Zu A643-Ausbau werden hunderte Einwendungen erwartet

Seltenes Exemplar: Der Wiedehopf. Foto: Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz/Mathias Schäf/dpa

Stoppen dürften Flora und Fauna das Projekt A643 bei Mainz wohl kaum – höchstens verzögern. Hunderte Einwendungen zum sechsspurigen Ausbau sollen am Freitag offiziell...

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MAINZ. Der Wiedehopf, lateinisch „Upupa epops“, fällt durch seinen langen Schnabel, den markanten Kopf und sein orange-braunes Federkleid auf. Allerdings in Deutschland nicht mehr so oft. Nicht einmal 500 Paare sollen hier noch brüten. Umso erstaunlicher, dass sich im Naturschutzgebiet Mainzer Sand Exemplare des vom Aussterben bedrohten Tieres finden lassen.

Baumfalke und Dohle sind ebenfalls zu finden

Insgesamt haben Experten jeweils 500 Meter von der A 643 entfernt sowie in den angrenzenden Gebieten des Mainzer Sandes rund 88 Brutvogelarten gefunden. 20 davon stehen auf der Roten Liste, unter anderem auch der Baumfalke und die Dohle. Nachzulesen in den Planfeststellungsunterlagen zum sechsstreifigen Ausbau der A 643 zwischen Mainz-Mombach und Mainz-Gonsenheim.

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Seit einigen Wochen liegen die Unterlagen öffentlich aus; die Frist sollte eigentlich diesen Freitag enden – sie wurde aber auf Wunsch von Naturschützern und Verbänden noch einmal verlängert. Wie der federführende Landesbetrieb Mobilität (LBM) auf Anfrage mitteilte, sind bereits 35 Einwendungen zum Bauvorhaben von Privatpersonen eingegangen. Nach Angaben von Jürgen Weidmann vom Arbeitskreis Umwelt Mombach dürften weitere 200 bis 300 Einwendungen eingehen. Sie sollen am Freitag der Stadt Mainz übergeben werden. Dort sind die Unterlagen ausgelegt.

Können die Naturschützer den Ausbau noch aufhalten? In den Mustereinwendungen des Bündnisses „Nix in den Mainzer Sand setzen“ erfährt man, worum es den Kritikern geht: So sei eine „4+2“-Lösung, also die temporäre Freigabe der Standstreifen, nicht hinreichend geprüft worden. Auch würden Effekte durch ÖPNV-Projekte nicht genügend berücksichtigt. So könne der Verkehr auf der A 643 zwischen Mainz und Wiesbaden um bis zu sieben Prozent entlastet werden. Wie aus den Unterlagen der Planfeststellung hervorgeht, rechnen die Planer mit einer Steigerung der Verkehrszahlen auf der Schiersteiner Brücke bis 2030 um fast 22 Prozent – von 84 000 Fahrzeugen am Tag (2014) auf rund 103 000. Würde die Autobahn zwischen Mombach auf sechs Streifen ausgebaut, würde sich die Zahl noch einmal auf 106 000 erhöhen und im Fall des weiteren Ausbaus bis zum Mainzer Dreieck noch einmal auf 107 000.

Die Unterlagen sind aus Sicht der Ausbaukritiker unzureichend. So seien die Auswirkungen der teils bis zu acht Meter hohen Schallschutzwand auf Tier- und Pflanzenwelt nicht genügend untersucht. Es geht um Wind, Schattenwurf und Feuchtigkeit. Auch reichen den Einwendern die Untersuchungen zu Bienen und Wespen nicht. So wurde im Mainzer Sand 2017, erstmals nach 150 Jahren, wieder die sogenannte Dünen-Steppenbiene entdeckt. Immerhin ist dem Tierchen in den mehrere hundert Seiten umfassenden Planfeststellungsunterlagen ein eigenes Gutachten gewidmet. Es gebe nicht mehr viele Orte in Deutschland, wo man diese Bienenart finde, heißt es dort: „Beim Tangieren ihrer Lebensstätten müssen daher alle erdenklichen Schutzmaßnahmen in Betracht gezogen und umgesetzt werden“, schreibt der Gutachter.

Stoppen dürften Flora und Fauna das Projekt A 643 wohl kaum – höchstens verzögern. Die Planer des Landesbetriebs haben großen Wert darauf legt, die Eingriffe in die Natur zu minimieren, möglichst wenig Fläche zu verbrauchen. In älteren Äußerungen des LBM hieß es, man rechne mit einem Planfeststellungsbeschluss „nach 2021“. Aktuell will der LBM keine Schätzung mehr abgeben. Die Natur- und Vogelschutzverbände in Rheinland-Pfalz fordern ein Moratorium für den Ausbau – mit Ausnahme der bereits begonnen Maßnahmen wie Schiersteiner Brücke und Vorlandbrücke.

Von Markus Lachmann