Nach Flucht aus Alzeyer Klinik: Abschiebehäftling war doch...

Mit diesem Foto fahndet die Polizei nach dem Flüchtigen. Foto: Polizei RLP

Der Abschiebehäftling, der am Sonntagmorgen trotz Bewachung aus der Rheinhessen-Fachklinik Alzey (RFK) entfliehen konnte, war entgegen der Angaben durch das...

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MAINZ. Der Abschiebehäftling, der am Sonntagmorgen trotz Bewachung aus der Rheinhessen-Fachklinik Alzey (RFK) entfliehen konnte, war entgegen der Angaben durch das rheinland-pfälzische Integrationsministerium doch in einer geschlossenen Abteilung untergebracht. Das stellte das Landeskrankenhaus, zu dem auch die RFK gehört, jetzt richtig.

Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) hatte erst am Donnerstag im rheinland-pfälzischen Landtag erklärt, dass der 27-jährige mutmaßliche Marokkaner am Samstag aus der Unimedizin Mainz in die RFK verlegt worden war. Der Mann hatte zuvor im Abschiebegefängnis in Ingelheim die Matratze in seiner Zelle angezündet und damit gedroht, sich etwas anzutun.

Richterlicher Beschluss war nicht nötig

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Nachdem er aus Mainz nach Alzey überstellt worden war, hätten die dortigen Ärzte „aus medizinischen Gründen“ entschieden, den Mann lediglich in einer offenen Abteilung unterzubringen. Das hatte das Ministerium auf Nachfrage bestätigt. Zudem, so hatte es weiter geheißen, hätte der Mann nur aufgrund eines richterlichen Beschlusses in einer geschlossenen Abteilung der RFK aufgenommen werden können. Einen solchen habe man aber nicht beantragt, hieß es.

In der RFK dürfte man von diesen Schilderungen ziemlich überrascht worden sein. Und nachdem über Medienberichte transportiert worden war, dass Ärzte der RFK den Mann lediglich in einer offenen Abteilung untergebracht hätten, hätten viele Menschen dort angerufen und nachgefragt, wie das denn sein könne.

"Unsere am besten gesicherte Abteilung“

Da der Mann bereits Häftlingsstatus gehabt habe, sei kein richterlicher Beschluss vonnöten gewesen, um ihn in eine geschlossene Abteilung zu verlegen. Dies sei auch geschehen – „und zwar im Haus Jakobsberg, das ist unsere am besten gesicherte Abteilung“, betont die Klinik. Diese könne zwar im Bedarfsfall prinzipiell auch als offene Abteilung geführt werden, durch die Anwesenheit des Abschiebehäftlings jedoch sei sie geschlossen worden.

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Der Entflohene sei beim Fußballspielen im Hof dieser Abteilung auf ein Dach geklettert – vorgeblich um einen Ball zu holen, der dort gelandet war. Dabei sei er schließlich seinen Bewachern, die der Landkreis Mayen-Koblenz abgestellt hatte, entkommen. Dass Patienten – auch solche aus geschlossenen Abteilungen – Hofgang bekommen, ist ein völlig normaler Vorgang, auf den auch ein gesetzlicher Anspruch besteht.

Von Dominic Schreiner