Unternehmer fordern Breitbandausbau

Im Ranking der Digitalisierung will der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) noch vor Bayern und Baden-Württemberg landen, den Musterländern der deutschen Wirtschaft.  Foto: dpa  Foto: dpa

Das Fehlen eines „leistungsfähigen Breitbandnetzes“ nennen 39 Prozent der Unternehmer als „Hemmnis“ im Ausbau der Digitalisierung ihres Unternehmens. Das hat eine...

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MAINZ. Das Fehlen eines „leistungsfähigen Breitbandnetzes“ nennen 39 Prozent der Unternehmer als „Hemmnis“ im Ausbau der Digitalisierung ihres Unternehmens. Das hat eine Umfrage ergeben, die das Land in Auftrag gegeben und vorgestellt hat. Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) will die Digitalisierung fördern – mehr Geld für den Ausbau des Breitbandnetzes gibt es aber nicht.

Die Digitalisierung sei ein „außerordentlich wichtiges Thema“, sagt Wissing. Die künftige Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Wirtschaft hänge davon ab. Deswegen hat das Land eine 137 000 Euro teure Umfrage in Auftrag gegeben, die bisher nur der Bund hat durchführen lassen: Vom Forschungsinstitut Kantar TNS, das nun auch die Umfrage in Rheinland-Pfalz erhoben hat. Wissing hat dabei ehrgeizige Ziele: Im Ranking der Digitalisierung will er noch vor Bayern und Baden-Württemberg landen, den Musterländern der deutschen Wirtschaft.

Dass das Breitbandnetz Hemmschuh Nummer eins sei, danach folgen hoher Investitionsbedarf und hoher Zeitaufwand, komme als Ergebnis nicht überraschend, wie Wissing einräumt. Und dennoch will der Minister an den noch von Rot-Grün beschlossenen Etat, 70 Millionen Euro im Jahr, nicht ran: „Für mich ist es nicht in erster Linie eine Frage des Geldes.“

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Das Land habe an anderer Stelle seine „Anstrengungen“ verstärkt. So gebe es ein Digitalisierungskabinett und jedes Ministerium sei angehalten, eine spezifische Strategie zu dem Thema zu entwickeln. Auch habe das Land Forschungsgelder so strukturiert, dass sie den Wirtschaftszweigen zugute kommen, die in der Digitalisierung noch Fortschritte machen sollen. Als ein Bereich, in dem viel Potential liege, nennt Wissing die Lagerhaltung, in der mit Hilfe digitaler Techniken effektiver gearbeitet werden könnte.

Außerdem will Wissing Überzeugungsarbeit leisten. Denn die Zahlen, die Sabine Graumann, Senior Director bei Kantar TNS, vorstellt, zeigen: Längst nicht jeder der befragten Unternehmen teilt den Enthusiasmus des Ministers für die Digitalisierung. So sagen die Vertreter der Branche „Maschinenbau / Fahrzeugbau“ sogar voraus, die Digitalisierung werde in den kommenden Jahren an Bedeutung für ihr Unternehmen eher verlieren. „Wo wir besonderen Nachholbedarf sehen, werden wir uns an Branchen wenden und nachgehen, warum das so ist“, kündigt Wissing an.

19 Prozent der Unternehmen sind hoch digitalisiert

In der Digitalisierung liegt Rheinland-Pfalz „knapp unter dem Bundesdurchschnitt“, wie Graumann ausführt. Dargestellt wird der Fortschritt anhand eines Index. 100 steht für eine volle Digitalisierung. Das Land erreicht in diesem Index den Wert 51. Wobei Graumann sagt: „Einen Wert von 100 kann ein Land eigentlich nicht erreichen“, da es in einigen Branchen Aufgaben gebe, die sich nicht digitalisieren ließen – ein Beispiel sei das Friseur-Handwerk.

Diese These wird durch die Ergebnisse einer Prognose in der Umfrage gestützt: Demnach sind 50 Prozent der Unternehmen derzeit durchschnittlich und 19 Prozent hoch digitalisiert. In vier Jahren werden demnach 40 Prozent durchschnittlich und 30 Prozent hoch digitalisiert sein. Der Anteil der Unternehmen, die niedrig digitalisiert sind, bleibt stabil bei um die 31 Prozent. Im Umgang mit digitalen Geräten erweisen sich die rheinland-pfälzischen Unternehmen als vorsichtig: Die Nutzung fest installierter, digitaler Geräte liegt bei 73 Prozent – die Nutzung digitaler Dienste nur bei 20 Prozent. Zu solchen Diensten gehören „Clouds“, die ein Speichern von Daten außerhalb der eigenen Geräte ermöglichen.

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85 Prozent der befragten Unternehmer sehen es als wichtige Aufgabe der Politik, Standards für den sicheren Austausch von Daten zu schaffen, 91 Prozent fordern klare Regeln zum Datenschutz und die wichtigste Aufgabe der Landespolitik ist für 93 Prozent der Befragten der Ausbau des Breitbandnetzes.

Von Mario Thurnes