Rehbergs Analyse: Gegen 1860 müssen 05er hellwach sein

Die Münchener (von links) Daniel Adlung, Daylon Claasen, Gary Kagelmacher und Stefan Mugosa nach der 0:1-Niederlage in Fürth. Foto: dpa

1860 München ist als als Zweitliga-Vorletzter der einzige deutsche Profiklub, der in dieser Saison noch kein Liga-Spiel gewonnen hat. Die 60er stecken wie immer in einem Sumpf...

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. Nächste Aufgabe. Am Dienstagabend läuft die 1860 GmbH & Co KGaA, eine Aktiengesellschaft im Mehrheitsbesitz des jordanischen Geschäftsmanns Hasan Ismaik, in der zweiten Runde des DFB-Pokals in der Coface Arena auf. Hinter diesem modernen Konstrukt verbirgt sich der traditionsreiche TSV 1860 München. Die Löwen sind als Zweitliga-Vorletzter der einzige deutsche Profiklub, der in dieser Saison noch kein Liga-Spiel gewonnen hat. Zuletzt haben die 60er ihr Heimspiel gegen den Karlsruher SC mit 0:1 verloren und mit diesem Ergebnis auch das jüngste Auswärtsspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth. Der die Boulevardmedien seit Jahrzehnten reichhaltig beliefernde „Skandalklub“ schafft es nicht mehr zurück auf die große Bühne. Aber welche Bedeutung hat das schon für ein Pokalduell, in dem binnen 90 oder 120 Minuten oder nach Elfmeterschießen an diesem Flutlichtabend eine Entscheidung fällt?

Sensation vor 50 Jahren

Dass die 60er früher mal eine größere Nummer waren, das lässt sich unter anderem an der Statistik ablesen: Von bislang neun Zweitliga-Heimspielen gegen 1860 haben die 05er lediglich eines gewonnen, und das ist lange her (1991 mit 3:1). In den Pokal-Auseinandersetzungen steht es remis. 1965 gewannen die Mainzer im Achtelfinale nach einem 2:2 n.V. am Bruchweg im Wiederholungsspiel im Grünwalder Stadion sensationell mit 2:1. Das liegt nun exakt 50 Jahre zurück. Ende September 2007 unterlagen die 05er unter Jürgen Klopp als Bundesligist in der zweiten Runde des DFB-Pokals in der Allianz Arena beim bestenfalls mittelprächtigen Zweitligisten 1860 mit 1:2; nachdem Felix Borja zum 1:1 (52.) ausgeglichen hatte, erzielte Berkant Göktan, ein ehemaliger Jugend-Torjäger vom FC Bayern, in der 88. Minute das Siegtor für die 60er.

Heute haben die Löwen eine Mannschaft, die im Vorjahr in der letzten Sekunde des Relegationsduells mit Holstein Kiel den Zweitligaabstieg vermieden hat und die in dieser Saison erneut verzweifelt gegen den Absturz in die Dritte Liga ankämpft. Der Kader ist eine Mischung aus ein paar Routiniers und vielen Talenten aus dem eigenen Nachwuchszentrum oder aus dem Ausland.

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Viele junge Spieler

Wen kennt man da noch? Den aus Uruguay stammenden Rechtsverteidiger Gary Kagelmacher (27), den robusten Mittelfeldantreiber Daniel Adlung (28), den technisch versierten Austria-Zehner Michael Liendl (30) und auch den Austria-Mittelstürmer Rubin Okotie (28). Das junge Gemüse kennen nur die regelmäßigen Zweitligagucker. Da sind die Torhüter Vitus Eicher (23) und Stefan Ortega (22). Im Feld: Sertan Yegonoglu (20) in der Innenverteidigung, Maximilian Wittek (20) als Linksverteidiger, Milos Degenek (21) und Emmanuel Taffertshofer (20) im defensiven Mittelfeld, der Südafrikaner Daylon Claasen (24) und der Neuseeländer Krisztian Simon (24) im offensiven Mittelfeld, Kobian Vollmann (22) und Marius Wolf (20) im Angriff. Sechs Unentschieden und sechs Niederlagen hat dieser Kader stehen. Dünn.

Wer schon unzählige Male die Wege der 05er gekreuzt hat, das ist der neue Löwen-Bändiger: Benno Möhlmann. Der 61-Jährige hat sich einen Namen gemacht als Zweitliga-Methusalem: drei Jahre Arminia Bielefeld, zehn Jahre Greuther Fürth (mit zwei Unterbrechungen), knapp zwei Jahre FC Ingolstadt, vier Jahre FSV Frankfurt. Kein Trainer hat mehr Zweitligaspiele gecoacht als Benno Möhlmann. Am 6. Oktober hat der Mann aus Münster bei den Löwen den knurrigen Torsten Fröhling abgelöst. Möhlmann soll die 60er in der Zweiten Liga halten. Vielleicht die schwierigste Aufgabe, die der Ehrenpräsident der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) jemals übernommen hat. Aber: Wegen einer Gallenoperation liegt Benno Möhlmann in diesen Tagen im Krankenhaus.

Co-Trainer coachen

Die Pokalpartie in Mainz coachen seine Co-Trainer Kurt Kowarz und Collin Benjamin (der ehemalige HSV-Profi). Kowarz stammt aus dem Taunus, seine Torhüterkarriere begann er bei der SG Bad Soden. Profi wurde der heute 57 Jahre alte Fachmann beim VfR Bürstadt. Im Kasten von Viktoria Aschaffenburg und RW Oberhausen hat er später in der Zweiten Liga gespielt. Für den 1. FC Nürnberg hatte er zwischen 1988 und 94 mal elf Bundesligaeinsätze als Vertreter von Andreas Köpke.

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Die 60er stecken wie immer in einem Sumpf aus hausgemachten Problemen auf der Führungsebene und einem von vielen Manager- und Trainerwechseln geprägten unausgegorenen Spielerkader. Für die 05er heißt das: Aufgepasst - ohne Konzentration und Entschlossenheit kann man gerade im Pokal eine angeschlagene Mannschaft schnell aufbauen. Der Außenseiter wird sich definieren über Laufarbeit, Zweikampfgift, massierte Defensive und gelegentliche Konter. Das ist emotional einfacher, als gegen eine Betonwand ein konstruktives Spiel aufziehen zu müssen. Dass die 05-Profis in dieser Aufgabenstellung gerade nicht ihre besten Gefühle entwickeln, das wissen wir.