Rehberg: Was bleibt, ist der Dialog

Dortmunder Fans halten in der Rhein-Neckar-Arena ein Transparent mit dem Konterfei von Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp unter einem Fadenkreuz in die Höhe. Foto: dpa

Als Fußballfan will man sich mit Fußball beschäftigen. Was davon ablenkt, das sind die Ausschreitungen in manchen Fußballstadien.

Anzeige

. Wenn Ultra-Gruppen der Hertha mit Stangen auf Polizisten einprügeln, wie zuletzt in Dortmund, dann kratzt das an der Sinnhaftigkeit dieser Veranstaltungen. Wenn Anhänger eine riesige Fahne aufziehen, sich unter diesem Choreo-Schutzschild blitzschnell mit entsprechenden Klamotten unkenntlich machen, nach Einrollen der Fahne dann vermummt ihre Pyro-Produkte zünden und die übrigen Stadionbesucher einem eklig stinkenden Qualm aussetzen und danach binnen Minuten wieder ihr normales Fan-Outfit anlegen und freudig singen, dann bereitet das außer den Störern keinem Menschen in den Arenen Spaß.

In diese Kategorie gehört auch die Verunglimpfung des Hoffenheimer Mäzens Dietmar Hopp durch Dortmunder Fans. Da hat der DFB nun ein Urteil gesprochen. Der BVB ist zu einer Geldstrafe von 50.000 Euro verdonnert worden; wiederholen sich die Beleidigungen, dann darf der Klub künftig keine Fans mehr mitbringen zu Spielen in Hoffenheim. 1.000, 2.000 oder 3.000 reisewillige Fans müssten dann dafür büßen, dass 10, 20 oder 30 Unbelehrbare ihre geschmacklose Form der Kommerz-Kritik anbringen.

Videoüberwachung greift nur selten

Jetzt brandet wieder die Diskussion auf: Sind Kollektivstrafen das richtige Mittel? Eine erhellende Antwort darauf gibt es nicht. Alle Experten sind sich einig: Es wäre sinnvoller, Einzeltäter auszumachen, einer Strafe zuzuführen und für die Schäden (und sei es nur die gegen den Klub ausgesprochene Geldstrafe) finanziell zu belangen. Vermummte aus einem Block zu ziehen, das hat allerdings juristische Grenzen - und die praktische Umsetzung könnte darüber hinaus tumultartige Bewegungen auslösen in einem dicht besetzten Block. Die Videoüberwachung greift nur selten, die Gesichter sind in der Regel nicht erkennbar.

Anzeige

Was bleibt, das ist der Dialog. Zwischen dem DFB und den Klubs auf der einen sowie den Ultra-Vertretern auf der anderen Seite. Der Dialog verläuft schleppend. Die intellektuell und rhetorisch begabten Ultra-Anführer ziehen sich immer wieder geschickt auf den Standpunkt zurück, einer gerechten Sache zu dienen. Kommerz-Kritik. Die ist haltbar. Natürlich kann und muss man über Auswüchse des millionenschweren Geschäftsbetriebs Profifußball diskutieren. Damit tun sich DFB, DFL und die Klubs schwer.

Komplizierte Gemengelage

Der ständig steigende Druck, sportlichen Erfolg und auch internationale Wettbewerbsfähigkeit generieren zu müssen, fordert immer mehr Geld und noch mehr Geld und noch mehr Geld. Die Folgen der entsprechenden Vermarktungsstrategien bringen mit sich, dass sich das Profigeschäft in manchen Bereichen von den Vorstellungen und Bedürfnissen des Fußballfans immer weiter entfernt.

Die komplizierte Gemengelage rechtfertigt eines nicht: Die Wahl von Protestmitteln, die als massiv gesundheitsgefährdende Ordnungswidrigkeiten und/oder als Straftaten einzustufen sind. Wir müssen konstatieren: Genau diese Auswüchse machen an manchen Standorten das Fußballerlebnis kaputt.