Rehbergs 05-Vorschau: Treffen zweier Seriensieger

Besser als im Hinspiel, hier eine Szene mit Joel Matip und Shinji Okazaki, wollen die Mainzer in der Auswärtspartie auf Schalke auftreten. Für einen Sieg müssen sie eine Top-Leistung abrufen. Archivfoto: Sascha Kopp

Zwei Seriensieger treffen am Freitagabend aufeinander, wenn Mainz 05 bei Schalke 04 zu Gast ist. Beide Teams liefern aktuell nur in Teilen ihre Top-Leistung, meint Reinhard...

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. Das bestmögliche Potenzial zweier Mannschaften trifft in der Bundesliga eher selten aufeinander. Fußball spielt sich ab in unterschiedlichen Phasen. Für den FSV Mainz 05 ist es sehr bedeutsam, in welcher Situation diese Mannschaft etwa auf die Spitzenklubs trifft. Erfolge stellen sich da in der Regel nur dann ein, wenn die Mainzer gerade gut drauf sind und der Gegner gerade in mehr oder weniger tief sitzenden Schwierigkeiten steckt. Dann hat das Team von Thomas Tuchel auch den FC Bayern München schon geschlagen. Mithin schon alle der führenden Mannschaften in dieser Liga. Schon das ist bemerkenswert.

Am Freitagabend zu Gast auf Schalke

Am Freitagabend tritt die Tuchel-Elf beim Tabellenvierten FC Schalke 04 an. Auch dort haben die 05-Profis schon gewonnen. Sowohl in einem Punkt- als auch in einem DFB-Pokalspiel. Da hatten die Ruhrpottler jeweils gerade keine gute Phase. Nach dem jüngsten Pokalsieg der Mainzer auf Schalke stand Jens Keller, der an diesem Tag erstmals als Cheftrainer auf der Bank der Königsblauen Platz genommen hatte, schon massiv in der Kritik. Da ging es bei den Schalkern davor und danach drunter und drüber. Und die Medien wetzten die Messer. Die Mainzer nutzten an jenem Abend eine günstige Gelegenheit konsequent aus.

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Das ist diesmal anders. Da treffen zwei Seriensieger aufeinander. Zwei Mannschaften, die in der Rückrunde schnappen, was am jeweiligen Tag zu schnappen ist. Wir haben das kürzlich mit dem "Flow" erklärt, mit der Leichtigkeit des Seins in einem Lauf. Den hat bei den 05ern nicht mal das 0:3 in Wolfsburg unterbrechen können. Die Schalker haben in diesem Jahr sogar alles gewonnen. Jens Keller steht auf dem vorläufigen Zenit seiner Beliebtheit und Wertschätzung in Schalke. Haben die Mainzer demnach keine Chance in der Veltins-Arena?

Beide Teams nur in Segmenten mit dem vollen Potenzial

Die These lautet: Eine Erfolgschance ist dennoch gegeben. Warum? Weil beide Mannschaften in diesem Moment nur in bestimmten Segmenten ihr bestes Potenzial auf den Platz bringen. Die 05er verteidigen überragend, die Schalker spielen gut nach vorne, zumindest tun sie das sehr effizient. Aber nicht souverän, nicht unerschütterlich. Beim jüngsten Heimsieg von S04 gegen Hannover 96 (2:0) hatte der Gegner die ersten drei großen Führungschancen. Und nun beim 2:1 in Leverkusen hätte die munter nach vorn spielende Bayer-Elf bis zum 1:0 für die Schalker längst mit 2:0 oder 3:0 führen können. Gut, Spielglück gehört zum "Flow".

Für die 05er geht es in jedem Duell mit einem Spitzenteam um eine eigene Topleistung. Und es geht darum, Schwächen des Gegners in der Analyse zu orten, auf dem Feld herauszuarbeiten und mit Überzeugung hineinzustechen. Die Schalker sind angreifbar in ihrem Defensivverhalten. Das liegt auch an der aktuellen Besetzung. Roman Neustädter und Kevin-Prince Boateng auf der Doppelsechs, also in der Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld, sind technisch und strategisch hervorragende Fußballer. Aber beiden fehlt es an Tempo, an Grundschnelligkeit. Boateng ist auch nicht der typische Abräumer, der Topstar ist kein unerbittlicher Zweikämpfer, kein giftiger Balleroberer.

Mögliche Vorteile für die Umschaltspezialisten

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Mit schnellen, wendigen, zielstrebigen Spielern, mit ihren Umschaltspezialisten könnten sich die 05er im Zentrum Vorteile schaffen. In der rückwärtigen Raumüberwindung haben Neustädter und Boateng nicht ihre Stärken. Auch Innenverteidiger Felipe Santana steht nicht eben wie ein Fels, der Brasilianer streut immer wieder Stellungsfehler ein. Und der junge Linksverteidiger Sead Kolasinac stürmt zuweilen ausgesprochen sorglos nach vorne.

Dass die 05er alle Hände voll zu tun bekommen, die Offensive der Schalker zu kontrollieren, das steht außer Frage. Mittelstürmer Klaas Jan Huntelaar macht gerne aus dem Nichts ein Tor, der sprintgewaltige Rechtsaußen Jefferson Farfan ist in der Form seines Lebens. Und die jungen Toptalente Max Meyer und Leon Goretzka spielen unbekümmert auf, frei schwebend, in dem Gefühl, dass ihnen die Dinge gerade nur so zufliegen.

Mit gutem Gefühl aus der Hannover-Partie im Rücken

Vielleicht kehrt auch der genesene Tempodribbler Julian Draxler ins Team zurück, dann wird es individuell noch stürmischer für die Gäste. Aber: Die 05er verteidigen in dieser Phase individuell und gruppentaktisch exzellent. Wenn das auch in Schalke gelingt, dann liegt die Chance im offensiven Umschaltspiel. Und auf diesem Gebiet haben die Mainzer das gute Gefühl aus der Hannover-Partie im Rücken.