WM-Analyse: Japan - Medienhype bei jedem Training

Der Noch-Mainzer Yoshinori Muto (rechts) und der Ex-Mainzer Shinji Okazaki (links daneben) beim japanischen Trainingsspiel. Foto: dpa

Yoshinori Muto hat bei der dieser WM noch keine Chance erhalten. Sein Sturm-Vorgänger beim FSV Mainz 05 wurde immerhin eingewechselt. Beide sind in Russland trotzdem medial im...

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. Von Bardo Rudolf

Dass die japanischen Einwohner verrückt nach Fußball sind, zeigt sich an jedem Bundesliga-Spieltag. Wenn ein Kicker aus diesem Land auch nur im Kader eines Erstligisten steht, reisen eine Vielzahl von Journalisten zu der Partie an und sitzen dort auf der Pressetribüne. Die japanischen Reporter kommen aus ganz Deutschland, reisen teilweise sogar aus dem ostasiatischen Land extra zu den Spielen an. Und sehen im ungünstigsten Fall ihren Schützling 90 Minuten auf der Bank sitzen.

Gleich sieben Profis des japanischen WM-Kaders spielen in der Bundesliga. Drei weitere, darunter der Ex-Frankfurter Takashi Inui und der Ex-Mainzer Shinji Okazaki, waren früher in der deutschen Elite-Liga aktiv. Yoshinori Muto gehört zu den Fußballern, die (noch) bei einem Bundesligisten gemeldet sind. Der Stürmer lief in den vergangenen drei Jahren für den FSV Mainz 05 auf. Und erhält dafür höchste Aufmerksamkeit in seinem Heimatland.

Acht Journalisten, zwei Kameramänner

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Als Muto mit den Rheinhessen im Sommer 2015 zum ersten Mal in ein Trainingslager fuhr, begleiteten ihn dorthin acht Journalisten und zwei Kameramänner, die ihren Fokus quasi 24 Stunden am Tag auf den Japaner gerichtet hatten. Der Hype um den 25-Jährigen hat inzwischen zwar etwas nachgelassen. Doch bis zuletzt ging Muto nach jedem Spiel erst in die Kabine, nachdem er minutenlang den wartenden Journalisten Auskunft zu seinem Einsatz gegeben hat. Selbst wenn dieser nur wenige Minuten gedauert hat.

FC Basara integriert Japaner und Deutsche erfolgreich

Nun möchte Muto Mainz verlassen und in die Premier League wechseln. Dann werden die Journalisten ihm nach England hinterher reisen, so wie sie es bei Shinji Okazaki getan haben, der Mutos Vorgänger bei den 05ern war und seitdem erfolgreich bei Leicester City spielt. Spuren hat Okazaki aber auch in Mainz hinterlassen, als er vor vier Jahren den deutsch-japanischen Fußball-Klub FC Basara Mainz mitgründete. Dort kicken Spieler aus beiden Ländern gemeinsam. Und dies machen sie so erfolgreich, dass sie bisher in jedem Jahr Meister wurden und inzwischen von der C-Klasse bis zur Landesliga durchmarschiert sind. Okazaki war auch bei einigen Titelfeiern als Ehrengast dabei. Und vielleicht schnürt er ja nach dem Ende seiner Profi-Karriere sogar noch einmal die Schuhe für den FC Basara.

Was dazu führen kann, dass auch japanische Journalisten zu den Amateurfußball-Partien nach Mainz reisen. Noch konzentrieren sie sich aber auf den Profi-Fußball und aktuell auf die Weltmeisterschaft. Bei diesem Turnier sind die Japaner inzwischen Stammgast. Erst 1998 qualifizierten sie sich erstmals für eine WM. Seitdem waren sie aber immer dabei. Bis ins Viertelfinale haben sie es dabei noch nie geschafft. Vielleicht gelingt es ja diesmal. Das würde in dem Land sicherlich eine Euphorie auslösen und Fußball zumindest kurzzeitig statt Baseball zur Sportart Nummer eins in Japan machen.