WM-Analyse: Panama – Volksheld mit olympischem Geist

Roman Torres ist nicht nur wegen seiner Haarpracht einer der auffälligsten Spieler bei Panama. Foto: dpa

Wer ein fußballverrücktes Land wie Panama zum ersten Mal zur WM schießt, der ist ein Nationalheld. Abwehrchef Roman Torres hat das geschafft. Für sein Team gilt in Russland:...

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. Von Felix Plum

Es gibt Tage im Leben von Roman Torres, die gehen ihm unter die Haut. Etwa der 10. Dezember 2016, als er den entscheidenden Elfmeter verwandelt und damit seinen Klub Seattle Sounders zur Meisterschaft schießt. Daran erinnert ein Tattoo, auf dem er den Pokal in die Höhe stemmt. Doch selbst sein Klubtrainer Brian Schmetzer weiß, dass ein anderer Treffer noch viel mehr bedeutet: „Das Tor, mit dem er Panama zur Weltmeisterschaft geschickt hat – das beweist einfach, wer er ist.“

Die Rede ist vom 10. Oktober 2017. Panama spielt in der letzten Partie der WM-Qualifikation gegen Costa Rica. Es steht 1:1, die letzten Minuten laufen. Torres' Team braucht einen Sieg. In der 88. Minute schlägt Panama einen langen Ball, Kopfballverlängerung, die Kugel trudelt in den Strafraum. Roman Torres, eigentlich Innenverteidiger, tankt sich durch und trifft mit purem Willen zum 2:1. Ein Treffer für die Geschichtsbücher. Und für die Haut. Denn auf Torres' rechter Wade erinnert ein stilisierter WM-Pokal als Tattoo an die Heldentat, inklusive Datum in lateinischen Lettern und Spielminute des Treffers.

Präsident erklärt Quali- zum nationalen Feiertag

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Panama, das vier-Millionen-Einwohner-Land, bei dem die meisten nur an den gleichnamigen Kanal denken oder an ein beliebtes Kinderbuch, nicht aber an Fußball; das, seit es die WM gibt, noch nie beim Turnier dabei war. Kein Wunder also, dass die Panamaer – so lautet die Einwohnerbezeichnung offiziell – ihre Helden ausgiebig feiern. Staatspräsident Juan Carlos Varela ernennt den 10. Oktober sogar kurzerhand zum Nationalfeiertag. Doch damit nicht genug: In der Stadt Arraijan wird ein Stadion nach Torres benannt. Das hätte der 32-Jährige selbst nie zu träumen gewagt, der vor seiner Zeit in der US-amerikanischen Liga MLS neun Jahre lang in Kolumbien spielte. „Seit dem Tor ist es, als wäre ich ein Filmstar“, sagt er. „Jeder will ein Foto mit mir. Aber das macht mir nichts aus, denn ich genieße diese historische Zeit mit dem Nationalteam.“

Traum von der Premier League

Das Genießen steht für Panama auch in Russland im Vordergrund. Beim 0:3-Auftakt gegen Belgien schlug sich das Team noch wacker, vor allem dank ihres starken Kapitäns in der Innenverteidigung. Mit dem 1:6 gegen England gab es dann eine deutliche Packung – schade für Roman Torres, der es als Traum bezeichnet, einmal in die Premier League zu wechseln. Eine gute Leistung gegen Harry Kane & Co. wäre da wichtig gewesen. Torres hatte 2012 schon einmal bei Nottingham Forrest vorgespielt, konnte sich nach eigenen Angaben aber mit dem Klub nicht über die Konditionen für einen Vertrag einigen.

Die WM in Russland ist für Torres das Schaufenster, in dem er nun noch einmal auf sich aufmerksam machen will. Und wer weiß: Vielleicht schafft es der 1,88-Meter-Hüne mit einem starken letzten WM-Spiel gegen Tunesien auf den einen oder anderen Zettel der englischen Scouts. Das nächste Tattoo dürfte dann jedenfalls nicht lange auf sich warten lassen – ein bisschen Platz ist ja noch.