Rheinland-Pfalz setzt verstärkt auf Tourismus

Der Loreleyfelsen bei St. Goar im Mittelrheintal ist einer der touristischen Höhepunkte in Rheinland-Pfalz.  Archivfoto: dpa  Foto:

Tourismus gehört schon jetzt mit rund 150 000 Arbeitsplätzen zu den wichtigen Wirtschaftsfaktoren in Rheinland-Pfalz. Der Landtag will den Bereich nun ausbauen und hat zu...

Anzeige

MAINZ. Tourismus gehört schon jetzt mit rund 150 000 Arbeitsplätzen zu den wichtigen Wirtschaftsfaktoren in Rheinland-Pfalz. Der Landtag will den Bereich nun ausbauen und hat zu diesem Zweck eine „Enquete-Kommission“ ins Leben gerufen, in der Abgeordnete und Fachleute gemeinsam um Ideen ringen. Ein wichtiges Ziel: Das Land soll und will bei der Übergabe von Betrieben helfen.

Das Mittelrheintal ist weltberühmt. Lange bevor es Weltkulturerbe wurde, kannten sogar japanische Schulkinder den Mythos der Loreley, die ihr langes Haar kämmt und mit ihrer Schönheit die Schiffer auf die tödlichen Felsen lockt. Die Schifffahrt ist seit diesen Tagen deutlich weniger gefährlich geworden – schön sieht es aber im Mittelrheintal aber auch schon lange nicht mehr aus. Wer mit dem Zug an einst malerischen Orten wie Bacharach oder Boppard vorbei fährt, sieht schon, wie der Putz an manchem Gasthof bröckelt. Wer aussteigt, hört, wie eben diese Bahn mit ihrem Lärm die Anwohner belastet – und Touristen von dem Gedanken an einen längeren Aufenthalt abschreckt.

Der Bahnlärm im Mittelrheintal wird einer der vielen Aspekte sein, welche die Enquete-Kommission zum Tourismus ansprechen wird, sagt die Abgeordnete Ellen Demuth (CDU), die voraussichtlich der Kommission vorstehen wird. Diese soll noch in diesem Frühjahr zusammentreten. Neben zwölf Abgeordneten werden ihr sechs Sachverständige aus der Tourismus-Branche permanent angehören. Dazu kommen sechs Experten, die von den Fraktionen vorgeschlagen werden.

„Wir wollen Investitionshindernisse abbauen“, nennt die zuständige Staatssekretärin Daniela Schmitt (FDP) ein Ziel der Kommission. Dazu gehöre es, Betriebe bei anstehenden Übernahmen zu entlasten. Zu diesem Zweck will Schmitt Auflagen abbauen, die Nachfolger von notwendigen Investitionen abhalten könnten. Das Thema sei dringend.

Anzeige

Allein im Bereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord sind die Besitzer von rund 4000 der insgesamt 8000 touristischen Betriebe älter als 55 Jahre. Die IHK führt eine Umfrage darüber durch, was die Besitzer bei der Übergabe an Problemen beschäftige. Die Ergebnisse sollen Teil der inhaltlichen Auseinandersetzung in der Kommission werden, kündigt Demuth an.

Wichtiger Impuls für die Regionalentwicklung

„Der Tourismus sichert 150 000 nicht exportierbare Arbeitsplätze“, sagt Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP). Mit einem Umsatz von 7,2 Milliarden Euro sei der ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Rheinland-Pfalz: „Gerade im ländlichen Raum kann der Tourismus einen wichtigen Impuls zur Regionalentwicklung liefern.“ Um dies zu fördern, sollen Verwaltung und Privatwirtschaft in der Kommission zusammenarbeiten.

Diesen Aspekt sieht auch die Abgeordnete Jutta Blatzheim-Roegler, die die Grünen in der Kommission vertritt: „Für viele Winzer und Bauer ist der Tourismus ein zweites Standbein.“ Doch die Gäste kämen nicht von alleine. Es gelte zum Beispiel, die Höfe barrierefrei zu machen. Außerdem sei der öffentliche Nahverkehr in ländlichen Regionen ein wichtiges Thema, das besprochen werden müsse.

Die Trends „Wandern, Wellness, Wein und Kultur“ vertragen sich für Demuth gut mit dem Urlaub im ländlichen Raum. Diese ohnehin positiv besetzten Themen stärker mit Rheinland-Pfalz zu verbinden, hat sie sich als ein Ziel für die Kommission vorgenommen. Zudem könnten sich die heimischen Betriebe noch stärker um Tagungstouristen kümmern.

Anzeige

Von Mario Thurnes