Sorge um mögliche Corona-Varianten aus China

aus Coronavirus-Pandemie

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Terminal 5 am Londoner Flughafen Heathrow: Auch England hat eine Corona-Testpflicht für Reisende aus China eingeführt.

Amtsärzte in Deutschland fordern EU-weite Testpflicht für Reisende aus China, um Virus-Mutationen schnell zu entdecken. China findet die Einreiseregeln derweil „diskriminierend“.

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Berlin/Peking. Die deutschen Amtsärzte fordern für alle Einreisenden aus China eine einheitliche Corona-Testpflicht in der Europäischen Union. Bei einer explosionsartigen Ausbreitung wie derzeit in China müsse man damit rechnen, dass das Virus mutiere, sagte Johannes Nießen, Vorsitzender des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Deswegen müsse man vorbereitet sein.

Jeder Reisende aus China sollte bei der Einreise in die EU per Schnelltest getestet werden.

JN
Johannes Nießen Vorsitzender , Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes

„Wir brauchen jetzt ein europaweit einheitliches Schutzkonzept”, so der Mediziner. „Jeder Reisende aus China sollte bei der Einreise in die EU per Schnelltest getestet werden.” Bei einem positiven Testergebnis müsse ein PCR-Test folgen und die Probe sequenziert werden. Wer sich infiziert habe, solle in jedem Fall in Isolation gehen müssen, so Nießen.

Drosten warnte bereits im November vor möglicher Rolle Chinas bei Mutationen

Die starke Ausbreitung des Coronavirus in China bereitet Experten vor allem deshalb Sorgen, weil durch die große Anzahl Infizierter innerhalb einer kurzen Zeit die Gefahr von Mutationen wieder größer wird. Bereits Ende November hatte der Berliner Virologe Christian Drosten in einem Interview mit der „Zeit“ eingeräumt, dass seine momentane Sorge vor einer möglichen „Revolution“ des Virus vor allem China gelte. „Weltweit ist die Immunität recht homogen verteilt, in Industrieländern durch Infektion auf dem Boden der Impfung, in ärmeren Ländern sogar durch mehrfache Infektion der Bevölkerung“, sagte er. In China jedoch sei das bislang nicht der Fall gewesen. „Ich würde nicht ausschließen, dass dort in puncto Evolution noch einmal ein Sprung passiert“, hatte er damals gesagt, auch wenn diese Entwicklung nicht zwingend sei.

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EU trifft sich am Mittwoch zu erneutem Krisengespräch

Die Europäische Union hatte bei Beratungen zur aktuellen Corona-Welle in China am vergangenen Donnerstag allerdings noch keine gemeinsame Linie beschlossen. Für diesen Mittwoch setzte die schwedische EU-Ratspräsidentschaft ein weiteres Treffen des zuständigen Krisenreaktionsmechanismus an.

Mehrere europäische Länder haben inzwischen Einreisebeschränkungen für Reisende aus China erlassen oder diese in Aussicht gestellt, darunter Frankreich, Italien und Spanien. In Frankreich sind künftig auch PCR-Tests nach der Ankunft vorgeschrieben. Auch in Großbritannien wurde eine Testpflicht für Einreisende aus China eingeführt. Die Bundesregierung hatte am Sonntag hingegen bekräftigt, dass sie zunächst noch abwarten will.

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In China hat sich die Regierung derweil gegen strikte Einreisebestimmungen anderer Länder für Reisende aus der Volksrepublik ausgesprochen. „Die Maßnahmen sollten normale Reisen nicht beeinträchtigen“, sagte Außenamtssprecherin Mao Ning am Dienstag. Die Reaktionen sollten „wissenschaftsbasiert und angemessen“ sein. „Niemand sollte die Gelegenheit ergreifen, um politische Manipulationen oder diskriminierende Reaktionen vorzunehmen.“

Nach fast drei Jahren mit Lockdowns, Massentests und Zwangsquarantäne hatte China am 7. Dezember abrupt ein Ende seiner Null-Covid-Politik verkündet. Das bevölkerungsreichste Land erlebt gerade eine riesige Corona-Welle, der besonders Menschen im hohen Alter oder mit Vorerkrankungen zum Opfer fallen. Krankenhäuser sind überlastet, Krematorien können die Leichen nicht schnell genug einäschern. China veröffentlicht inzwischen keine Zahlen mehr zur Infektionslage.

Allein in den ersten drei Dezemberwochen haben sich nach offiziell unbestätigten internen Schätzungen schon 248 Millionen Menschen oder 18 Prozent der Bevölkerung mit Corona infiziert. Die Welle habe in Großstädten ihren Höhepunkt überschritten und erfasse in diesem Monat ländliche Gebiete, hieß es in Staatsmedien.