Schumi reitet wieder

Michael Schumacher zieht sich zurück. Auf’s Pferd. Lange Gesichter allenthalben. Außer bei Vettel. Der sieht so jung aus - hat der überhaupt schon einen Führerschein?

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. Brumm brumm. Wir lesen weinend vor Freude die Geschichte vom Triumph Sebastian Vettels in der Formel 1 beim Großen Preis von Brasilien. Manche denken ja, der Große Preis von Brasilien, das seien diese leicht bekleideten Tänzerinnen an der Copacabana... kleiner Macho-Scherz. Lassen wir uns nicht nehmen, wir sind doch kein Weihnachtsmann.

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Also. Mal ein bisschen Nachhilfe für die ausschließlichen Radfahrer unter unseren Leserinnen und Lesern. Sebastian Vettel ist quasi die härtere Form des Führerscheins mit 17, denn er wurde jetzt gefühlt im Alter von 13 zum 25. Mal Formel 1-Weltmeister. Unzutreffend sind allerdings Gerüchte, er habe schon mit eineinhalb Jahren im Kinderwagen heimlich auf der A 67 nahe seiner Geburtsstadt Heppenheim an der Bergstraße geübt, woraufhin der Verkehrsfunk Schnulleralarm ausgelöst habe. Ziemlich wahr ist aber die Behauptung, Vettel sei deshalb Ehrenbürger von Heppenheim geworden, weil er dafür sorgte, dass die Stadt autofahrmäßig von einem ziemlich fiesen Image herunterkam. Heppenheim hat das Autokennzeichen "HP", ausgesprochen "Ha Pee". Und wir kennen das alle, manche Kennzeichen werden in übler Weise umgedeutet. Ein besonders drastisches Beispiel ist der nordrhein-westfälische Rhein-Erft-Kreis mit dem Verwaltungssitz Bergheim, Kennzeichen "BM", früher desavouiert als "Baader Meinhof", heute als "Bereifte Mörder". So gesehen konnte Heppenheim schon immer relativ zufrieden sein, denn der Spott lautete lediglich: "Hüte dich vor Eis und Schnee//und vor Fahrern mit Ha Pee."

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Vettel kam beim Grand Prix von Brasilien an die Box zum Reifenwechseln, die Reifen waren aber noch nicht da. Also: Genau wie bei vielen von uns, wenn wir jetzt Winterreifen aufziehen wollen, sie sind aber gerade ausverkauft. Wie meinen? Nein, Vettel wollte in Brasilien keine Winterreifen aufziehen! Leute! Ferner: Anfangs stand Vettel plötzlich mit seinem Auto frontal gegen die Fahrtrichtung. Nein, liebe Kinder, das war diesmal nicht wie manchmal bei Mami, wenn sie einparkt, oder wie bei Tante Antje aus Holland, wenn sie am Kamener Kreuz, zugekifft bis unter die Haarspitzen, mit dem Wohnwagen in den engen Grenzen der linken Spur einen U-Turn macht. Es war auch keine Geisterfahrt, sondern die Folge eines Crashs.

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Nervenstark also, dieser Vettel. Muss an der guten Luft an der Bergstraße liegen. Heppenheim, rund 25.000 Einwohner, ist eine sehr geschichtsträchtige Stadt, erstmals urkundlich erwähnt 755. Es gibt aber auch brandheiße Bezüge zur Gegenwart. Am 10. Oktober 1847 fand im Heppenheimer Hotel "Halber Mond" ein wichtiges Treffen führender liberaler Politiker statt. Wie meinen? Nein, Genscher war noch nicht dabei! Im Gedenken an dieses Treffen wurde am 11. Dezember 1948 in Heppenheim die FDP gegründet. Wie bitte? Was soll die Frage: ‚Warum bloß‘? Leute! Aber wieder hängt alles mit allem zusammen: Dass das Treffen von 1847 in einem Hotel stattfand, hatte ganz gewiss mentale Auswirkungen auf die Entscheidung der FDP vor einigen Jahren, die Mehrwertsteuer für Hotels zu ermäßigen. Und vor dem Formel 1-Hintergrund der FDP-Gründungsstadt wird der Ehrentitel "Flying Guido", den wir dem ehemaligen FDP-Vorsitzenden Westerwelle verliehen haben, noch viel plausibler. All dies vor Augen wundert man sich dann natürlich überhaupt nicht, dass die FDP bei den Kommunalwahlen 2011 in Heppenheim ein Ergebnis nach Hause fuhr(!), das für sie derzeit gigantisch wirken muss: gewaltige fünf Prozent. Für verwegen halten wir allerdings das Gerücht, dass Philipp Rösler künftig von Vettels Arbeitgeber "Red Bull" betreut wird. Realistisch scheint uns dagegen die Vorstellung, dass der heimliche FDP-Vorsitzende Brüderle - keiner//ist wie Rainer - Vettel 500 Weinköniginnen angeboten hat, damit "Red Bull" Rösler in einem Formel 1-Boliden über die Nordschleife des Nürburgrings jagt. * Vettel hat ja vor gefühlt 30 Jahren unter dem Namen "Michael Schumacher" quasi pränatal sieben Mal den WM-Titel gewonnen...Quatsch. Mal im Ernst. Schumi hört jetzt auf, und wir waren zu Tode erschrocken, in der wunderbaren "Süddeutschen Zeitung" zu lesen, er wende sich jetzt "voller Vorfreude dem Hobby seiner Frau zu". "Safety Car" erschien uns da plötzlich in ganz neuem Licht. Erleichtert lasen wir aber weiter, dass es nur ums Reiten geht. Die Schumachers haben in Texas eine Ranch mit 36 Pferden. Mit viel mehr als 36 Pferdestärken schien Schumi in dieser Saison aber auch im Formel 1-Mercedes nicht unterwegs zu sein.

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Mit Blick auf Schumis gewaltige Kinnlade erkennen wir in den Pferden aber einen erneuten Beweis für die These, dass sich Menschen physiognomisch ihren Haustieren stark annähern, wenn sie länger beisammen sind. Was für die Menschen sehr oft von großem Vorteil ist. Bei meinem Kater Bébé und mir ist es allerdings so, dass er sich seelisch sowie in Mimik und Gestik im Laufe unserer gemeinsamen Jahre eher mir angenähert hat, was gut für uns beide ist. Allermeistens können wir dieselben Menschen nicht leiden, was für diese Menschen dann aber gar nicht gut ist.

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Noch ein Schrecken zum Advent: "Leben ohne Latte" titelt das Magazin der "Süddeutschen Zeitung". War offenbar wieder Föhn in München, diese Woche. Geht aber nur um Macchiato.