Rehberg: Werder kommt mit angezähltem Trainer

Enttäuscht nach dem 0:1 gegen Gladbach: Werder-Trainer Alexander Nouri (rechts) und Claudio Pizarro. Foto: dpa

Eine Offensiv-Besetzung, mit der Abstiegskampf eigentlich nicht sein müsste. Trotzdem trennt Werder Bremen aktuell nur ein Punkt vom ersten Abstiegsrang. Und Trainer Alexander...

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. Werder Bremen steckt im Strudel. Da helfen manchmal die besten und wildesten Schwimmbewegungen nicht mehr weiter. Die Naturgewalt zieht nach unten. Und das Glück verflüchtigt sich. Und wer hat am Ende die Schuld daran? Wie immer der Trainer. Wenn Alexander Nouri am kommenden Samstag auch noch in Mainz verliert, das wird an der Weser heiß diskutiert, dann wird der Verein angeblich die berühmte Reißleine ziehen. Das wäre in Bremen dann schon der zweite Trainerwechsel in dieser Saison nach der Beurlaubung des glücklosen und wenig charismatischen Viktor Skripnik.

Das Studium „Gesundheitsmanagement“ hat Nouri mal abgeschlossen mit dem Bachelor of Arts. Für die Krankheit, die seine Mannschaft befallen hat, werden dem 37 Jahre alten Deutsch-Iraner aus Buxtehude diese Kenntnisse keine geeigneten Therapieansätze liefern. Abstiegskampf ist eine sehr eigene Wissenschaft. Wie es nicht geht, das hat der Bremer Geschäftsführer Sport seiner Mannschaft in ein TV-Mikrofon diktiert. „Zu wenig Engagement, zu wenig Verbissenheit, zu wenig Mut, zu wenig Bereitschaft, den Ball wirklich haben zu wollen“, erklärte Frank Baumann nach dem jüngsten 0:1 im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. „Wir werden deutlich beobachten, wer weiterhin würdig ist, das Werder-Trikot zu tragen.“

Scharfe Worte, gewürzt mit einem Schuss Pathos. Was einen jungen, in diesen schwierigen Situationen noch unerfahrenen Fußballlehrer nicht unbedingt schützt und stützt. Wenn ein Verantwortlicher fehlenden Willen, fehlende Einsatzbereitschaft anmahnt, dann geht das immer auch auf den Deckel des Cheftrainers. Natürlich wollte Baumann aufrütteln, vielleicht auch eine Reaktion provozieren. Aber dann sollte man im Nachsatz, wenn die unvermeidliche Frage nach der Jobsicherheit des Trainers folgt, nicht antworten: „Es gibt kein Ultimatum und es gibt keine Garantie. Wir müssen die Situation jetzt immer wieder neu bewerten.“

Mit dieser Formulierung hat der Sportdirektor seinen Trainer auf die Abschussrampe gesetzt. Nouri hat das verstanden. „Ich weiß, dass ich nicht mehr alle Zeit der Welt habe.“ Wer dieses Thema derart freizügig diskutiert, öffentlich, der schwächt sich selbst. Beide Parteien schwächen sich damit auch gegenseitig. So lange der Vordenker im Amt ist, so lange muss die Führungsebene in der medialen Sturmflut für den Trainer am Staudamm bauen, Rettungsboote losschicken und Schwimmwesten verteilen.

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Werder hatte 2017 ein schuftiges Auftaktprogramm. Zwei Heimspiele hintereinander. Borussia Dortmund und Bayern München. Vielen Dank. Zweimal 1:2, nach großem Kampf und guter Leistung. Dann das 2:3 in Augsburg nach 2:1-Führung - mit dem Negativerlebnis in der letzten Spielminute. Das war ein Wirkungstreffer. Und dann kam das 0:1 gegen die Gladbacher – die sich unter dem neuen Trainer Dieter Hecking gerade im Aufwind befinden. Und nun geht es zu den Mainzern. Die in der Opel Arena eine Macht darstellen. Da wird Frank Baumann nur noch das Ergebnis bewerten, davon darf man ausgehen. Nur ein Punkt trennt Werder aktuell vom ersten Abstiegsrang. Nicht leicht zu verarbeiten für einen Klub, der vor ein paar Jahren noch Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger war und im Uefa-Pokal-Finale stand.

Alexander Nouri setzt auf seine stark besetzte Angriffsreihe. Torjäger-Veteran Claudio Pizarro. Der ehemalige Nationalspieler Max Kruse, ein torgefährlicher Wanderer zwischen den Linien. Der antrittsschnelle und abschlussstarke Flügelstürmer Serge Gnabry. Dazu der dynamische Techniker Fin Bartels sowie der Einfädler und Standardspezialist Zlatko Junuzovic. Mit diesem Offensivpotenzial muss man nicht in Abstiegsgefahr geraten.

Die Probleme der Bremer liegen in der Defensive. Beide Torhüter, Jaroslav Drobny und Felix Wiedwald, sind keine Bank. Die Innenverteidiger Niklas Moisander, Lamine Sane, Milos Vejlkovic oder auch Ulisses Alexandre Garcia produzieren unter Druck Stellungsfehler. Die Außenverteidiger Robert Bauer, Santiago Garcia oder Theodor Gebre Selassie sind im Vorwärtsgang stark, aber im Rücken laufen ihnen immer wieder die Gegenspieler weg. Altmeister Clemens Fritz, als defensiver Mittelfeldstabilisator oft der Kopf und Antreiber der Mannschaft, steckt in einem Formtief.

Alexander Nouri weiß, dass die 05er ihre Stärken im offensiven Umschaltspiel haben. Womöglich setzt der Werder-Coach nun auf einen massierten, eng stehenden Abwehrblock. Die Mainzer in der ungeliebten Ballbesitzrolle, das könnte ein Überlebenskonzept sein. Wobei: Bis auf Gnabry hat Werder keinen klassischen Konterstürmer am Start. Mit dem auf diesem Gebiet sehr talentierten Levin Öztunali hatte Werder keine Geduld, der Flügelsprinter schießt (und köpft) jetzt in Mainz wichtige Tore. Mehr dazu im Blog am Freitag.