingt wirklich beeindruckend. Dennoch sah sich Jaguar genötigt, diese Startsequenz anzupassen. Kunden hatten sich beschwert, dass die Geräuschentwicklung beim Starten ihres F-Type doch ein wenig zu viel des Guten sei - auch und besonders im Sinne der Nachbarn. Nun dreht der F-Type etwas weniger hoch.