Von Frauen regiert

Bei Oprah Winfrey beichtet Lance Armstrong, bei Ministerpräsidentin Malu Dreyer womöglich ganz Rheinland-Pfalz. Das weibliche Imperium dominiert. Beängstigend.

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. So, das wird jetzt richtig schmutzig. Also, liebe Kinder, ihr geht am besten in euer Zimmer und macht Computerspiele. Wie meinen? Nein, keine Killerspiele! Also. Wir hatten ja schon Gravierendes erwartet, als die von uns als überaus sympathisch geschätzte Agrarministerin, die Aigner Ilse, vor drei Tagen in einem Interview mit dieser unserer Zeitung forderte: "Weniger Antibiotika!" Einen Tick schärfer war dann noch die Ansage der Moderatorin im wunderbaren Radiosender SWR 3 am Freitagmorgen, Lance Armstrong habe gleich zu Beginn seines sogenannten Geständnis-Interviews bei Oprah Winfrey "die Hosen runtergelassen". Wobei: Wahrscheinlich dachte er nur, okay, schon wieder ein Dopingtest. Aber dann das Hammergeständnis, das gefühlt so klang: "Jaaaaa, ich habe....Gott, steh‘ mir bei... Wasser getrunken!! Einmal morgens auf dem Klo, aus Versehen!! Aber den grauenhaften Geschmack im Mund dann gleich runtergespült, mit zwei Litern Eigenblut mit Frostschutzmittel drin, weil es so kalt war, auf dem Klo." Im Nachhinein merkt man ja immer, dass so Sachen auch im ganz normalen Leben sehr sinnvoll sind. Wie oft beklagen sich Menschen: "Da gefriert mir das Blut in den Adern." Tja, das kann nicht passieren, wenn man sich Frostschutzmittel reindröhnt.

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Alles in allem war die Armstrong-Interviewnummer super. Eine Mischung aus "Die Nacht der Reitenden Leichen", "Frankenstein junior", Muppets Show und "Fragen Sie Dr. Sommer". Mittendrin, wunderbar, die Talkmasterin Winfrey, ganz große Oprah, pardon, Oper. Sie ist so eine Mischung aus Claudia Roth, Michelle Obama und Sandra Maischberger in hart.

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Bei Armstrong ist es übrigens wie so oft, dass der Name Programm ist. "Der Arm" und "strong", also stark. Eindeutiger Hinweis auf den alten rheinhessischen Spruch, da mache einer "dicke Ärm", dicke Arme. Er bläst sich also auf. Und jetzt bei Oprah hat er sich halt ein Ventil gesucht, wie früher bei den Reifen. Und er hat gesagt, Doping sei völlig normal gewesen. Hat also quasi zu den Rahmenbedingungen gehört. Klar, bei so teuren Fahrradrahmen. Sind ja aus Superplastik, Weltraum, Raumschiff Enterprise, Scotty, beam ihn hoch. Da ist es schon ein Wunder, dass Armstrong nicht während der Fahrt versucht hat, am Rahmen rumzufressen, als letzter Push bei der Steil-Etappe vor dem Col de Epo. Lance, Reue auf Rädern? Wir weinen.

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Wir finden dennoch, das Beispiel Armstrong sollte weiter Schule machen. Alle gehen zu Oprah ins Fernsehen und legen ihr Innerstes offen. Klaus Wowereit geht hin und bekennt: "Als kleiner Junge wollte ich Pilot werden. Oder wenigstens Architekt." Philipp Rösler haucht: "Ich liebe Andrea Nahles." Berlusconi macht ein Angebot: "Mit 18 hatte ich Angst vor 20-jährigen Frauen, heute sind mir 20-Jährige zu alt." Der Noch-Kanzlerkandidat der SPD, Steinbrück, Moneten-Peer, wie wir ihn seit 2005 nennen, rechnet ab: "Geld bedeutet mir nichts! Rein gaaar nichts! Geld ist mir sowas von sch...egal!" Kurt Beck brummt: "Ich hasse Saumagen." Julia Klöckner flötet: "Ich finde Kurt Beck ganz süß." Thomas Gottschalk hat sich mal wieder null vorbereitet und labert: "Schleichwerbung? Welche Schleichwerbung?? Ihr meint doch nicht meinen supergeilen Turbo Videoi A 8 (Name zur Vermeidung von Schleichwerbung geändert - die Red.) mit 20-Gang-Schaltung und automatischer Epo-Einspritzung?" Die Queen, Lissy, wie wir sie nennen, verkündet: "Ich saß damals 1966 beim WM-Endspiel gegen die Krauts in Wembley ja auf der Tribüne und hab‘s ganz genau gesehen, unser drittes Tor war sowas von drin, dass sich das Tornetz hinten ausgebeult hat." Fifa-Präsident Josef Blatter appelliert: "Der Fußball muss sauber bleiben." Boris Becker offenbart: "Manchmal komm‘ ich mir ein bisschen doof vor." Woraufhin Loddar Matthäus twittert: "Dass känn ich." Unser Umweltminister Altmaier, Peter, the Body-Mass-Index, wie wir ihn nennen, kündigt an: "Wenn mir Weight Watchers einen guten Werbevertrag anbietet, schmeiß‘ ich der Merkel den ganzen Ministerkrempel vor die Füße." Jogi Löw formuliert in seinem besten Hochdeutsch: "Ich wollt‘, ich hätte Ahnung von Fußball." Franz Beckenbauer analysiert: "Ja gutt, äähhh, die Viererabwehrkette hab‘ ich, offen gesagt, nie ganz verstanden." Loddar geht dann nochmal zu Oprah, weil er beim ersten Mal den Weg nicht gefunden hat. Er sagt: "Nach der Hauptschule wollte ich eigentlich gleich Philosophie studieren, aber dann kamen all diese Unterwäsche-Models dazwischen." Und nicht zuletzt Hans-Dietrich Genscher, Gensch¬man, wie wir ihn nennen, er gibt zu: "Ja, einmal saß ich gleichzeitig in zwei in entgegensetzte Richtungen fliegenden Flugzeugen. In dem einen mit Kohl und Maggie Thatcher, in dem anderen nur noch mit Kohl, die Thatcher hatten wir schon aus der Luke geworfen."

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"Habemus Ministerpräsidentin", hatte unser Redaktionskollege nach der Wahl von Malu Dreyer getwittert. Merkwürdigerweise schrieben Nachrichtenagenturen den Tweet dem rheinland-pfälzischen FDP-Landesvorsitzenden Volker Wissing zu. Aber gut. Die FDP kann Unterstützung gut gebrauchen. Vielleicht können wir uns, mit allem Respekt, auf ein gemeinsames "Habemus Malu" verständigen.

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Allerdings fühlt es sich für uns doch ein bisschen merkwürdig an, in Rheinland-Pfalz fast nur noch von Ministerinnen und nun einer Ministerpräsidentin regiert zu werden. Und nicht nur das: Auch bei der CDU-Opposition ist ja mit Julia Klöckner eine Frau der Chef. Nun könnte man natürlich brutal die Macho-Nummer abziehen und sagen: "Okay, Ladies, die Wahl zwischen gleich zwei Frauen - nicht schlecht." Aber wir sehen das sensibler. Wir erwägen die Gründung einer Männer-Selbsthilfegruppe. Und wir fragen die Aigner Ilse, ob sie uns coacht.