Rehbergs Analyse: Drei Spiele, sieben Punkte - kein Grund zur...

Rote Karte für Giulio Donati. Foto: Sascha Kopp

Manchmal sei es im Fußball nur eine Frage der Reihenfolge, wie man sieben Punkte aus drei Spielen bewertet, meint Reinhard Rehberg im Blog. Für den FSV Mainz 05 jedenfalls...

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. Manchmal macht es die Reihenfolge. Nehmen wir an, die 05er hätten am vergangenen Mittwoch beim FC Bayern heldenhaft ein 0:0 erkämpft und nun den SV Darmstadt 98 mit 2:1 bezwungen. In der Coface Arena wäre gesungen und getanzt worden und der Sieben-Punkte-Ertrag in dieser harten englischen Woche wäre in den Medien überschwänglich als Sensation gefeiert worden. Diese sieben Zähler haben die 05er auch jetzt auf der Uhr. Nur ist dem denkwürdigen 2:1-Triumph in der Allianz-Arena an diesem Sonntag das 0:0 gegen die in den Abstiegskampf verstrickten Lilien gefolgt. Und schon fühlt sich der Ausgang dieser Woche für manchen Spieler und für manchen Anhänger als leichte Enttäuschung an. Und das ist nicht nötig. Der oben genannte fiktive Perspektivwechsel weist den Weg: Sieben Punkte aus den Duellen mit Bayer Leverkusen, den übermächtigen Münchner Bayern und Darmstadt 98 darf und muss man als einen grandiosen Erfolg werten.

Eine halbe Stunde harter Kampf

Das mag kurios klingen. Aber der Platzverweis von Giulio Donati bietet dem Trainer eine gute Argumentationsgrundlage, seiner Mannschaft gegenüber dieses im Ergebnis etwas triste 0:0 gegen die Hessen aufzuwerten. Denn wer am Ende einer strapaziösen Serie mit drei Spielen binnen acht Tagen noch einen Punkt erkämpft in einem Derby, das er eine gute halbe Stunde lang mit einem Mann in Unterzahl bestreiten musste, der hat Stehvermögen, Widerstandsgeist und Willenskraft bewiesen. Und diese Mentalität sollte man gegen einen auswärtsstarken, sperrigen Gegner wie die 98er nicht gering schätzen. Die 05er haben den Sprung auf den vierten Rang und den Gleichstand mit Rang drei nicht geschafft. Aber die Mannschaft von Martin Schmidt hat sich mit allen noch zur Verfügung stehenden Kräften behauptet.

Dass diese 90 Minuten schwierig werden würden, das war absehbar. Die 05er sind eine Pressing- und Umschaltmannschaft. Nur auf diese Art konnten die jüngsten Siege gegen die Vertreter aus der Premiumabteilung dieser Liga gelingen. Und nun galt es, einen Gegner zu bespielen, der überragend organisiert, körperlich extrem robust und ohne jedes Risiko mit zehn Feldspielern seine eigene Spielhälfte abriegelt - und mit einem Riesen und einem Sprinter in der vordersten Linie auf einige wenige verwertbare Konterchancen und/oder auf günstige Standardsituationen lauert. Diese Aufgabe, läuferisch und kämpferisch auf Augenhöhe agieren und gleichzeitig ein lebendiges Ballbesitzspiel aufziehen zu müssen, haben die 05er zumindest ordentlich gemeistert.

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Konzentriert die Räume gesucht

Die 05er waren konzentriert, sie suchten bespielbare Räume, sie fanden diese Flächen auch ab und zu im Zentrum oder am rechten Flügel. Aber insgesamt fehlten eben gegen diesen wehrhaften Defensivverbund mit engsten Abständen zwischen den Linien etwas die Frische, die Leichtigkeit im Kombinationsspiel, das Tempo im Angriffsdrittel, auch die schnelle Reaktion oder die Durchsetzungskraft im gegnerischen Strafraum. Das machte es schwer, in den Rücken der Darmstädter Abwehrwand zu gelangen. Torchancen gab es. Julian Baumgartlinger ballerte ans Außennetz, Jairo wurde in einer Topposition hart geblockt am Elfmeterpunkt, Leon Balogun köpfte knapp vorbei, Pablo de Blasis vertat sich mit einem Heberversuch - und als er kurz darauf fünf Meter vor dem Kasten ein freies Schussbein hatte, da zögerte der Argentinier zu lange. Den Matchball vergab Jhon Cordoba, als er nach einem überragenden Diagonalpass von Yunus Malli frei auf 98-Keeper Christian Mathenia zulief, doch der Mainzer „Held von München“ scheiterte, weil er sich die Kugel einen halben Meter zu weit vorgelegt hatte bei der Ballmitnahme.

Topleistung nach dem Platzverweis

Zwei Minuten später ereignete sich die Rote Karte gegen Donati. Eine klare Sache. Sandro Wagner foulte den Italiener von hinten, fiel danach provokant in den am Boden liegenden 05-Rechtsverteidiger hinein, der revanchierte sich mit zwei leichten Strampeltritten. Halb so wild, aber der Platzverweis war unumgänglich. Dass die 05er danach in Unterzahl ihre nach dem Wiederanpfiff tempogeladener und zielstrebiger angelegte Spielweise beibehielten, das war eine Topleistung. Mit einem Manko: Der gegnerische Strafraum ließ sich kaum mehr besetzen ohne den zehnten Feldspieler.

Den in der Defensive nahezu fehlerlosen Darmstädtern blieben zwei Torchancen. Das 0:0 nach einem intensiven, taktisch interessanten und bis zum Abpfiff spannenden Kampfspiel ging in Ordnung. Und am kommenden Sonntag können die 05er wieder in einer gehobenen Tabellenposition ihr Pressing- und Umschaltspiel zelebrieren – als Gast von Thomas Tuchels Dortmunder Borussia. Die mit Fünferabwehrerkette dem FC Bayern im Spitzenspiel im Signal-Iduna-Park ein eher glückliches 0:0 abgetrotzt hat.