Arztkolumne: Sprechstunde in zwei Schichten

Foto: Sascha Kopp

Weil Schutzkleidung nicht ausreichend vorhanden ist, ist der Besuch bei der Kinderärztin in Zeiten von Corona ein Risiko für alle Beteiligten.

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. Das Patientenaufkommen in der Praxis hat sich die letzten Wochen verringert. Das liegt daran, dass wir, wie unsere hausärztlichen Kollegen, versuchen unnötige Arzt-Patientenkontakte zu vermeiden, um das Risiko einer Infektion mit Coronaviren zu minimieren. Alle nicht dringlichen Termine werden von uns, aber auch von Patientenseite abgesagt. Die Sprechstunde ist zweigeteilt, sodass wir morgens ausschließlich gesunde Kinder zu Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen sehen und nachmittags Kranke. Die Patienten müssen sich einzeln anmelden und werden dann geschleust. Die Vorstellung bei uns sollte mit nur einem Elternteil ohne Geschwisterkind erfolgen. Zusätzlich werden die Patienten ausführlich am Telefon beraten, damit eine persönliche Vorstellung in der Praxis vermieden werden kann. Wir arbeiten abwechselnd in zwei Teams, damit die Praxis auch bei Infektion einer Mitarbeiterin weiterlaufen kann. Ein großes Problem stellt die mangelnde Ausstattung mit Schutzkleidung und Masken dar.

Erhöhtes Infektionsrisiko wegen mangelndem Schutz

Seit nach Wegfall der Risikogebiete alle akut Erkrankten laut RKI als potenziell mit Coronavirus infiziert gelten, sollten sie sinnvollerweise ausschließlich mit Schutzkleidung untersucht werden. Diese ist jedoch nach wie vor rar. Die Kassenärztliche Vereinigung möchte deshalb zunächst nur die Hausarztpraxen, Testcenter und hausärztlichen Infektambulanzen versorgen. Trotz geringerer Fallzahlen sind wir aber einem erhöhten Risiko ausgesetzt, da wir nicht nur mit dem Kind, sondern auch mit dem Elternteil in Kontakt treten. Nur durch die enge kollegiale und solidarische Zusammenarbeit entstehen durch Eigeninitiative der niedergelassenen Kinder und Jugendärzte vor Ort kinderärztliche Anlaufstellen für Coronaverdachts- oder bestätigte Fälle mit Symptomen. So können Kollegen geschützt und Ressourcen gespart und werden. Ein Dank an dieser Stelle an alle Aktiven.

Von Soraya Seyyedi