Einmal muss Schluss sein mit dieser Debatte. Jetzt. Denn wenn Dirndl anfangen eine Rolle zu spielen, dann drohen uns Magic Horst und der Stoiber Edi.

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. Wir, mein Kater Bébé und ich, wir hatten einen Traum, der natürlich nichts, aber auch gar nichts mit real existierenden Ereignissen zu tun hat. Er ging so: "Bar?", haucht der junge Reporter. "Wenn überhaupt", knurrt die ältere Politikerin, "dann zahl‘ ich mit Kreditkarte." Wir erkennen an diesem harmlosen kleinen Beispiel messerscharf, dass die gesamte Sexismusdebatte, die vor allem auf Twitter unter "#aufschrei" auf einsame Höhen eskalierte, danach schreit, auf ein angemessenes intellektuelles Niveau geholt, einer sprachlichen Analyse zugeführt und gesittet beendet zu werden.

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Alleine schon die drei winzigen Buchstaben b, a, r können so viel bedeuten, je nach Uhrzeit und Möglichkeiten des Hotels. Wir lesen im Lexikon: "Eine Bar ist ein Ort, an dem alkoholische Getränke ausgeschenkt werden." Dass es auch Milch-Bars gibt, lassen wir in der ohnehin aufgeheizten Atmosphäre, in der auch über Kühe und deren körperliche Besonderheiten diskutiert wurde, außen vor. Wir lesen weiter: "Entlehnt wurde das Wort im 19. Jahrhundert aus dem englischen ‚bar‘, das wie das altfranzösische ‚barre‘ ursprünglich ‚Querstange‘ bedeutet." Wir lassen das im Raum schweben.

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Monetär sehr beliebt ist die Barzahlung, die vor allem im Rheinland unter dem Titel "Cäsh//Bläck in de Täsch" nach wie vor Furore macht. Streng zu unterscheiden davon ist das sogenannte Heimzahlen, das manchem, den es trifft, sonderbar vorkommen mag. Deshalb ist es tatsächlich oft besser, mit Karte zu bezahlen, dann hat man wenigstens einen Beweis, wenn‘s jemand nicht glauben will: "Ins Hotel, für 150 Euro??!" Nicht unproblematisch erscheint uns die grundlegende Definition bei Wikipedia, wonach "bar als Adverb eine Form des Zahlungsverkehrs" bezeichnet. Eine gewisse Scheu empfinden wir auch, eine weitere lexikalische Bedeutung von "bar" wiederzugeben, nämlich "frei von..., nackt", zum Beispiel, nun, sagen wir: barfüßig.

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Natürlich trägt auch die Physik ihr Scherflein bei. Wir lesen: "Das weit verbreitete Kürzel ‚atü‘ wird durch ‚Bar Überdruck‘ ersetzt." Okay. Bar, dass es da auch um Überdruck geht, das hatten wir schon vermutet. Aber jetzt kommt‘s. Auf völlig ungeahnte Weise kommen wir dahinter, wie in der Sexismusdebatte die Begriffe "Bar" und "Dirndl" zueinander gefunden haben. Wir lesen, weinend vor Freude: "bar bezeichnet nach SIL-Code die bairischen Dialekte". Kruzifixhalleluja! Hätte uns überhaupt schwer gewundert, wenn das sich im Dirndl sublimierende bayerische Element, repräsentiert von unseren Freunden Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen, und dem Stoiber Edi weit vom Schuss gewesen wäre, wenn‘s spannend wird. Zunächst: SIL heißt "Summer Institute of Linguistics", und das letztere Wort ist nichts Unanständiges, auch wenn es danach klingt. SIL ist eine Nichtregierungsorganisation, also das, was zum Beispiel nach der nächsten Bundestagswahl auch die FDP sein wird...kleiner Scherz. SIL hat unter anderem das Ziel, "Hilfestellung bei der Entwicklung von Minderheitensprachen zu leisten", also etwa Hochdeutsch in Baden-Württemberg.

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So, und jetzt hat SIL für bairische Mundarten gemäß Code ISO 639-3 die Abkürzung "bar" vergeben. Wobei "bairisch" keineswegs mit "bayerisch" gleichzusetzen ist, sondern: "Der bairische Sprachraum umfasst im Freistaat Bayern die Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und Oberpfalz, das Staatsgebiet Österreichs mit Ausnahme Vorarlbergs, ferner Südtirol, die zimbrischen und karnischen Sprachinseln in Oberitalien und das südliche Vogtland im Freistaat Sachsen." Donnerwetter!! Leute!! Da haben wir ja echt die Crème de la Crème beisammen! Da wundert uns echt gar nix mehr und es steht zu befürchten, dass künftig junge Reporter ältere Politikerinnen nachts an der Bar fragen: "Darf ich Ihnen mal meine zimbrischen und karnischen Sprachinseln zeigen - oder lieber gleich mein südliches Vogtland?!"

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In der Sexismusdebatte spielt ja vor allem jenes Dirndl eine Rolle, das von einer Reporterin angeblich ausgefüllt werden könnte. Nun. Zunächst kommen wir mal unserer Fürsorgepflicht nach und geben zu bedenken, dass es manchmal erfolgversprechender ist, einen Lottoschein auszufüllen als ein Dirndl. (Frauenversteher werden an dieser Stelle noch anfügen, dass das natürlich analog auch für das Ausfüllen männlicher Lederhosen gilt.) Enttäuschungen können in beiden Fällen, sowohl beim Lotto als auch bei den textilen Bemühungen auftreten, aber wenn es klappt, ist der Ertrag beim Lotto ab sechs Richtigen auf jeden Fall nachhaltiger. Man müsste das unter "#sechsismusdebatte" echt vertiefen. Aber wir wollen nicht abschweifen.

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Wie schon beim Nürburgring - Nordschleife - ist auch beim Dirndl die Schleife ganz wichtig. Mit der Schleife wird die Schürze gebunden, und laut www.brauchtumsjahr.de ist es so: "Bindet sich die Trägerin die Schleife auf der rechten Seite, signalisiert sie, dass sie vergeben, verlobt oder verheiratet ist. Eine Schleife auf der linken Seite bedeutet, dass die Trägerin noch zu haben ist. Eine vorne mittig gebundene Schleife soll symbolisieren, dass die Trägerin Jungfrau ist." Schock! Liebe Kinder, wie üblich: fragt die Mutti. So weit, so klar, und im Zuge der Emanzipation könnte man überlegen, eine ähnliche Systematik alsbald auch bei den Smokingschleifen für Männer Raum greifen zu lassen. Aber!! Wir raten dringendst davon ab, dass sich eine Reporterin nachts in eine Hotelbar stellt und ein Dirndl ausfüllt, bei dem die Schleife vorne mittig gebunden ist! Denn dann wird einer dieser sabbernden Machos kommen, ungläubig glotzen und dann fragen: "Zu mir nach links oder zu dir nach rechts?" Tja. Und dann steht der ganze Zirkus nach einer Minute online, oder nach einem Jahr.