Plätze für Psychotherapie fehlen in Rheinland-Pfalz

Innerhalb des ersten Monats erhalten Patienten einen ersten Kontakt zu ihrem Psychotherapeuten. Doch danach müssen sie im Schnitt über vier Monate auf ihre Behandlung warten....

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MAINZ. Die Landeskammer der Psychotherapeuten schlägt Alarm: Es fehlt an Behandlungsplätzen in Rheinland-Pfalz. Durchschnittlich 19,4 Wochen dauert es bis ein Patient im Land eine Behandlung beginnen kann.

Das ist ein Ergebniss einer Studie, welche die Landeskammer vorgestellt hat. „Menschen mit psychischen Erkrankungen werden damit als Patienten zweiter Klasse behandelt“, sagt Sabine Maur, Vorstandsmitglied der rheinland-pfälzischen Landespsychotherapeutenkammer.

Nach erstem Kontakt vergehen vier Monate

Die Patienten bräuchten eine zeitnahe psychotherapeutische Behandlung. Zumal sie auf den ersten Kontakt nur noch fünf Wochen im Schnitt warten müssten. Das führe dann dazu, dass die Zeit zwischen erstem Kontakt und regulärer Behandlung zu lang werde. Dieser Abstand lässt sich für die Kammer durch ein Gesetz erklären, das der Bund im vergangenen Jahr beschlossen hat: Demnach müssen die Therapeuten mehr Sprechstunden abhalten. Das hat die Wartezeit auf den ersten Kontakt von zwölf auf fünf Wochen verkürzt – belaste die Therapeuten aber auch entsprechend.

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Und in Rheinland-Pfalz gibt es laut Kammer zu wenige. 450 psychotherapeutische Praxissitze fehlten. Vor allem der ländliche Raum sei betroffen. „Die Bedarfsplanung ist schlecht und veraltet“, sagt Maur. Die Planung müsse daher dringend reformiert werden.

Spahn hat bereits Reform angekündigt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe eine solche Reform auch schon angekündigt. Nun sei der „Gemeinsame Bundesausschuss“ am Zug. Das ist die Selbstverwaltung des Gesundheitswesens. Im Ausschuss sind Ärzte und Kassen vertreten. Etwa 30 Prozent der Erwachsenen erkranken laut Kammer an einer psychischen Störung. Das sind bundesweit 18 Millionen Menschen pro Jahr. Bei Kindern seien es rund zehn Prozent.

Nur jeder Fünfte erhält eine Behandlung, berichtet die Kammer – nur jeder Zwanzigste eine ambulante Psychotherapie. Bei Depressionen sei es zum Beispiel so, dass nur ein Viertel eine Behandlung erhielten, die den Leitlinien gerecht würde. 45 Prozent würden nur mit Medikamenten behandelt – 20 Prozent gar nicht.

„Werden psychische Erkrankungen nicht zeitnah fachgerecht behandelt, so kann dies zu erheblichem persönlichen Leid führen“, sagt Maur. Die Krankheiten könnten chronisch, also schlimmer werden. In der Schule oder am Arbeitsplatz bekämen die Betroffenen Probleme. Psychische Probleme seien mittlerweile der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen.

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Von Mario Thurnes