Studie: Kein Duell der Medien

Internet gegen Fernsehen, Radio und Zeitung – was gerne als Duell dargestellt wird, ist keines. Denn das Aufkommen des Internets wirkt sich nur bedingt auf die anderen Medien...

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MAINZ. Internet gegen Fernsehen, Radio und Zeitung – was gerne als Duell dargestellt wird, ist keines. Denn das Aufkommen des Internets wirkt sich nur bedingt auf die anderen Medien aus. Das haben die Daten der Langzeitstudie „Massenkommunikation“ ergeben, welche die ARD-ZDF-Medienkommission seit 50 Jahren erheben lässt.

Über acht Stunden, genau 512 Minuten, nutzt der Durchschnitts-Deutsche laut dieser Studie am Tag Medien. Allerdings bedeutet dies nicht, dass die Menschen so lange Nachrichten oder Unterhaltungs-Formate konsumieren. Gerade im Internet machen diese „medialen Nutzungen“ nur knapp ein Viertel des Konsums aus. So haben die Deutschen im Jahr 2015 durchschnittlich 107 Minuten am Tag im Internet verbracht. Doch nur 10 Minuten davon haben sie sich mit Nachrichten beschäftigt – die anderen 16 Minuten mit anderen medialen Formen. Die restliche Zeit verbrachte der Nutzer mit anderen Tätigkeiten wie Mails-Schreiben oder Einkaufen.

Wobei laut Studie das Fernsehen im Internet noch keine große Rolle spielt: Demnach haben sich die Nutzer nur sechs Minuten am Tag bewegte Bilder im Netz angesehen. Allerdings stammen die Zahlen der Studie aus dem Jahr 2015. Zum einen können die Endgeräte mittlerweile mehr. Zum anderen hat es damals das Angebot „Funk“ nicht gegeben, mit dem ARD und ZDF versuchen, im Internet die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen zu erreichen.

Die neuen Nutzungsformen, die durch das Internet entstehen, würden zwar „eine erhebliche Veränderung für die Medien und Nutzungsoptionen“ mit sich bringen, so das Fazit der Macher. Unter anderem würden Prognosen auf die Zukunft dadurch erschwert, dass heute nicht absehbar ist, welche technischen Möglichkeiten es in absehbarer Zeit gibt. Doch Fernsehen, Radio und Zeitung würden sich unabhängig vom Internet entwickeln.

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Ein Beispiel dafür ist die Glaubwürdigkeit. So hat die Tageszeitung laut „Massenkommunikation“ für 35 Prozent der Nutzer immer noch die höchste Glaubwürdigkeit, gefolgt vom Fernsehen mit 31 Prozent, dem Radio mit 19 und dem Internet mit 15 Prozent. Entsprechend kommen die Macher zwar zum Ergebnis, dass sich bei den Jüngeren das Nutzungsverhalten ändere, jüngere Menschen etwa weniger häufig die gedruckte Zeitung lesen. Aber: „Gerade die jüngeren Kohorten, die kaum Tageszeitung lesen, aber relativ viel Tageszeitungsinhalte im Internet nutzen, schätzen die Tageszeitung als etwas glaubwürdiger als ältere Kohorten ein.“ Kohorten steht für Jahrgänge. In der Studie werden die Nutzer anhand des Jahrzehnts unterschieden, in dem sie geboren wurden. Ein Ergebnis dieser Kohorten-Untersuchung lautet: Es gibt bei den nachwachsenden Nutzern in Sachen Internet-Konsum kein automatisches Wachstum mehr. Schon die zwischen 1980 und 1989 Geborenen nutzen am Tag das Netz drei Stunden lang – fast genau so viel wie bei den zwischen 1990 und 1999 Geborenen.