Flucht bestimmt Situation

Immer mehr Flüchtlingsfrauen informieren sich in den Beratungsstellen der Caritas.Foto: dpa  Foto: dpa

Sie haben keine Sprachkenntnisse, leben in beengten Wohnverhältnissen – in Erstaufnahmeeinrichtungen oder in Gemeinschaftsunterkünften – und sie verfügen nur über wenig...

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MAINZ. Sie haben keine Sprachkenntnisse, leben in beengten Wohnverhältnissen – in Erstaufnahmeeinrichtungen oder in Gemeinschaftsunterkünften – und sie verfügen nur über wenig Geld. So beschreiben die Caritasverbände in Rheinland-Pfalz die Situation von schwangeren Flüchtlingen. Entsprechend sei es zu erklären, dass sie verstärkt in die Schwangerenberatung drängten: Mehr als ein Drittel der Ratsuchenden hatte 2015 keinen deutschen Pass – die größte Gruppe stammt aus dem nichteuropäischen Ausland.

Nicht die Schwangerschaft selbst, sondern die Lebensumstände stünden im Mittelpunkt der Gespräche: Oftmals seien die Flüchtenden ungeplant schwanger, weil sie auf der Flucht keinen Zugang zu Verhütungsmitteln hatten, weil sie Kurzbeziehungen eingegangen seien oder vergewaltigt wurden, teilen die Carritasverbände mit. Ihre Situation sei bestimmt durch die Flucht, dem Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit, dem Verlust der Heimat und der Aufgabe der Neuorientierung.

Bilder als Hilfe bei Aufklärung einsetzen

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Für die Beraterinnen stellen sich neue Herausforderungen, wie die Verbände mitteilen. Vor allem, wenn es um die Sprache geht: „Verständigung gelingt durch den Einsatz von Bildmaterial, durch sehr einfache Sprache, durch Beratung in einer Fremdsprache oder durch übersetztes Infomaterial.“ Oft würden Angehörige als Dolmetscher einspringen. Diese würden aber nicht alle Informationen korrekt übersetzen. Mitunter wegen dann doch mangelnden Sprachkenntnissen – oft genug aber auch aus kultureller Rücksichtnahme.

Für Frauen auf der Flucht sei das Thema Sexualität ohnehin oft schambesetzt, berichtet Anette Diehl vom Frauennotruf Mainz. An ihr Haus würden sich viele Frauen erst Jahre nach der Flucht wenden: „Die Aufarbeitung kann meist erst beginnen, wenn die Frauen in gesicherten Verhältnissen leben.“

Diehl plädiert zudem für Unterkünfte, in denen Frauen auf der Flucht alleine unterkommen. Dort wiederum müssten die ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen besser geschult werden: „Sie üben eine ganz spezielle Rolle aus, für die sie das entsprechende Handwerkszeug kriegen müssen.“

Egal ob deutsche oder ausländische Frauen: Meist ist es die soziale Not, die sie um Rat suchen lässt, teilen die Caritasverbände mit: Demnach stehen 40 Prozent dem Arbeitsmarkt überhaupt nicht zur Verfügung. Bei den Partnern sind es 24,6 Prozent. Mehr als die Hälfte der ratsuchenden Frauen hätten keinen Berufsabschluss. Der Anteil der Erwerbstätigen sinke: „Dies könnte im Zusammenhang mit dem Anstieg von Asylsuchenden stehen“, schreiben die Verbände.

Von Mario Thurnes