Gastkommentar von Friedrich Küppersbusch: Grundeinkommen –...

Friedrich Küppersbusch Foto: dpa

Deutschland ist ein sehr reiches Land, aber ein Gehalt fürs schiere Dasein wäre für uns eine Mutprobe, findet Friedrich Küppersbusch.

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. „Money for nothing“ – Geld fürs Nichtstun. Die „Dire Straits“ besangen weibische Popstars, die mit Gitarrengezupfe sorglos reich und glücklich werden. Damit nahm die Band unsere heutige Debatte über 30 Jahre vorweg: „Grundeinkommen“ – das heißt so, weil es ein Einkommen ohne Grund ist.

Inzwischen regieren Popstars – etwa in Italien, wo die ehedem Comedy-Partei „Fünf Sterne“ diese Woche ein „Bürgergeld“ eingeführt hat. 780 Euro im Monat für Alleinstehende. Stagnierende Wirtschaft, heillose Verschuldung, nun legt der Schlaraffenstaat nochmal sieben Milliarden Euro auf Pump drauf. Vor einem Monat hat Finnland sein Experiment beendet. 560 Euro im Monat gab es für 2000 zufällig ausgesuchte Teilnehmer. Ihr Wohlbefinden habe sich messbar verbessert, einen Job jedoch kaum einer gefunden, bilanziert die Sozialversicherung. Man werde wohl mehr sparen und bewegen können, wenn man die finnische Sozialbürokratie gründlich straffe. 2016 scheiterte das bestens gepolsterte Grundeinkommensmodell der Schweiz bei einer Volksabstimmung: Immerhin 21,3 Prozent der Teilnehmer votierten dafür, die Initiatoren hatten ein monatliches Salär von 2000 Euro verhießen. Die „Initiative Grundeinkommen“ ist auch in Deutschland aktiv, neben dem Drogeriemarkt-Gründer Götz Werner.

Alles prima. Wir sind ein sehr reiches Land, halten das jedoch vor großen Teilen der Bevölkerung geheim. Mit verblüffenden Zahlen dazu könnte man das Finanzministerium außen komplett tapezieren: 50 Prozent der Bevölkerung besitzen nur 2 Prozent des Vermögens. Und damit weniger als die zehn reichsten Deutschen. Berechnungen der Grundeinkommen-Anhänger führen vor, dass mal die Mehrwertsteuer, mal eine Finanztransaktionssteuer genug ergäben, um den allgemeinen Dukatenregen zu bezahlen. Und schließlich soll auch die Entwürdigung der Empfänger sozialer Leistungen gelindert werden. Zum Verhör bei der Arbeitsagentur, geröntgt vom Sozialamt, geächtet von Neidern.

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Und doch bleibt mir der Ton des Songklassikers im Ohr: „Wir reißen uns hier den Arsch auf und die kriegen es für nichts.“ Es wird eine Mutprobe, den Gehaltszettel anzuschauen und zu sehen: Vom Arbeitserlös wird mir reichlich abgezogen – auch, damit jemand anderes ohne Arbeit gut leben kann. Das winkt der Sozialstaatsinsasse durch, wenn es bisher um Kranke, Berufsunfähige, Rentner, Arbeitslose geht. Beim Grundeinkommen wird der Dire-Straits-Text zweite Nationalhymne. Ok, wir hatten da schon dümmere Lieder. Bundespräsident Steinmeier fand den kleinsten Nenner: „bedingungslos“. Wie „Grundeinkommen“, doch auch wie – „Kapitulation“. Wir gäben auf, bevor wir die Zukunft der Arbeit überhaupt angefasst hätten, schimpfte das Staatsoberhaupt. Franz Müntefering prägte die nachgerade adenaueresk schlichte Wahrheit: „Die Wirtschaft ist für die Menschen da.“ Wenn Menschen nur noch dazu taugen, ein staatliches Almosen zum Aldi zu tragen und uns ansonsten bitte nicht mit ihrer unerwünschten Arbeitskraft auf die Nerven zu gehen, ist der Sozialstaat nicht am Ziel, sondern gescheitert.

Die Debatte um ein Gehalt fürs schiere Dasein geht weiter. Manches mutet an wie Selbstadelung reicher Menschen, die dem Pöbel ein paar Dukaten zuwerfen wollen. Anderes atmet Wut über die ungerechte Verteilung. Manager hinterlassen ruinierte Firmen und verzehren Millionen-Honorare. Rentner sammeln Pfandflaschen. Hackordnungskämpfe in der Schlange vor der „Tafel“ – wo Lebensmittelkonzerne Ware verschenken können, weil sie so hohe Profite erzielen.

Alleinerziehende Mütter – was ist ihre Arbeit wert? Sozial engagierte Menschen, von mir aus Vereinsheimer und Froschbeschützer – ohne sie wär’s öder und blöder. Kann mal jemand den Kinderspielplatz aufräumen oder für Gebrechliche einkaufen gehen? Ja, es wird noch eine Menge Arbeit, bis wir die Menge Arbeit sehen, die wir brauchen. Da ist sie schon.

Von Friedrich Küppersbusch