Die Woche in Hessen: Ist AfD-Mann Dimitri Schulz wirklich Jude?
Der Wiesbadener Stadtverordnete Dimitri Schulz will den Arbeitskreis Juden in der AfD gründen. Dabei ist umstritten, ob Schulz das ist, was er vorgibt zu sein: Jude. Denn in...
WIESBADEN. Die Gründung einer parteiinternen Arbeitsgemeinschaft erregt selten öffentliches Aufsehen. Bei der AfD ist das jetzt anders. Sie will in wenigen Tagen die „Jüdische Alternative für Deutschland“ gründen. Ausgerechnet die AfD. Das ist doch die Partei, deren Besuchergruppe im KZ NS-Verbrechen verharmlost und Gaskammern angezweifelt hat. Um nur an ein Beispiel des dort grassierenden Antisemitismus zu erinnern.
Unklar ist daher, ob sich bislang mehr als eine Handvoll Juden in die AfD verirrt haben. Klar ist hingegen, dass Dimitri Schulz (Foto) an der Gründung der Arbeitsgemeinschaft maßgeblich mitarbeitet. Er sei Jude, sagt der Wiesbadener Stadtverordnete, der für den Landtag kandidiert.
Schulz? Hört sich das jüdisch an? Für Jakob Gutmark ist das kein Kriterium. Der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden verweist auf Dutch Shultz, der in der Zeit der Prohibition Gangsterboss in New York war. Shultz war Jude, wurde der Kosher Nostra zugerechnet. Er erlag im Alter von 34 Jahren, nachdem ihn ein anderer Mobster auf der Herrentoilette angeschossen hatte, seinen Verletzungen.
Dimitri Schulz ist kein Amerikaner. Er ist 1987 in der UdSSR geboren. In Kirgisistan. Es gab dort eine Zeit, da dort plötzlich viele Juden sein wollten. Denn es gab die jüdischen Kontingentflüchtlinge, die in festgelegter Anzahl nach Deutschland übersiedeln durften. Tatsächlich waren nicht alle Juden, auch wenn sie das ausweislich ihrer Sowjet-Papiere waren. „Jude ist man, wenn man eine jüdische Mutter hat“, sagt Jakob Gutmark. Da kamen aber welche aus der UdSSR nach Deutschland, die nur einen jüdischen Vater vorzuweisen hatten. Die konnten nicht Mitglied einer jüdischen Gemeinde werden, eben weil sie keine Juden waren.
Dimitri Schulz sagt über sich, er sei in einer christlich-jüdischen Familie aufgewachsen. „Das definiert kein Jüdischsein“, sagt Gutmark. Zumal er von Schulz selbst nicht gehört hat, dass er Jude sei. Auch nicht, als der AfD-Mann das erste und einzige Mal bei ihm in der Gemeinde war.
Die seltenen Gemeindebesuche von Schulz sprechen im Übrigen nicht dafür, dass er im jüdischen Glauben unterrichtet und sich anschließend einer Prüfung unterzogen hätte. Das ist noch ein Weg, auf dem man Jude werden kann.
Wer beschnitten ist, ist ein Jude, so die landläufige Meinung. Falsch, sagt Gutmark. Einerseits lassen sich auch Moslems beschneiden. Andererseits hatten sich Juden, die in der UdSSR groß geworden waren, oftmals nicht beschneiden lassen. Ein Kriterium ist auch dies nicht. Gutmark jedenfalls sagt: „Wir schauen niemandem in die Hose“.
Von Christoph Cuntz