Schwarz-Rot, ein Wintermärchen

Der Pisa-Test - Deutschland etwas besser als beim letzten Mal. Foto: dpa

Deutsche sind lernfähig. Wie meinen? Bei Wahlen? Nun ja. Wir dachten da eher an Pisa.

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. "Schwache gestärkt, Starke gebremst" lesen wir als fette Überschrift unter "Politik". Aber obwohl es sich um die konservative Tageszeitung "Die Welt" handelt, täuscht der erste Eindruck. Es geht nicht um das Weihnachts-Hochzeitsmärchen, das in diesem Jahr heißt: Schwarz und Rot//Verliebt bis in den Tod. Sondern: Pisa-Studie. Vor zehn Jahren war das Ergebnis, grob formuliert: Deutsche Deppen. Jetzt: ein bisschen besser. Schwer im Fokus: Mathe. Uns fällt da die alte Geschichte ein. Ein Lehrer trifft einen ehemaligen Schüler, der fährt einen 100.000-Euro-Schlitten und trägt feinsten Zwirn. "Was bis Du denn von Beruf?", fragt der Lehrer. "Kaufmann", antwortet der Ex-Schüler stolz. "Kaufmann?", wundert sich der Lehrer, "Du warst doch im Rechnen immer der Schlechteste!" "Tja, ich weiß ja auch nicht", entgegnet der Ex-Schüler. "Aber jetzt is‘ es so: Ich kauf‘ Ware für 100.000 Euro ein und verkauf sie für 500.000. Und von den vier Prozent leb‘ ich eigentlich ganz gut."

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Pisa-Thema: Lesen. Ganz heiße Kiste. Wer von den SPD-Genossen, die über das Glück von Angela Merkel abstimmen, hat den Koalitionsvertrag gelesen? Und verstanden? Siggi Gabriel? Vergiss‘ es. Wir erfahren: Beim Umgang mit Texten bewegt sich Deutschland auf einem Niveau mit Belgien, den Niederlanden (!!!) und Macao. Hier müsste natürlich sofort die Zusatzfrage kommen: Macao ist A) Weihnachtsgebäck, B) Eine Nudelsorte. C) spanisch und heißt: Man kaut. D) Ein schokoladenfarbiges Heißgetränk. Nach Einsatz des Fifty-fifty-Jokers fragen wir das Publikum und rufen dann noch jemanden an. Wie meinen? Nein, nicht Siggi Gabriel.

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Drohnen. Ganz dickes Weihnachtsthema. Amazon hat verkündet, dass in vier Jahren unbemannte Fluggeräte die Sachen vor die Tür bringen. Allerdings, so Vorstandschef Jeff Bezos, "müssen kommerzielle Drohnen erst noch für den Einsatz im amerikanischen Luftraum zugelassen werden." Voraussetzung ist wahrscheinlich auch, dass die Drohne eine Erklärung unterschreibt, dass sie keinesfalls auf die Jagd nach palästinensischen Terroristen geht. Oder jedenfalls nicht ohne update mit der NSA.

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Bezos räumt räumlich-logistische Probleme ein: "Wir werden damit keine Kajaks oder Tischsägen zustellen." Für letztere müssen wahrscheinlich Spezialanfertigungen her, sogenannten Kettensägenmassaker-Drohnen. Für die Kajaks wird eine spezielle Wencke-Myhre-Drohne entwickelt, benannt nach der kleinen Stupsnasigen, die damals sang: "Er hat ein knallrotes Gummiboot."

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In Deutschland wäre natürlich alles komplizierter. Zunächst müsste die Drohne wahrscheinlich eine Maut entrichten. Ferner zu beachten, ganz im Ernst: Nach § 15a, Absatz 3 der Luftverkehrsordnung (LuftVO) ist der Betrieb von unbemannten Luftfahrtgeräten grundsätzlich verboten, wenn sie sich außerhalb der Sichtweite des Steuerers befinden. Wir fügen hinzu: Es ist generell und für jedes Fahrzeug dieser Welt schlecht, wenn es sich außerhalb der Sichtweite des Steuerers befindet. Wahrscheinlich war das aber das Problem, als am vergangenen Samstag ein IC versehentlich anstatt nach Bingen nach Wiesbaden fuhr. Wobei sich die Wiesbadener natürlich fragen, wieso intelligente Menschen überhaupt nach Bingen und nicht nach Wiesbaden fahren wollen. Wohingegen sich die Menschen in Bingen fragen, wie ein IC so doof sein kann, nach Wiesbaden anstatt nach Bingen zu fahren.

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Siemens soll der Deutschen Bahn....Wie meinen? Ja, die existiert noch. Ja, auch jetzt im Winter. Heizung? Wie, Heizung?? Weichei!! Also. Siemens soll der Bahn neue ICEs liefern, und laut Süddeutscher Zeitung könnten die ersten beiden Exemplare im Dezember ausgeliefert werden. Wir wissen nicht, wie die Fahrgastverbände, die Bahnhofsmission und das Rote Kreuz auf diese wirklich bedrohliche Nachricht reagieren. Derzeit würden Fahrzeugführer bereits auf den neuen Triebköpfen geschult...Wie meinen? Nein, das ist nichts Unanständiges. Leute! Das Eisenbahn-Bundesamt muss dann noch zustimmen und erklärt schon mal laut Süddeutscher Zeitung: "Wir stehen bereit, zügig zu prüfen." Zügig! Brüller-Gag. Wasserhähne werden künftig laufend getestet, Rasierklingen einer scharfen Prüfung unterzogen. Und die neuen ICs finden reisenden Absatz.

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Allerdings muss die Bahn befürchten, dass das Amt wieder diese unverschämten Fragen stellt, wie: "Hat der Zug Bremsen?", und dann: "Warum nicht?"