Sollte der Handel wegen Corona auch sonntags öffnen dürfen?

aus Coronavirus-Pandemie

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Mundschutz; Corona; Einkaufen; Frau; Supermarkt; Einkaufswagen; Apfel; Obst;

Die Corona-Pandemie hat dem Einzelhandel stark zugesetzt. Nun wird diskutiert, ob Öffnungen am Sonntag den Läden aus der Krise helfen würden. Was dafür spricht und was dagegen.

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BERLIN. Der Einzelhandel hat unter der Corona-Pandemie stark gelitten. Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert deshalb, dass Geschäfte bis Jahresende auch sonntags öffnen dürfen sollten, um wenigstens einen Teil des durch die Corona-Pandemie entgangenen Umsatzes nachzuholen.

Die Gewerkschaft Verdi und kirchliche Verbände haben an die Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen appelliert, den arbeitsfreien Sonntag zu schützen. In einem Brief an Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) kritisieren die in der "Allianz für den freien Sonntag" zusammengeschlossenen Organisationen, "Versuche von Lobbygruppen und Arbeitgeberverbänden, den Schutz des arbeitsfreien Sonntags aufzuweichen". Der Sonntag sei der letzte Tag der Woche, an dem die Beschäftigte darauf vertrauen könnten, Zeit für sich selbst und ihre Familien zu haben.

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Mit Blick auf die Bundestagswahl forderte der HDE eine "Enttabuisierung" des Themas Sonntagsöffnung. Einkaufen sei genauso Teil der Freizeitgestaltung wie der Restaurant- oder Museumsbesuch, hatte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth gesagt. Es sei "höchste Zeit, diese systematische Benachteiligung der Händler zu beenden".

"Verdränkungswettbewerb werde angeheizt"

Durch Sonntagsöffnungen würden lediglich Umsätze von der Woche auf das Wochenende verschoben, hält die Allianz dem entgegen. Da Sonntagsöffnungen höhere Kosten verursachten, werde zudem "der in der Branche bereits laufende Verdrängungs- und Vernichtungswettbewerb angeheizt". Dass es bestimmt Berufe gebe, in denen die Sonntagsruhe nicht einzuhalten sei, werde von der Allianz nicht bestritten, heißt es in den Brief. "Jede Ausweitung darüber hinaus ist nicht nötig und wird von uns abgelehnt."

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat sich angesichts der Probleme vieler Einzelhändler für eine Lockerung der Ladenöffnungszeiten ausgesprochen. "Eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist dringend geboten, damit der stationäre Einzelhandel sich im Wettbewerb gegen den Onlinehandel behaupten und Arbeitsplätze sichern kann", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher dem "Handelsblatt". Die Verschiebung hin zum Onlinehandel in der Pandemie werde sich nicht komplett umkehren.

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Fratzscher sieht dem Bericht zufolge die Politik in der Pflicht, für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen. Das könne nicht bedeuten, dass Menschen 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche online einkaufen könnten, aber der stationäre Einzelhandel ein "enges Korsett" habe und auch sonntags geschlossen sein müsse. "Anstelle von Sanktionen oder Abgaben für den Onlinehandel sollte die Politik den stationären Einzelhandel attraktiver machen", wurde der Ökonom zitiert.

Von dpa