Rehbergs Analyse: Die Zukunft bei Meister FC Bayern

Pep Guardiola. Foto: dpa

25. Bundesliga-Titel für Bayern München. Wenn der Branchengigant mit dem meisten Geld, mit einem vernünftigen Management, mit den besten Spielern und mit dem weltbesten...

Anzeige

. DJ Ötzi verdankt seinen Ruhm und Reichtum einem Jahrhundert-Hit. "Ein Stern, der deinen Namen trägt, hoch am Himmelszelt, den schenk ich dir heut' Nacht ", lautet die Botschaft dieses Millionensongs, der bis heute am Ballermann in Palma de Mallorca in der Gröl-Hitliste unter den Top-Ten rangieren soll. Sterne verschenken an die Liebste, das ist Lyrik. Die DFL hat dafür nichts übrig. Der FC Bayern München, der am Wochenende seine 25. Deutsche Meisterschaft gefeiert hat, darf sich keinen fünften Stern aufs Hemd nähen. Und das, obwohl der Klubsong des FCB doch auch diesen Himmelsbezug hat. "Stern des Südens…"

Obergrenze - eingeführt im Jahr 2004

Man glaubt ja immer, man wüsste alles im Fußball und über den Fußball. Nein, dass es eine Sternobergrenze gibt, eingeführt von der DFL im Jahr 2004, davon hatten nur Eingeweihte Kenntnis. Die Regelung sieht so aus: Ab drei Titelgewinnen seit Einführung der Bundesliga (1963) gibt es einen Stern, für fünf Titel gibt es zwei Sterne, ab 20 Titeln gibt es vier Sterne - und dann ist Schluss. Nun gibt es Fans, die sehen darin einen Skandal. 25 Titel, das verdiene den fünften Stern. Eine schöne Idee. Aber dazu muss man wissen: Die Bayern haben in der Bundesliga erst 24 dieser Salatteller gewonnen, die erste Meisterschaft holte sich der Klub im Jahr 1932.

Wenn also nun eine Petition im Bundestag oder eine Klage vor dem Bundesgerichtshof auf Einführung eines fünften Sterns Erfolg haben sollte (denkbar wäre auch ein Urteil vom Europäischen Gerichtshof), auch dann müssten sich die Anhänger des FCB schon noch gedulden bis 2016. Dass der FC Bayern dann mit dem vierten Titelgewinn hintereinander einen neuen Rekord aufstellt, darauf darf man heute schon Wetten abschließen. Die Quote dürfte allerdings mickrig ausfallen. Im Grunde ist das gar keine Wette. Denn da tobt sich die normative Kraft der wirtschaftlichen und sportlichen Überlegenheit aus: Das meiste Geld, ein vernünftiges Management, die besten Spieler, der weltbeste Trainer.

Anzeige

Nur zwei Spiele verloren

Nur zwei Spiele hat der Meister 2015 verloren in dieser Saison: beim Tabellenzweiten VfL Wolfsburg und zu Hause gegen den Tabellendritten Borussia Mönchengladbach. 77 Tore geschossen und nur 13 Gegentreffer - in 30 Spielen. Diese Statistiken dokumentieren eine Macht. Wobei man nie vergessen sollte: Wenn der Rücktritt des Klubarztes in einer langen Saison der einzige Skandal bleibt, der fette außersportliche Schlagzeilen liefert, dann zeigt das, dass die Bayern auch als FC Hollywood dazu gelernt haben. Und wenn der Branchengigant keine Fehler macht, dann ist die nationale Konkurrenz nahezu chancenlos.

Aber die Chancen werden wieder kommen. Pep Guardiola wird wohl nur noch eine Spielzeit dranhängen in München. Die das gute Mannschaftsklima bestimmenden Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger kommen ins Alter, die Ausnahmeflügelstürmer Arjen Robben und Franck Ribery sind jenseits der 30 und werden nicht ewig die Sterne vom Himmel holen. Da kündigt sich eine Phase des Umbruchs an. Und dann müssen die Wolfsburger, die Gladbacher, die Leverkusener oder auch die Dortmunder unter Thomas Tuchel eben da sein.

Ist Klopp eine Option?

Wenn die Bayern 2016 einen neuen Trainer suchen, dann wird das nicht einfach. Die logische Lösung wäre Jürgen Klopp. Der hätte kein Problem damit, Nachfolger einer lebenden Legende zu sein. Aber ist der charismatische Trainer dann auch bereit dafür? Im Moment sieht es nicht danach aus. Klopp will kein Sabbatical einlegen, 12 Monate zu Hause auf der Couch, das kann sich dieser umtriebige Erfolgsmensch nicht vorstellen. Und nur ein Jahr bei irgendeinem anderen Klub als Überbrückung, das ist auch nicht darstellbar, so tickt Klopp nicht. Bliebe noch die (unwahrscheinliche) Möglichkeit, dass Guardiola nach einem Triple 2015 seine Mission in München für erledigt erklärt.

Anzeige

Die Bayern hatten Klopp ja schon mal auf dem Zettel. Im Winter 2008. Uli Hoeneß wollte den jungen 05-Coach nach mehreren Telefonaten haben. Der Manager ist in seinem Gremium überstimmt worden. Die Wahl fiel auf: Jürgen Klinsmann. Klopp erfuhr davon auf dem Trainingsplatz im Mainzer Winter-Trainingslager in Andalusien. Klopp brach die Einheit umgehend ab, er war enttäuscht, sauer. Als er ein halbes Jahr später in Dortmund antrat, da lautete sein Ziel: Aufbau "eines zweiten FC Bayern". Das hat funktioniert. Dann hat das Imperium auf dem Transfermarkt zurückgeschlagen. Wie dem auch sei: Mit den Bayern, der große Konkurrent in den sieben Dortmunder Jahren, Teller, Pokale und einen Henkeltopf zu gewinnen, das ist für Klopp immer interessant. Auch ohne zusätzlichen Stern. Und auch mit oder ohne Blumenstrauß.

An der Spielweise würde es nicht scheitern

An der Spielweise würde das nicht scheitern. Klopp hat mit dem BVB das Brachialpressing und das Turboumschaltspiel geprägt, auch auf europäischer Bühne. Ein Passwettbewerb weit entfernt von den torgefährlichen Räumen, das ist nicht der Stil des Erlebnisfußballenthusiasten. Aber Kombinationsfußball zu vereinen mit Pressing und Umschaltüberfällen, das hatte auch schon Jupp Heynckes beim FC Bayern installiert. Das kann auch Jürgen Klopp. Die Dortmunder Mannschaft war personell anders aufgestellt, da obliegen Kaderumbau und Stilwandel nun Thomas Tuchel.

Insgesamt ist in der Bundesliga zu beobachten, dass sich in der Spitze auch der VfL Wolfsburg mit Dieter Hecking, Borussia Mönchengladbach mit Lucien Favre und auch Bayer Leverkusen mit Roger Schmidt immer mehr diesem Mixed-Stil annähern. Der reine Umschaltfußball ist ebenso auf dem Rückzug wieder der reine Ballbesitzfußball, den selbst der Erfinder Pep Guardiola relativiert hat beim und mit dem FC Bayern.

Außenseiter wie die 05er werden immer eher eine Pressing- und Umschaltmannschaft bleiben, das passt. Aber auch die Mainzer werden sich Zug um Zug an diese Entwicklung anpassen müssen. Nicht jedes Spiel und nicht jede Situation eignet sich für das reine Umschaltspiel. Aber das ist eine Aufgabe für die nächste Saison. Aktuell hat der pragmatische Martin Schmidt den Erfolgsschlüssel gefunden. Abstiegskampf regelt man genau auf diese Art und Weise, mit Power, Zweikampfschärfe, guter Defensivorganisation und Tempo.