Rehberg: Vor 40 Jahren hatte der VfB seinen einzigen Abstieg...

Horst Hülß war 05-Trainer, als der VfB Stuttgart in der zweiten Liga am Bruchweg antreten musste. Archivfoto: hbz / Torsten Zimmermann

40 Jahre ist es nun her, dass der VfB Stuttgart, am Wochenende Gastgeber von Mainz 05, zum ersten und einzigen Mal aus der Bundesliga abgestiegen ist. Reinhard Rehberg erinnert...

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. In diesen Tagen ist oft Helmut Roleder zu sehen beim Bezahlsender Sky. Der frühere VfB-Torwart war dabei, als die Stuttgarter ihren bis heute einzigen Bundesligaabstieg zu verkraften hatten. Das war in der Saison 1974/75. Also exakt vor 40 Jahren. Am kommenden Samstag kämpft der VfB als Tabellenletzter im Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 drei Spieltage vor Schluss dagegen an, den zweiten Rauswurf aus der Eliteliga erleben zu müssen.

Tonnenschwer getroffen

Wie tonnenschwer einen etablierten Erstligisten ein Abstieg trifft, das haben die Schwaben auch schon damals erfahren müssen. Daran erinnert sich auch noch ein ehemaliger 05-Trainer, der bis heute bei jedem Mainzer Heimspiel und bei nahezu jeder Pressekonferenz anwesend ist: Horst Hülß. Der VfB kam 1975/76 in die gerade erst seit zwei Jahren existierende Zweite Liga mit einer teuren, im Vergleich zur Abstiegssaison eher noch verstärkten Mannschaft. Und wie sah die Endtabelle aus: 11. VfB Stuttgart mit 36:40 Punkten, 12. Mainz 05 mit 36:40 Punkten. Für die Schwaben ein Desaster.

Ältere 05-Anhänger werden sich vielleicht erinnern. Am 7. Spieltag (September 1975) mussten die 05er, in der Hinrunde, noch trainiert von Gerd Menne, beim haushohen Titelfavoriten antreten. Der VfB, am Start mit einer namhaften Elf - Roleder, Brenninger (1967 Europapokalsieger mit dem FC Bayern), Mall, Wörn, Coordes, Elmer, Martin, Linksaußen Ottmar Hitzfeld (der spätere Toptrainer), Mittelstürmer Dieter Hoeneß (der spätere Bayern-Torjäger), Holcer und Ohlicher -, unterlag dem Gast aus Rheinhessen sang- und klanglos nach zwei Treffern des Mainzer Torjägers Gerd Klier mit 0:2. Eine fette Überraschung.

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Horst Hülß übernahm 05 vor VfB-Partie

Nach dem 17. Spieltag veränderte sich Gerd Menne zum FC Augsburg. Der 05-Vorstand übergab die Mannschaft an den damals 38 Jahre jungen Mainzer Gymnasiallehrer Horst Hülß. Der empfing mit seinem Team die Stuttgarter am 26. Spieltag (März 1976) im Bruchwegstadion. Und abermals sah der VfB schlecht aus: Die 05er schlugen die Schwaben-Stars nach Toren von Willi Ritz, zweimal Erwin Hohenwarter und Werner Nickel mit 4:2. Die beiden Gegentore stammten von Hermann Ohlicher, der in der Abstiegssaison 17 Bundesligatreffer markiert hatte.

"Ja, die Stuttgarter hatten damals eine sehr stark besetzte Mannschaft", erklärte Horst Hülß am Donnerstag vor der 05-Pressekonferenz in der Coface Arena. "Aber gegen uns hatten sie keine Chance."

Trainer Istvan Sztani, der einstige gefeierte Spielmacher von Eintracht Frankfurt, war mit den Stuttgartern grandios am Pflichtwiederaufstieg gescheitert. Und die Mainzer? Die gaben im Mai 1976 freiwillig ihre Zweitligalizenz zurück wegen erheblicher finanzieller Probleme. Erst elf Jahre später kehrten die 05er in den Profifußball zurück.

Mit "Wundermann" Sundermann zurück

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Die Stuttgarter schafften die Rückkehr in die Bundesliga dann 1976/77. Als Meister der Zweiten Bundesliga Süd. Mit jüngeren Spielern wie Karl-Heinz Förster oder Hansi Müller. Der Trainer: Jürgen "Wundermann" Sundermann. Dessen Sohn Leif Sundermann ist Journalist bei der "Bild-Zeitung", seit einigen Wochen ist er zuständig für: den FSV Mainz 05.

Sollten die 05er im Mercedes-Benz-Stadion gewinnen, dann steht der VfB kurz vor der dritten Zweitligaspielzeit in seiner langen Klubgeschichte. Duelle mit Mainz 05 würden Helmut Roleder und Horst Hülß dann nicht mehr erleben.