Wem die Pizza schlägt

Oscar. Foto: dpa

Die Oscar-Nacht bewies: Filme und Fastfood bilden oft eine mentale Einheit

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. "Krieg und Frieden" kommt uns in diesen melancholischen Wochen irgendwie in den Sinn. Dachten, das läge hinter uns. Aber jetzt "Krieg und Frieden" - nicht mehr nur Leo Tolstoi (1828 - 1910), sondern Ukraine 2014. Vor ein paar Tagen gab es die Oscar-Verleihungen. Der US-Film "Krieg und Frieden" von 1956 nach Tolstoi war seinerzeit für drei Oscars nominiert: Kostüme, Kamera und Regie, bekam aber keinen. Vielleicht sollte man eine neue Kategorie einführen, "übelste Regie im wahren Leben". Die ginge dann im nächsten Jahr unweigerlich an Putin.

* Aber: The show must go on. Oscar-Verleihung 2014. Wenn die Pizza zweimal klingelt. Zunächst lernten wir, dass "Big Mama‘s and Papa‘s Pizzeria" keineswegs ein gemeinsamer Nebenerwerbsbetrieb von Angela Merkel und Franziskus ist, sondern ein ganz normaler Lieferservice in Hollywood. Und als Edgar Martirosyan in der Oscar-Nacht den Auftrag bekam, einen ganzen Haufen Pizza ins Dolby Theatre zu liefern, dachte er sich wahrscheinlich: "Nanu?" (Noch wahrscheinlicher dachte er: "F...", aber das dürfen wir hier nicht schreiben, wir sind schließlich eine Familienzeitung.) Und weiter grübelte Edgar: "So viel Pizza? Peter, the Body Mass Index Altmaier in town? Oder bin ich hier im falschen Film?" Das konnte man nun wahrlich nicht behaupten. Martirosyan trägt seit jener Nacht den Kampfnamen "Edgar, the Oscar".

* Was natürlich gut hätte sein können: dass Peter Altmaier beim Film "Gravity", was im Deutschen bekanntlich "Schwerkraft" heißt, also praktisch Altmaiers Leib- und Magenthema ist, incognito als Experte mitgewirkt hätte und deshalb für einen Ehren-Oscar vorgeschlagen war, in einer neuen Kategorie: "bestes adaptiertes Fastfood". Edgar bekam jedenfalls 1.000 Dollar Trinkgeld und eine Live-Begegnung mit Sandra Bullock. Letzteres ist mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen.

* Wenn man mal genauer hinter die Kulissen schaut, merkt man, dass die Verbindung zwischen Oscar und Pizza mental sehr eng ist. Zum Beispiel gab es 1939 einen Film, der sehr lange als der mit den meisten Oscars ausgezeichnete geführt wurde: "Vom Winde verweht", und da ist die Assoziation mit einer scharfen Pizza Peperoni und den zugehörigen körperlichen Reaktionen, nun, nicht gerade zum Greifen nahe, aber sie liegt doch irgendwie in der Luft. In eine ganz ähnliche Richtung geht es, wenn wir auf das Jahr 2004 schauen: elf Oscars für "Der Herr der Zwiebelringe"... Quatsch, "Der Herr der Ringe" natürlich nur, aber immerhin. Nicht zu unterschätzen auch das Jahr 1959: jede Menge Oscars für "Ben Hur". Wie meinen? Nein, in diesem Wagenrennen hat ausnahmsweise nicht Sebastian Vettel gewonnen. Also, Ben Hur, da behaupten manche, der habe Pate gestanden für Uncle Ben‘s Reis, sodass Pizza Risotto auf der Hand liegt.

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* Dabei bleibt es nicht. 1974 gab es sechs Oscars für "Der Pate". Wir erinnern uns: Luca Brasi schläft jetzt bei den Fischen. Das schreit doch förmlich nach Pizza Frutti die Mare. Bleiben wir im Metier. 1989: ein Oscar für "Ein Fisch namens Wanda". Führt doch geradewegs zu Pizza Tonno (Thunfisch).

* Oder nehmen wir den Film "Meuterei auf der Bounty". Eine Version, die von 1936, holte einen Oscar, die von 1962 mit Marlon Brando war sieben Mal nominiert, ging aber leer aus. Woraufhin Marlon Brando beschloss, sich mit der Mafia anzufreunden und für sie im "Paten" Reklame zu machen, damit so etwas niemals wieder passieren konnte...kleiner Scherz. Woran denkt man bei "Meuterei auf der Bounty"? Klar, Hawaii, Pizza Hawaii. Nur blöd, dass die "Bounty" nach Tahiti fuhr. Aber egal. Irgendwie fühlt es sich auch wie Hawaii an.

* Manche stibitzen auch gerne mal vom Nachbarteller. Da sollte man aber sehr gut miteinander bekannt oder mindestens verheiratet sein, miteinander. Vor diesem philosophischen Hintergrund überraschte es nicht, dass es 2007 den Oscar in der Kategorie "bester fremdsprachlicher Film" für "Die Pizza der Anderen" gab...Quatsch, es hieß natürlich "Das Leben der Anderen".

* Und zum Abschluss noch ein Höhepunkt: 1995 sechs Oscars für "Forrest Gump". Der Titelheld sagt, man wisse nie, was man bekomme, insofern sei das Leben "wie eine Schachtel Pralinen". Er hätte natürlich sagen müssen: "wie ein Pizzakarton".