Großes Interesse und Respekt

General Eckart Klink (links) und Oberst Olaf von Roeder im Konferenzzimmer im Redaktionsgespräch.  Foto: wita/Uwe Stotz  Foto: wita/Uwe Stotz

Die Bundeswehr ist nach deutlichem Personalabbau in den Städten und in der Fläche weniger präsent als noch vor Jahren. Werden die Soldaten zu Exoten im öffentlichen...

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WIESBADEN. Die Bundeswehr ist nach deutlichem Personalabbau in den Städten und in der Fläche weniger präsent als noch vor Jahren. Werden die Soldaten zu Exoten im öffentlichen Erscheinungsbild? Eindeutig Nein, sagt Brigadegeneral Eckart Klink, der seit fünf Jahren an der Spitze des Landeskommandos Hessen steht. Allerdings weist er im Redaktionsgespräch schon darauf hin, dass in Hessen mit seinen 6,3 Millionen Einwohnern nur noch 4300 Soldaten stationiert sind. „Das Bundesland mit der einst höchsten Stationierungsdichte hat heute die wenigsten Soldatinnen und Soldaten in Deutschland“, so der 61-Jährige. Das sei nicht ohne Folgen geblieben.

„Wenn Sie in einer Stadt über den Marktplatz gehen, treffen Sie viele interessierte Blicke“. Er freue sich über dieses Interesse und berichtet über gelegentliche Verwechslungen. Man halte ihn auch schon mal für einen Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks. Amüsiert erzählt der Offizier von der Begegnung in einer Bäckerei in Diez. „Boah, echt oder Faschingsuniform“, habe ihn die Verkäuferin gefragt. Und es sei nicht einmal in der Faschingszeit gewesen.

Ein Verlust des Ansehens ist nicht bemerkbar

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Abseits solch netter Anekdoten berichtet Klink von großem Interesse und Respekt gegenüber der Bundeswehr. Einen Verlust des Ansehens, wie er immer häufiger der Polizei begegnet, nimmt er nicht wahr. Im Gegenteil. Die Hilfe der Bundeswehr bei der Aufnahme von Flüchtlingen habe ein außerordentlich positives Bild hinterlassen. Das gelte für die zivilen Partner und die Flüchtlinge, in deren Heimat Uniformen häufig negative Assoziationen weckten. Sie hätten in Deutschland sehr wohl registriert, dass es auch Soldaten gebe, die „offen, ehrlich und klar auftreten“.

Dem Landeskommando gehören nur etwa 100 aktive Soldaten an. Das Rückgrat bildeten die 500 Reservisten, die im Fall von Naturkatastrophen oder schweren Unglücksfällen aktiviert würden, erläutert Oberst Olaf von Roeder, der Klink Ende März als Kommandeur nachfolgen wird. Die Verbindung zu den Reservisten müsse gepflegt werden. Regelmäßige Übungen sowie Aus- und Weiterbildung stellten ihre Einsatzfähigkeit sicher.

Allerdings reiche die Zahl der Reservisten nicht in jedem Fall aus, erläutert von Roeder. Wenn erforderlich könne das Landeskommando auf Spezialkräfte im ganzen Bundesgebiet zurückgreifen. So gebe es in Hessen keine Pionier- oder ABC-Einheiten mehr.

Zu den gemeinsamen Übungen von Bundeswehr und Polizei für den terroristischen Ernstfall in der vergangenen Woche zieht Klink eine positive Bilanz. „Wir haben daraus ausgesprochen wichtige Erkenntnisse gewonnen“, sagt er. Das Ziel müsse sein, im Ernstfall ohne Verzug die erforderliche Hilfe für zivile Hilfsorganisationen leisten zu können. Es gehe dabei nicht darum, die Polizei zu ersetzen, ergänzt von Roeder. „Wir haben kein Interesse an einem Einsatz im Inneren“, so der Luftwaffen-Oberst. Es gehe um Amtshilfe, und diese Zusammenarbeit müsse geübt werden.

Eine Wiederbelebung der Wehrpflicht halten beide Offiziere für nicht realistisch. Die erforderliche Wehrverwaltung existiere praktisch nicht mehr, sagt Klink. Auch fehlten die erforderlichen Ausbilder. Er plädiert für ein anderes, freiwilliges Modell und könnte sich vorstellen, dass junge Leute sich für eine gewisse Zeit in der Bundeswehr engagieren. „Mein Jahr für Deutschland“, nennt der General seinen Vorschlag, den er ausdrücklich als Angebot verstanden wissen möchte. Klink verbindet damit auch die Hoffnung, verstärkt Nachwuchs für die Bundeswehr zu gewinnen. „Pro Jahr brauchen wir etwa 20 000 junge Leute, um die Stellen besetzen zu können“, sagt der General. Dafür benötige man die dreifache Zahl an Bewerbern. Er habe mit dramatischen Einbrüchen gerechnet. Diese Befürchtung sei glücklicherweise aber nicht eingetroffen. Im Moment könne der Bedarf gedeckt werden. „Wir müssen aber alles dafür tun, dass die Bundeswehr für junge Menschen auch weiterhin attraktiv bleibt“, so Klink.

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Viele junge Menschen suchen das Abenteuer

Auslandseinsätze stünden dem nicht entgegen, ergänzt von Roeder. Vielmehr kämen viele junge Menschen zur Bundeswehr, weil sie das Abenteuer dieser Einsätze suchten. „Rambos können wir da allerdings nicht gebrauchen, und sie haben auch keine Chance“, ergänzt er.