Mit 50 000 Volt gegen Gewalttäter

Elektroschocker in Signalfarbe: 84 Streifenpolizisten werden ab sofort den Einsatz von Tasern im Polizeialltag testen. Foto: Harald Kaster  Foto: Harald Kaster

Die rheinland-pfälzische Polizei testet ab sofort und für ein Jahr den Einsatz von Tasern, im Polizeisprech Distanz-Elektroimpulsgeräte genannt. In bedrohlichen Situationen...

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MAINZ. Die rheinland-pfälzische Polizei testet ab sofort und für ein Jahr den Einsatz von Tasern, im Polizeisprech Distanz-Elektroimpulsgeräte genannt. In bedrohlichen Situationen sollen jetzt auch Streifenbeamte der Polizeiinspektion Trier vornehmlich zum Eigenschutz auf das Gerät zurückgreifen können – insbesondere dann, wenn Straftäter oder Störer aufgrund von Drogen- oder Alkoholkonsum etwa durch Pfefferspray nicht mehr außer Gefecht zu setzen oder den Beamten körperlich überlegen sind.

Der Taser, der rechtlich zwischen den Hilfsmitteln der körperlichen Gewalt (wie Pfefferspray oder auch Polizeihunde) und den Schusswaffen einzuordnen ist, verschießt aus zwei bis zu fünf Metern Pfeile, die einen Zentimeter tief in die Haut eindringen und über angeschlossene dünne Drähte für fünf Sekunden einen Stromimpuls von 1,3 bis 2,9 Milliampere mit einer hohen Spannung von bis zu 50 000 Volt übertragen. Durch die durch den Stromstoß ausgelöste Muskelkontraktion werden Beschossene für einen kürzeren Zeitraum außer Gefecht gesetzt, dadurch wird Einsatzkräften dann ein gefahrloserer Zugriff ermöglicht.

Die zehn Geräte, die die rheinland-pfälzische Polizei für das Pilotprojekt angeschafft hat, sollen im Bereich der Polizeiinspektion Trier getestet werden. Dort sollen sie im Wechselschichtdienst von Streifenwagenbesatzungen mitgeführt werden, 84 Polizisten haben zu diesem Zweck eine zweitägige Schulung hinter sich gebracht. Bislang waren in Rheinland-Pfalz Taser lediglich bei den Spezialeinheiten der Polizei im Einsatz. Die Kosten für Geräte belaufen sich auf 42 000 Euro.

Das Mainzer Innenministerium reagiert mit dem Pilotprojekt, das wissenschaftlich von der Universität Trier begleitet wird, auf die zunehmenden Fälle von Gewalt gegen Einsatzkräfte. „Unsere Polizisten sind dadurch nicht nur in der Lage, bestimmte Einsatzlagen mit weniger gravierenden Folgen für das polizeiliche Gegenüber zu lösen. Sie können auch ihre eigene Gesundheit und körperliche Unversehrtheit effektiv schützen“, sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD) bei der Vorstellung des Projekts. Mit dem Einsatz könne, so Lewentz weiter, in bestimmten Situationen der Einsatz der Schusswaffe verhindert werden. Bei Angriffen auf das eigene Leben soll diese jedoch von Polizisten wie bisher gezogen werden.

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Der Einsatz von Tasern bei der Polizei ist nicht unumstritten. So habe es Amnesty International zufolge in den vergangenen Jahren vor allem in den USA eine Vielzahl von Todesfällen in Situationen gegeben, in denen Polizisten den Elektroschocker eingesetzt hätten. „Ich kenne keinen Sachverhalt, wo der Tasereinsatz alleinige Ursache für einen Todesfall gewesen wäre“, sagte Ralf Krämer, Leiter des Pilotprojekts und Chef der Polizeiinspektion Trier. Das Gerät, das die Polizei in Rheinland-Pfalz einsetze, würde laut Krämer selbst bei Schwangeren oder Menschen mit Herzschrittmachern keine gesundheitlichen Probleme verursachen. Das größte Risiko bestünde darin, dass jemand nach einem Tasereinsatz stürzen und sich dabei verletzen könnte.

Europaweit würden Elektroschocker aktuell bereits in 20 Ländern eingesetzt. Seit Anfang Februar werden Taser auch von der Berliner Polizei getestet.

Von Dominic Schreiner