Geld sparen und Qualität erhöhen: Als Vorsitzende des...
Das ZDF befindet sich in einem langfristigen Sparprozess. Gleichzeitig müsse es gelingen, dessen Arbeiten moderner zu gestalten, fordert die neue Vorsitzende des...
MAINZ. Das ZDF befindet sich in einem langfristigen Sparprozess. Gleichzeitig müsse es gelingen, dessen Arbeiten moderner zu gestalten, fordert die neue Vorsitzende des Verwaltungsrates, Malu Dreyer, im Gespräch mit dieser Zeitung. In Sachen Sport-Übertragung appelliert sie an die Verbände, den Kommerz nicht vor die Interessen der Zuschauer zu stellen und in ARD und ZDF empfangbar zu bleiben.
Frau Dreyer, das ZDF steckt mitten in einer Umstrukturierung, zu der auch Stellenabbau gehört. Eine Arbeitsgruppe der Länder verhandelt derzeit über weitere Kürzungen. Droht irgendwann die Situation, dass der Sender in seiner redaktionellen Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt wird? Ich gehe davon aus, dass der Intendant keinen Vorschlag machen wird, der die redaktionelle Arbeitsfähigkeit gefährdet. Bisher höre ich, dass im Bereich von IT und Produktion gespart werden soll. Auch die Zusammenarbeit mit den anderen Anstalten kann helfen, Synergieeffekte zu erzielen. Hierdurch wird es möglicherweise auch zu Veränderungen in der Struktur des Senders kommen. Wobei für uns Länder die oberste Maxime ist, Arbeitsplätze zu sichern und den Sender zukunftsfähig aufzustellen. Zumal das ZDF schon viel eingespart hat, müssen wir auch einen Blick darauf haben, dass es seinen Arbeitsauftrag erfüllen kann.
Wie ist der Ablauf bei den Gesprächen? Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten hatten, als es um die Höhe des Rundfunkbeitrags ging, die Arbeitsgruppe „Auftrag und Struktur“ der Länder eingerichtet. Die Rundfunkanstalten legen im September ihre Vorschläge vor. Die Rundfunkkommission wird dann in einer Sondersitzung zusammen kommen. Wir werden konstruktiv an den Vorschlägen arbeiten.
Ist eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags nach 2020 möglich oder wird es schwer, eine Debatte darüber öffentlich zu führen? Grundsätzlich muss man sagen, dass es das Anliegen aller Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten ist, den Beitrag relativ stabil zu halten. Dies war ja der Anlass zur Gründung der Arbeitsgruppe. Darüber hinaus möchte ich aber festhalten, dass Mediennutzung nicht kostenlos ist. Gerade in Zeiten von Fake News brauchen wir gut recherchierte Sendungen. Daher müssen wir sehen, wie sich beide Ansprüche miteinander vereinbaren lassen.
Sie haben zum Amtsantritt selbst davon gesprochen, die Öffentlich-Rechtlichen sollten sich hin zu modernen Redaktionen wandeln. Was heißt denn in dem Zusammenhang modern? Die Redaktionen werden zunehmend crossmedial aufgestellt. Wichtig ist, dass wir als Politik dazu beitragen, den Telemedienauftrag zeitgemäß auszugestalten. Das ist das Ziel für den 21. Rundfunkänderungsstaatsvertrag. Derzeit gibt es Rahmenbedingungen, welche die Online-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sender in einigen Bereichen einschränken. Diese Hemmnisse wollen wir abbauen.
Zum Beispiel? Zum Beispiel sollen ARD und ZDF künftig Drittplattformen wie YouTube nutzen können, wo dies erforderlich ist, um bestimmte Zielgruppen zu erreichen. Die Frist, dass Beiträge nach sieben Tagen aus der Mediathek entnommen werden müssen, muss überdacht werden. Wir brauchen eine Lockerung bei dem Verbot, eingekaufte Spielfilme und Serien auf Abruf anzubieten. Denn den Anstalten liegen in einigen Fällen bereits Rechte zur Online-Nutzung vor, die jedoch bislang nicht genutzt werden können. Die Nichtnutzung dieser Rechte stößt bei vielen Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern zu Recht auf Unverständnis. Angestrebt wird daher eine Regelung, die den Anstalten die bessere Nutzung ohnehin vorhandener Rechte im Bereich angekaufter Programminhalte ermöglicht.
Es sieht so aus, als ob das ZDF die Rechte für die Fußball-„Champions League“ verloren hat. Ich bin darüber empört, dass der Sport die Entwicklung nimmt, dass nur noch Kommerz eine Rolle spielt. Den Verantwortlichen in den Verbänden muss man klar machen, dass es auch für den Sport selbst wichtig ist, dass der Sport in seiner Breite weiterhin von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden kann. Für mich bleibt es ein wichtiges Anliegen, dass Fußball weiterhin im öffentlich-rechtlichen Angebot zu sehen ist.
Insgesamt ist Fußball im Fernsehen dominant. Wäre das Aus der Champions League nicht die Gelegenheit, andere Sportarten im ZDF zu fördern? Die Leichtathletik beispielsweise ist wenigstens über die Olympischen Spiele gut vertreten. Wobei es natürlich abzuwarten bleibt, inwieweit die öffentlich-rechtlichen Sender an den Spielen künftig beteiligt sind. Im Länderkreis diskutieren wir aktuell darüber, wie Sportereignisse auch anderer Sportarten angemessen im Free-TV vorkommen können. Etwa Handball. Dazu gibt es aber im Moment noch kein abschließendes Ergebnis.
Von Mario Thurnes