BTW21 – Was Wähler wollen: Ingenieurin Heidi Späth

aus Bundestagswahl 2021

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Heidi Späth in ihrem Garten in Aßlar, hier im Strandkorb verbringt sie am liebsten Zeit mit ihrem 7-jährigen Sohn.  Foto: VRM

Wir wollen in unserer Serie von Wählerinnen und Wählern wissen, was sie von der neuen Bundesregierung erwarten. Heute sagt die alleinerziehende Mutter Heidi Späth ihre Meinung.

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ASSLAR. „Ich bin Mutter, Hausfrau, Alleinverdiener, Hausmeister, Handwerker – und das in einer Person“, sagt Heidi Späth aus Aßlar-Klein-Altenstädten. Die 37-Jährige ist alleinerziehende Mutter eines 7 Jahre alten Sohnes. Ihr Alltag ist strukturiert und klar durchgetaktet, oft bleibt neben Vollzeit-Job, Haushalt und Erziehung kaum Zeit zum Durchatmen. Damit diese Druck-Situation, die sie allein schultern muss, entlastet wird, wünscht sich Heidi Späth von einer neuen Bundesregierung Lösungen für „mehr Normalität für Alleinerziehende“.

Work-Life-Balance schwierig

Die Balance zwischen Arbeit, Familienleben und Freizeit gelinge unter den aktuellen Umständen nämlich nicht. „Je nach Arbeitgeber haben Alleinerziehende 20 Urlaubstage im Jahr. Der Hort meines Sohnes hat 29 Schließtage. Allein hier geht die Rechnung nicht auf“, schildert Heidi Späth. Für diese neun Tage, an denen die 37-Jährige zur Arbeit gehen muss, muss sie für ihren Sohn eine andere Betreuungsmöglichkeit finden. „Ich habe noch das Glück, dass meine Mutter mich unterstützt, aber das haben nicht alle.“ Sonderurlaub für Alleinerziehende wäre eine Lösung, „damit zumindest die Betreuung meines Kindes geregelt ist.“

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„Jemand, der 40 Jahre auf dem Bau gearbeitet hat, der muss von seinem Lohn und später von seiner Rente leben können.“ Heidi Späth, 37 Jahre alt und Wirtschaftsingenieurin

Besonders schwer wurde es, als ihr Sohn wegen eines Corona-Falls in seiner Schule zwei Wochen in Quarantäne bleiben musste. Heidi Späth ist nicht automatisch auch zu Hause geblieben, sondern musste arbeiten gehen. „Er sollte wegen der Infektionsgefahr nicht von den Großeltern betreut werden und aufgrund der Quarantäne durfte auch niemand zu uns kommen. Als Alleinerziehende war ich in dem Moment aufgeschmissen.“

Eine Pause nur für sich hat Heidi Späth selten. „Zeit für mich? Fehlanzeige. Du musst arbeiten gehen, es geht nicht anders. Bei steigenden Mietpreisen und laufenden Kosten, da bleibt dir als Alleinverdiener nichts anderes übrig“, sagt sie. Die Corona-Situation habe ihr das noch einmal vor Augen geführt. „Dadurch, dass alle Hobbys weggefallen sind, bestand bei uns das Leben in der Pandemie aus Arbeit, mit meinem Sohn Schulaufgaben machen und ihn den Rest des Tages zu Hause betreuen.“ Ihr sei da noch einmal bewusst geworden, dass das Leben eigentlich aus mehr besteht als aus Arbeit.

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Doch wenn schon so viel arbeiten, „dann muss es sich auch endlich wieder lohnen“, sagt Späth. Damit meint sie, dass alle Berufstätigen auch von ihrer Arbeit leben können sollen. „Da gibt es einfach eine Schräglage: Wo mein Großvater noch allein ein Haus stemmen und eine Familie ernähren konnte, da reicht ein Gehalt heute nicht mehr zum Überleben.“ Mancher ackere 40 Stunden die Woche und komme trotzdem kaum über die Runden. „Da wünsche ich mir, dass sich die Schere zwischen Gering- und Großverdienern nicht noch weiter öffnet, sondern, dass zum Beispiel handwerkliche Arbeit besser entlohnt wird.“

Geld für die Rente weglegen?

Neben Löhnen und Urlaubstagen für Alleinerziehende ist auch das Thema Rente Heidi Späth ein Anliegen. „Es heißt immer, man müsse zusätzlich was für die Rente machen, aber wie soll ein Geringverdiener Miete, Kita-Gebühren, Versicherungen und weiteren Kosten zahlen und dann auch noch Geld für die Rente weglegen? Das geht nicht.“ Es könne nicht sein, dass in manchen Berufen weniger verdient wird, als Arbeitslosengeldsätze hoch sind. Sie ergänzt: „Jemand, der 40 Jahre auf dem Bau gearbeitet hat, der muss von seinem Lohn und später von seiner Rente leben können.“

Deshalb muss für Heidi Späth ein neuer Bundeskanzler oder eine neue Bundeskanzlerin bodenständig sein. „Er oder sie muss wissen, was in der Gesellschaft los ist, er muss die Probleme sehen, also das, was die Menschen in ihrem Leben wirklich umtreibt.“ Bodenhaftung sei ihr wichtig, „denn ich habe das Gefühl, mit der Zeit verlieren Politiker den Blick dafür.“

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