Yunus Malli und Schmidts Angst vorm Verschwinden

Trainer Martin Schmit (rechts) passt auf das Herzstück des Mainzer Spiels - Yunus Malli - besonders auf. Foto: Sascha Kopp

Yunus Malli ist für 05-Trainer Martin Schmidt immens wichtig. Da ist es gut, dass der Mittelfeldspieler bei der türkischen Nationalmannschaft zuletzt keine Spielzeit bekam....

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. Von Julia Sloboda

Mainz, Konya, Reykjavík, Mainz. Deutschland, Türkei, Island, Deutschland. Yunus Malli war zweifellos lange unterwegs in den letzten Tagen. Mit der türkischen Nationalmannschaft musste der Bundesliga-Fußballer des FSV Mainz 05 gegen die Ukraine (2:2) und Island (0:2) ran. Zum Einsatz kam der Edeltechniker nicht. Das ist zum einen natürlich schade für ihn ganz persönlich, doch Trainer Martin Schmidt wird nicht ganz so unglücklich darüber sein, dass die potenziellen 180 Spielminuten an Malli vorübergegangen sind. Die Reisestrapazen seien an dieser Stelle mal außen vor gelassen. Müde Flugzeugbeine lassen sich normalerweise in ein paar Tagen wieder locker laufen.

Mit Mallis Frische zum ersten Heimsieg?

Was viel wichtiger ist: Malli kommt frisch zu den 05ern zurück. Er soll helfen, im Spiel gegen Darmstadt 98 am 16. Oktober, 15.30 Uhr, den ersten Heimsieg einzufahren. Dass dem 24-Jährigen zuletzt die Frische etwas abgegangen war, ist auch Schmidt nicht entgangen. „Man hat bei den letzten zwei Spielen gesehen, dass er irgendwann länger brauchte, um auf Temperatur zu kommen. Das ist natürlich bei der hohen Ermüdung nicht verwunderlich.“

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Malli ist in dieser Saison bisher nicht zu ersetzen bei den Mainzern. Dabei gibt es in der Theorie sogar einen Plan dafür. „Philipp Klement oder Suat Serdar wären eigentlich der Back-up für Yunus“, erklärt Schmidt. Doch die Klasse des türkischen Nationalspielers haben die beiden (noch) nicht. Für Schmidts System ist Malli vor allem deshalb unverzichtbar, weil sein Spiel eine Mischform ist. Im Anlaufverhalten ist er ein Stürmer, kann außerdem zwölf Kilometer pro Spiel abspulen. Anderseits sieht Schmidt in seinem Zehner auch den begnadeten Techniker, der das „Umschaltspiel befruchtet als Ballschlepper im Zentrum“. Eine anspruchsvolle Aufgabe.

Die Unersetzlichkeit birgt gleichzeitig natürlich auch eine große Gefahr. Schmidt nennt es „verschwinden“. „Yunus will jedes Spiel spielen. Aber wenn er das macht, verschwindet er irgendwann, weil er das nicht wegstecken kann.“ Verschwinden kann ein Spieler in verschiedenen Formen. Beispielsweise, indem er abtaucht, weil er müde ist. Oder aber – und das ist die problematischere Form – weil er sich verletzt.

Und da hat Schmidt auch zwei prominente Beispiele parat, die ihm eine Warnung sind: der Gladbacher Raffael und der Leverkusener Karim Bellarabi. Beide sind Leistungsträger in der Offensive, beide verletzten sich in dieser frühen Saisonphase. Deshalb ist für Schmidt klar: „Dieses Risiko einzugehen, ist zu groß.“ Heißt: Malli bekommt eine Pause, wenn er sie braucht. Und – und das sollte man nicht außer Acht lassen – wenn es die Personaldecke zulässt und beispielsweise genügend Sechser gesund sind, so dass auf Malli im 4-3-3-System verzichtet werden kann. Immer mit dem Hintergedanken: Hauptsache er „verschwindet“ nicht.