Trotz allem: Danke, Anke!

Annegret Kramp-Karrenbauer. Archivfoto: dpa

Was eine echte saarländische CDU-Ministerpräsidentin ist, die lässt sich selbst von einer gestandenen SPD-Kugelstoßerin nicht aus dem Ring fegen. Vielleicht hätte Oskar was...

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. Vergangenen Dienstag, 28. März, wäre Sepp Herberger, geboren in Mannheim, also einer von uns, Trainer des deutschen 54er-Wunder-von-Bern-Weltmeisterteams, 120 geworden, aber das wäre dem großen himmlischen Schiri da oben denn doch in bisschen viel Nachspielzeit gewesen. Im Zusammenhang mit der Saarlandwahl war Herberger auf dem Titelbild der FAZ, und zwar wegen der Spruchweisheiten, die nach diesem Urnengang purzelten wie reife Kohlen aus dem Feuer.

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Den Glanzhammer lieferte erwartungsgemäß unser aller Kanzlerin, indem sie am Montag nach dem siegreichen CDU-Wahlsonntag sprach: „Der gestrige Tag war ein schöner Tag und damit auch ein ermutigender Tag.“ Ja, ja, ja! Da stürzt du als Zuhörer ins Koma und die Sanitäter müssen dir sofort eine Invasion legen, wie der ehemalige Stuttgarter Stürmer Fritz Walter junior, nicht verwandt mit dem Fritz Walter von 1954, zu sagen pflegte. Merkel sagte noch: „Erst mal steht jede Wahl für sich.“ Das bedeutet nichts anderes als Herbergers: „Der nächste Gegner ist immer der schwerste.“ Merkel wird das adaptieren als: „Der nächste Schulz ist immer der nächste.“ Früher hätte sie gesagt: „Der nächste Siggi ist immer der Schwerste.“ Was weder Merkel noch Herberger je gesagt hätten, weil sie clever waren beziehungsweise sind: „Keiner verliert ungern.“ Das stammt von Michael Ballack, wir Älteren erinnern uns.

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Siegreich im Saarland war bekanntlich CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. „Das Annegret“, wie die Saarländer sagen, zeichnet sich auch dadurch aus, dass im Vergleich zu ihr Angela Merkel eine Plaudertasche und absolute Stimmungskanone ist. Die SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger war mal eine sehr erfolgreiche Kugelstoßerin und Diskuswerferin, und wenn Merkel heimtückisch wäre, würde sie da den berühmtesten Herberger-Spruch „Der Ball ist rund“ ummünzen in „Die Rehlinger ist rund“, aber das verkneift sie sich aus weiblicher Solidarität.

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Wir entnehmen Wikipedia, dass Anke Rehlinger noch immer den saarländischen Rekord im Kugelstoßen hält, mit 16,03 m aus dem Jahr 1996. Ferner habe sie mit der „Equipe Saar“ 2014 bei der Team-DM der Senioren den Sieg, wie sagt man da: erstoßen? Zu jenem Senioren-Team Saar zählte zu unserem Entsetzen nicht Oskar Lafontaine, obschon doch ein berüchtigter Hammerwerfer, wie sich 1999 klar zeigte, als er als Schröders Finanzminister den Hammer sowas von fallen ließ. Auch nicht im Team, zu unserem allergrößten Bedauern: Oskars Angetraute Sahra Wagenknecht. Die hätten wir uns unheimlich gut über 100 Meter Hürden vorstellen können, mit diesen beeindruckenden, fließenden bis wogenden Wellenbewegungen über den Hürden. Oder natürlich auch im Stabhochsprung. Ganz außerordentlich ästhetisch, Stabhochsprung der Frauen.

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Da eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Danke//Anke! Also, Kugelstoßerinnen, das sind oft die, die im Finish wahnsinnig schreien, wahrscheinlich, weil sie sich schon darauf freuen, dass sie bald wieder Spinat essen dürfen, damit sie groß und stark werden. Diskuswerfen ist als Vorbereitung für Politik wie geschaffen, denn in der Politik gibt es ja bekanntlich jede Menge Diskusionen. Und Kugelstoßen ist von der Stoßrichtung her noch viel näher an der Politik. Wir lesen: Es gibt beim Kugelstoßen die Angleittechnik. Das ist nichts Unzüchtiges, sondern optimal für Partei-Karrieren. Da ist der Athlet nämlich zunächst „stark gebeugt“, klar, wenn man was erreichen will, muss man erst mal demütig sein. Dann erfolgt ein „flüssiger Bewegungsablauf“, flüssig, logisch, manche Dinge muss man sich schönsaufen in der Politik. Sodann erfolgt die „gestreckte Abstoßphase“: Man streckt sich nach der Decke und stößt die seitherigen politischen Weggefährten, die einem lästig oder gefährlich werden, ab. Eine Alternative ist die Drehstoßtechnik, die im parlamentarischen Alltag allerdings meist durch die Dolchstoßtechnik ersetzt wird. Böse Zungen behaupten, im Saarland gebe es zudem noch die Schwenkbratentechnik und die Lyonerwurststoßtechnik. Joo, geh' fort.