Wie geht es am Flughafen Hahn 2022 weiter?

Der Airport Frankfurt-Hahn. Foto: dpa

Nach dem Insolvenzantrag des Flughafens Hahn haben erste potenzielle Investoren Interesse bekundet. Der Flugbetrieb gilt als gesichert - allerdings nur für wenige Monate.

Anzeige

HAHN. Nach dem Insolvenzantrag ist es am Flughafen Hahn mitten im Hunsrück noch unsicher, ob dort auch von Januar 2022 an weiter große Maschinen starten und landen. Für Oktober, November und Dezember 2021 fließe Insolvenzgeld auf die Konten der insgesamt rund 430 Mitarbeiter der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH (FFHG) und ihrer Schwestergesellschaften, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner am Mittwoch. Im späteren, eigentlichen Insolvenzverfahren müsse der Hahn "allerdings dann auf eigenen Füßen wieder stehen". Das "Nadelöhr" zu dieser Phase sei ein generelles Problem derartiger Verfahren. Er wisse, "dass es insgesamt mit Regionalflughäfen eher problematisch ist".

Der vorläufige Insolvenzverwalter sagt im leer wirkenden ersten Stock des Terminals aber auch, es hätten sich in Eigeninitiative erste mögliche Investoren für den Hahn gemeldet. Dieser gehört zu 82,5 Prozent dem ebenfalls finanziell angeschlagenen chinesischen Großkonzern HNA und zu 17,5 Prozent dem Land Hessen. Von Seiten der Interessenten gibt es laut Plathner bisher eine "mittelmäßig rege Ansprache". Wie viele es seien, wolle er nicht sagen. In einem nächsten Schritt werde ein internationaler Investorenprozess aufgelegt. Es gehe darum, "die beste Lösung für die Gläubigergemeinschaft zu finden".

Draußen startet derweil eine Passagiermaschine. Auf der Hahn-Internetseite findet sich kein Flugplan mehr, nur der Hinweis, direkt auf die Tafeln am Airport zu schauen. Die dortigen Läden sind ständig geschlossen, die Gastronomie öffnet nur noch unregelmäßig, je nach Flugbetrieb. Dabei hat auch die Corona-Pandemie eine große Rolle gespielt.

Anzeige

Belegschaft hofft auf Investor

Der stellvertretende FFHG-Betriebsratsvorsitzende Karl-Heinz Heinrich sagt, sein Gremium habe erst aus den Medien vom Insolvenzantrag erfahren. Nach dem ersten, sehr großen Schock gebe es inzwischen aber eine "Vorhoffnung" in der Belegschaft, "dass ein Investor kommt und den Hahn zu einem erfolgreichen Unternehmen bringt". Heinrich betont, das Frachtgeschäft laufe gut: "Wir haben hohen Umsatz, es ist Geschäft da." Er persönlich würde auch noch für März 2022 als Passagier einen Flug vom Hahn buchen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Plathner, der sich schon 2014 um den insolventen Flughafen Zweibrücken gekümmert hat, hebt die "gute" Anbindung des Airports und seine seltene Nachtfluggenehmigung hervor. Beides sei für Investoren interessant. Eine Zug- oder eine Autobahnanbindung gibt es allerdings nicht. Inwiefern bis 2024 noch staatliche Beihilfen für den Hahn fließen könnten und seine sogenannten Optionsflächen von Interessenten genutzt werden könnten, wisse er nur zwei Wochen nach seiner Bestellung zum vorläufigen Insolvenzverwalter noch nicht, ergänzt Plathner.

Der promovierte Frankfurter Jurist hat aber natürlich von früheren jährlichen Verlusten des Hunsrück-Flughafens von beispielsweise einmal rund 12 und einmal etwa 15 Millionen Euro erfahren: "Mit solchen Zahlen arbeiten wir jetzt auch."

Er wisse nicht, ob der jetzige Hahn-Haupteigentümer HNA, dessen Anteile bis 2017 dem Land Rheinland-Pfalz gehörten, erneut seinen Hut in den Ring werfe, sagt Plathner. Sonderrechte hätten die Chinesen im neuen Investorenprozess nicht. Das Land Hessen dagegen will seine Anteile von 17,5 Prozent am Airport Hahn verkaufen - wobei es vorrangig um das Ziel gehe, den Betrieb fortzusetzen.

Der Betriebsrat ist vom Mischkonzern HNA, der Anfang 2021 seinerseits Insolvenz angemeldet hat, spürbar enttäuscht. Betriebsrats-Vizechef Heinrich, der bei der Flughafen-Feuerwehr arbeitet, sagt: "Es wurden hier viele Projekte geplant, aber keine fertiggestellt." Ein Beispiel seien die regelmäßigen Passagierflüge vom Hunsrück nach China mindestens dreimal pro Woche, die der Hahn schon für 2019 angekündigt und dann verschoben hatte. Bis heute ist es dazu nicht gekommen.

Anzeige

Von dpa