Mendig/Plaidt: Der heiße Atem der Erdgeschichte

Die Lavakeller in Mendig. Foto: Vulkanpark, Kappest

Vor 13000 Jahren brach der Vulkan am Laacher See aus. Doch Mofetten, kohlendioxidhaltige Blasen, steigen auch heute noch an seinem Ostufer auf. Dagmar Staab war dem Vulkanismus...

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Mendig/Plaidt. Der Ausbruch am Laacher See stellte alles in den Schatten, was bisher in der Eifel an vulkanischen Aktivitäten so los war. 13.000 Jahre ist das her. Doch Mofetten, kohlendioxidhaltige Blasen, steigen auch heute noch an seinem Ostufer auf. Ein Zeichen dafür, dass es unter der Erde weiter brodelt.

Der perfekte Tag widmet sich dem Vulkanismus in der Eifel und startet im Infozentrum in Plaidt. Keine Angst, der Ort ist sowohl von Mainz als auch von Wiesbaden mit dem Auto in einer Stunde erreichbar.

Multimedialer Vulkanausbruch

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Das Zentrum ist das Tor zum Vulkanpark. Untergebracht in einer alten Mühle erzählen Ausstellung und Filme von 40.000 Jahren Erdgeschichte, in denen in dieser Region mehr als 100 Vulkane ausbrachen. Sie hinterließen kreisrunde Maare, Tuffringe, Lavaschichten und Schlackenkegel. Danach war rund 200.000 Jahre Ruhe, bis der Laacher See regelrecht platzte. Die Wolke aus Bims und Asche stieg so hoch, dass Partikel sogar in Schweden und Italien landeten. Pflanzen, Menschen und Tiere wurden mit einer meterdicken Schicht überzogen, die bis in den Westerwald reichte.

Die Überbleibsel dieses Infernos werden seit etwa 5.000 v. Chr. abgebaut. Auch bei den Römern waren sie heiß begehrt. Hinter dem Info-Zentrum können Spuren römischer Hacken und Meißel besichtigt werden.

Weiter geht es mit dem Auto zum Lavadome in Mendig und seinen historischen Kellern, denn im späten Mittelalter ging man mit dem Abbau auch unter Tage. Der Hit im Dome ist ein multimedialer Vulkanausbruch inklusive wackelnden Stühlen und sich dahinwälzenden Lavaströmen. Das Rundkino stellt die Frage: Was wäre, wenn der Vulkan unter dem Laacher See wieder explodieren würde?

Einst bedeutendste Braustadt Deutschlands

Die Lavakeller sind nur geführt zu besichtigen. Nach 150 Stufen ist man 30 Meter unter der Erde, mitten in einem erkalteten Lavastrom. Bis 1964 wurde hier kostbarer schwarzer Basalt abgebaut und meist zu Mühlsteinen verarbeitet.

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Die konstante Temperatur von sechs Grad lockte im 19. Jahrhundert Brauereien an, die die bis zu 15 Meter hohen Stollen als Lager nutzten. So war Mendig mit 28 Betrieben bei 2.800 Einwohnern einst die bedeutendste Braustadt Deutschlands - bis zur Erfindung des Kühlschranks.

1997 wagte die Vulkan Brauerei einen Neustart. Das Gasthaus ist gleich neben dem Lavadome und deshalb Ziel der Mittagspause. Auf der Speisekarte: deftige Gerichte wie Haxenfleisch, Schweinebraten und Eifler Kartoffelsuppe.

Schlenker zur Wingertsbergwand lohnt sich

Auf den Weg zum See und seinem Kloster Maria Laach lohnt sich ein Schlenker zur Wingertsbergwand, einer 60 Meter hohen Bims- und Tuffwand, an der die Ausbruchsphasen wunderbar zu sehen sind.

Wer die ganze Welt der Vulkane in der Eifel erleben möchte, sollte sich auf die 280 Kilometer lange Deutsche Vulkanstraße begeben. Sie verbindet 39 geotouristisch interessante Punkte. Besitzer der Freizeitkarte Rheinland-Pfalz & Saar erhalten teilweise freien Eintritt.

EXTRA KLOSTER MARIA LAACH Die Abtei Maria Laach wurde 1093 durch Pfalzgraf Heinrich II. von Laach gegründet. Nach der Säkularisierung 1802 erwarb die Familie Delius das Anwesen und baute es zu einem Gutshof um. 1892 erfolgte die Wiederbesiedlung durch Benediktinermönche aus der Erzabtei Beuron. Der Abt vertritt aus Sicht der Mönche die Stelle Christi im Kloster.

Von Dagmar Staab