WM-Analyse: Mertens und Co. liefern

Dries Mertens strahlt nach seinem WM-Tor. Wie der Belgier erfüllten auch die anderen in unserem WM-Blog vorgestellten Fußballer, die mit ihren Teams im Viertelfinale stehen, ihre Aufgaben. Foto: dpa

In der WM-Vorrunde haben wir in diesem Blog pro Nation einen Spieler und seinen Werdegang vorgestellt. Acht dieser Fußballer sind noch im Turnier - und machen ihren Trainern -...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Uruguay, Frankreich, Brasilien, Belgien, Kroatien, Gastgeber Russland, Schweden und England rangeln ab dem Viertelfinale um den goldenen Weltpokal. Das Bild zeigt sich durchaus überraschend, viele Favoriten sind bereits nach Hause gefahren. Die von uns in diesem Blog auserkorenen Leistungsträger dieser Nationen machen ihren Trainern allerdings viel Freude bei diesem Turnier - jeder auf seine Art. Wie haben sich die acht geschlagen?

Maxi Pereira - der Spaßvogel

Der uruguayische Abwehrrecke hat bei dieser WM noch keine Sekunde gespielt. Und doch ist der für Trainer Tabarez ein ganz wichtiger Mosaikstein im Training des zweifachen Weltmeisters. Denn Maxi Pereira hat mit all seiner Erfahrung das Lächeln auf seiner Seite. Er hat schon so viel im Fußball erlebt, dass ihn auch das bevorstehende Duell mit Frankreich nicht nervös macht. Auch ohne den verletzten Cavani haben die Südamerikaner eine Chance, das Halbfinale zu erreichen. Geht einzelnen Spielern wie zuletzt Torreira und Laxalt die Düse, nimmt Pereira die Spannung raus - beide Newcomer lieferten danach gegen Portugal eine engagierte Partie ab.

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N'Golo Kanté - Mister Zuverlässig

Er ist der Balleroberer im Mittelfeld der Franzosen, agiert bei dieser WM wie eine Maschine, leistet sich keine noch so kleinen Patzer. Kein Wunder, dass ihn Trainer Deschamps bisher in allen Partien hat durchspielen lassen. Kanté ist der Fels in der Brandung und stabilisiert das Spiel der Offensivkünstler als Abfangjäger. Diese Rolle war Kanté von Beginn an zugedacht und der Akteur vom FC Chelsea liefert. Im Achtelfinale gegen Argentinien war der 27-Jährige neben Doppeltorschütze Mbappé der beste Mann auf dem Platz.

Renato Augusto - der Ruhepol

Zweimal durfte der Spielmacher bislang WM-Luft schnuppern, beide Male wechselte ihn Selecao-Coach Tite spät ein - um dem Team Ruhe am Ball zu verordnen, um knappe Spiele noch positiv zu gestalten. Der Schachzug mit Renato Augusto gelang, auch wenn der 30-Jährige sicherlich gern mehr gespielt hätte. Tite ordnet jedoch alles dem Erfolg unter, außer Superstar Neymar hat kein Akteur einen Freibrief. Weil Renato Augusto seinen Job allerdings hervorragend erledigt, ohne große Szenen teamorientiert ackert, dürfte er auch im Viertelfinale gegen Belgien eine Wechseloption sein, wenn es eng wird.

Dries Mertens - der Antreiber

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Im ersten WM-Spiel gegen Panama war der Stürmer der Türöffner, nach seinem 1:0 drehte vor allem Kollege Lukaku mächtig auf. Dass Dries Mertens seitdem keinen weiteren Treffer buchte, wird dem agilen Belgier jedoch nicht angelastet. Er ist der Antreiber der Belgier, der nicht nur Emotionalität, sondern auch unbedingte Leidenschaft aufs Feld bringt. Der Angreifer hat geliefert, was man sich von ihm versprochen hat, wenngleich der für ihn gegen Japan eingewechselte Fellaini der Matchwinner gegen Japan wurde. Mertens wird trotzdem weitere Spielzeit bekommen, weil seine Art dem belgischen Fußball Impulse gibt.

Milan Badelj - der Effektive

Zwei Spiele lang musste der Ex-HSVer auf seine WM-Chance warten, als sie im bedeutungslosen Gruppenspiel gegen Island kam, nutzte Badelj sie - und erzielte sein Tor. Auch im Achtelfinale kam der Mittelfeld-Dauerbrenner rein - als Stabilisator. Einziger Makel: Sein Elfmeter-Fauxpas gegen Dänemark. Sollte Kroatien gegen Russland erneut vom Punkt agieren müssen, will der erfahrene Florentiner allerdings erneut antreten. Ob ihn sein Trainer lässt?

Alexander Samedov - der Kapitän

Für den erfahrenen Haudegen reicht es bei der Heim-WM nur zu 60 Minuten Powerfußball. Dass die Russen es bis ins Viertelfinale geschafft haben, ist aber auch sein Verdienst. Samedov kämpft, treibt sein Team an und ist wichtige Absicherung in der Defensive. Sein Wort hat Gehör, seine Ansprache an die Mannschaft nach dem deutlich verlorenen Gruppensieg (0:3 gegen Uruguay) war wichtig, um den Glauben an die eigene Stärke nicht zu verlieren. Samedov hat schon mehr erreicht, als er sich auf seine alten Tage hatte träumen lassen. U/nd er hat Blut geleckt - gegen Kroatien wird er sich 60 oder mehr Minuten in die heiße Schlacht hauen.

Mikael Lustig - der Heißmacher

Provokation ist sein zweiter Vorname. Mikael Lustig muss im Viertelfinale gegen England zuschauen. Nachdem er den Schweizer Xhaka hatte verunsichern und einen Platzverweis hatte unterschieben wollen, kassierte ausgerechnet der Rechtsverteidiger, der zuvor zahlreiche gefährliche Flanken in den Strafraum der Eidgenossen geschlagen hatte, seine zweite Gelbe Karte. Die Wirkung haben seine Aussagen - er richtete schon vor dem Spiel gegen Mexiko sein Wort an die Mannschaft - allerdings nicht verfehlt - Schweden ist heiß auf den nächsten Erfolg. Das Team ohne Superstar funktioniert. Dass der Hunger da ist, dafür wird Lustig auch von außen sicher sorgen.

Marcus Rashford - der Elfmeterschütze

Der junge Angreifer war beim B-Elf-Kick gegen Belgien nicht zufrieden. Er hatte viel zu wenig Bälle bekommen, kaum Chancen, sich für die Startelf zu empfehlen. Mit seinem gegen Kolumbien sicher verwandelten Elfmeter hat der 20-Jährige allerdings Geschichte mitgeschrieben. England gewinnt im Elfmeterschießen - und würgt damit die Lästereien vor allem der Deutschen und Argentinier, die beide nicht mehr im Turnier sind, endlich ab. Rashford würde trotzdem gern mehr spielen bei dieser Endrunde. Doch solange Kane in vorderster Front regelmäßig trifft, gibt es für Trainer Southgate keine Notwendigkeit, den englischen Kapitän draußen zu lassen. Beim nächsten Elfmeterschießen bekommt der Youngster aber spätestens seine nächste Gelegenheit für einen Lucky Punch.