Tuchel = Streich - das passt nicht

Thomas Tuchel. Foto: dpa

Christian Streich und Thomas Tuchel haben sich mit fast denselben Worten über Fehlentscheidungen der Schiedsrichter beklagt. Nun sind die Fußballlehrer des SC Freiburg und des...

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. Zwei Trainer, ein Standpunkt. "Ich kann es mir nur so erklären, dass es eine persönliche Geschichte ist, weil ich so emotional bin", schimpfte der eine am vergangenen Sonntag und grollte weiter: "Wenn es mit mir nicht geht, sollen sie es sagen." - "Es gibt im Schiedsrichterwesen eine klare Stimmung gegen meine Person", sagte der andere am 25. Februar 2013. Und er setzte hinzu: "Ich weiß, dass das Schiedsrichterwesen allgemein ein Problem mit mir hat."

Der eine heißt Christian Streich, der andere heißt Thomas Tuchel. Zwei Trainer, die sich mit fast identischer Wortwahl über vermeintliche oder tatsächliche Benachteiligungen durch Unparteiische beschwerten und das Ganze auf eine grundsätzlichere Ebene hoben. Nun sind die Fußballlehrer des SC Freiburg und des FSV Mainz 05 zwar bekanntermaßen impulsiv - doch da hört es auf mit den Parallelen der "Verschwörungstheoretiker". Streich = Tuchel - das passt diesmal nicht, weil...

Erstens: Seit seinem Ausbruch vor einem Jahr ist Tuchel deutlich ruhiger, entspannter, verbindlicher geworden. Seine Schiri-Philippika war Höhepunkt und zugleich Abschluss seines Daseins als "Mainz-Motzki". Ein Reifeprozess, den Streich noch vor sich hat (oder vielleicht nie bewältigt).

Zweitens: Bei Streich gingen die Gäule unmittelbar nach dem Schlusspfiff gegen Borussia Dortmund (0:1) wegen einer nicht gegebenenRoten Karte gegen BVB-Verteidiger Sokratis durch. Tuchel hingegen setzte seine Wutrede nach einer Häufung von fragwürdigen Pfiffen gezielt, wählte den Zeitpunkt mit Bedacht. Trotzdem führte das nicht zum gewünschten Effekt: Das nächste Spiel ging verloren, mit 2:3 nach Verlängerung im Pokal-Viertelfinale - gegen Streichs SC Freiburg.

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Drittens: Unterschiedlich fiel auch die Reaktion der Öffentlichkeit aus. Streichs Worte ernteten allenfalls Achselzucken, bei Tuchel hingegen hörte man schon eher hin, Erstaunen und Kritik hielten sich dabei zumeist die Waage.

Dieser Punkt drei lässt eigentlich nur zwei Schlüsse zu: Zum einen könnte es nach dem Prinzip "Getroffene Hunde bellen" durchaus sein, dass manch einer in der Szene Tuchel damals durchaus Recht gab, wenn auch nur heimlich. Zum anderen scheint der Rest der Liga Mainz 05 mittlerweile deutlich ernster zu nehmen als die Breisgauer. Mit beidem können Tuchel und die 05er sicher gut leben.

Ulrich Gerecke