Rehberg: Trainerstab bei Mainz 05 kann auch auf Talente aus...

Zwei für die Zukunft bei den Profis von Mainz 05? Devante Parker (links) und Patrick Pflücke bei einem Testspiel mit den Profis gegen den FC Zürich Anfang des Jahres. Archivfoto: hbz / Timo Schwarz

Die Bundesligasaison 2014/15 ist Geschichte. Die 05er gehören weiterhin zum elitären Kreis der Erstligisten. Die Kaderplanungen für die neue Saison laufen. Trainer Martin...

Anzeige

. Die Bundesligasaison 2014/15 ist Geschichte. Die 05er gehören weiterhin zum elitären Kreis der Erstligisten. Die Kaderplanungen für die neue Saison laufen. Trainer Martin Schmidt hat den Ehrgeiz, künftig wieder mehr Eigengewächse in den Bundesligakader zu integrieren. Da lohnt ein genauer Blick auf das, was sich in der Mainzer Nachwuchsabteilung tut. Und da zeigt sich: Die Chancen stehen gut, dass da in den kommenden zwei, drei Jahren Talente nachrücken.

Die U19 hat in der Bundesliga Süd/Südwest erst auf der Zielgeraden den Sprung ins DM-Halbfinale verpasst. Die U23 hat sich eine weitere Saison in der Dritten Liga gesichert. Das ist von Vorteil. Denn die Talente werden im Alter zwischen 19 und 22 Jahren gegen professionelle Männermannschaften auf den Prüfstand gestellt - und das in der Regel in einem knallharten Abstiegskampf. Da lassen sich nicht nur die läuferischen, kämpferischen, technischen und taktischen Fähigkeiten einschätzen, da ist auch zu erkennen, wer die nötige Mentalität für eine Profikarriere mitbringt.

Vier Spieler aus der aktuellen U23 könnten in diesem Klub höhere Ambitionen anmelden. Ob das funktioniert, lässt sich nicht voraussagen. An dieser Stelle sprechen wir über Potenzial. Und das haben: Robin Zentner, Philipp Klement, Devante Parker und Patrick Pflücke.

Robin Zentner war schon in dieser Saison der dritte Torwart bei den Bundesligaprofis. Hätte er im Wettkampf einspringen müssen: Niemand hätte Bauchschmerzen bekommen, der 20-Jährige ist heute schon ein sehr solider Mann zwischen den Pfosten.

Anzeige

Philipp Klement ist ein hoch interessanter Fall. Möglicherweise ein typischer Spätentwickler, vielleicht auch eher ein 22-Jähriger, den man erst auf den zweiten Blick entdeckt. Geboren in Ludwigshafen, Start in Wachenheim. Jugendzeit beim 1. FC Kaiserslautern von 2004 bis 2011. Dann der erste Profivertrag, beim 1. FC Nürnberg. Stammspieler beim FCN II in der Regionalliga. 2013 ausgeliehen an Hansa Rostock, kein Durchbruch. 2014 Neuzugang bei Mainz 05 II. Der Durchbruch. Ein Zehner mit einem feinen linken Fuß, ein brillanter Techniker, der in seiner Statur, in seinen Bewegungen, in seiner Spielweise und in seinen Topstärken verblüffende Ähnlichkeiten hat mit: Uwe Bein. Das soll dem zurückhaltenden jungen Mann keinen zentnerschweren Rucksack aufsetzen. Aber seine Flachpässe in die Tiefe haben den Touch, das Timing, die Präzision, wie man es vom einstigen Eintracht-Spielmacher kannte. Klement ist nicht der antrittsschnellste, das war Uwe Bein nicht anders. Zeljko Buvac sagte früher in ähnlichen Fällen, in denen ein Spieler glänzend kicken konnte, aber nicht überragend flott unterwegs war (etwa Antonio da Silva aus der 05-Aufstiegself von 2004): "Ääääh, …nicht schnell, aber genug schnell!" Klement ist darüber hinaus ein Kombinationsspieler mit dem Gefühl für den angemessenen Spielrhythmus. Und Schusstechnik hat er auch. Bundesligatempo? Es käme auf einen Feldversuch an.

Devante Parker hat sich enorm entwickelt im Abstiegskampf-Endspurt der U23. Der Außenstürmer, der noch in der U19 hätte kicken können, lebt von seiner extremen Schnelligkeit, von seiner sehr guten Technik, von seiner Tempohärte. In der Dritten Liga hat er gelernt zu arbeiten, auch gegen den Ball; er hat gelernt, sich zu wehren gegen giftige Abehrspieler. Seine einzige Schwäche: Der letzte Kontakt im Strafraum - der 19-Jährige schießt (noch) zu wenig Tore. Schusstechnik hat er, die Gier und die Ruhe im Abschluss muss er noch lernen.

Interessant ist auch der zweifellos enorm begabte Edeltechniker Patrick Pflücke. Klein, flink, wendig, kreativ in der Passauswahl. Ein potenzieller Zehner, dem noch die nötige Präsenz über 90 Minuten und über mehrere Spiele hinweg abgeht. Pflücke wird im November 19 Jahre alt, 26 Einsätze hatte er schon in der abgelaufenen Saison der U23 - und in der U19 hat der leichtgewichtige Mann auch noch ausgeholfen. Die wichtigsten Punkte in seinem Entwicklungskatalog: Physis, Wettkampfhärte, Durchsetzungsvermögen, Behauptungswille, Effektivität.

Unter Beobachtung halten darf man auch Lucas Höler. Der Mittelstürmer, der im Juli 21 Jahre alt wird, hat in seinem ersten Drittligajahr 10 Tore geschossen. Das ist ein Arbeitstier, dem gegen den Ball kein Weg zu weit ist und der im Konter gute Abschlussqualitäten zeigt. Das Spiel mit dem Rücken zum Tor muss er noch lernen. Zumindest eine Zweitligakarriere ist Höler zuzutrauen.

Aus der U19 rücken in die U23 fünf Spieler auf , denen man eine Profikarriere zutrauen kann. Auf welcher Ebene, darüber bestimmen die Spieler selbst. Interessante Fähigkeiten sind erkennbar.

Anzeige

Da ist Charmaine Häusl, ein 19 Jahre alter Defensivspieler, dem sehr, sehr viel an Begabung in die Wiege gelegt worden ist - außer Disziplin. Ein groß gewachsener, physisch enorm starker Innenverteidiger mit blendenden Fertigkeiten an der Kugel, mit einer sehenswerten Zweikampftechnik, mit einem instinktiv sicheren Stellungsspiel, mit einem perfekten Kopfballspiel. Ein geborener Abwehrchef, der auch als Mittelfeldsechser durchgeht. Das Problem: Der junge Mann vergisst bei Auswärtsspielen gerne mal die exakte Abfahrtszeit des Mannschaftsbusses. Sollte Häusl eines Tages nicht durchgekommen sein nach ganz oben, dann ist er nur an seiner zuweilen lässigen Arbeitseinstellung gescheitert.

Hervorragend veranlagt ist auch Suad Serdar. Der Allroundspieler, der sich zwischen defensivem und offensivem Mittelfeld ansiedelt, hat unter Kasper Hjulmand schon ein Winter-Trainingslager absolviert. Prüfung bestanden. In Testspielen bestach der Techniker, der im November gerade mal 18 Jahre alt wird, mit seiner Robustheit, mit seiner Abgeklärtheit, mit seiner Ruhe am Ball, mit seiner Übersicht, mit seiner beeindruckenden Passqualität. Serdar hat noch ein U19-Jahr vor sich, aber die Dritte Liga wäre für dieses Talent sicher die geeignetere Bühne - wenn nicht sehr bald schon noch mehr.

In jenem Winter-Trainingslager in Südspanien mischte auch der kleine Malte Moos mit. Der jüngere Bruder des Mainzer Weltklasseruderers Moritz Moos ist ein umtriebiger Rechtsverteidiger, der leichtfüßig die Läufe in die Tiefe macht, der am Ende auch den Kopf oben hat für Vorlagen nach gelungenen Dribblings nahe der Grundlinie. Der 19-Jährige mit Abitur kann viel laufen, er kann schnell laufen, er kann sehr oft schnell laufen. In der Dritten Liga wird man sehen, ob der gebürtige Mainzer, der seit Kindertagen für die 05er spielt, mit seinem geringen Körpergewicht auch giftig genug verteidigen kann. Diese Sorgen hatte man allerdings auch mal beim jungen Philipp Lahm…

Dann rückt noch Aaron Seydel nach. Ein baumlanger, schlaksiger Mittelstürmer, der Technik vereint mit einer guten Grundschnelligkeit und einem präzisen Schuss mit dem linken Fuß. Dieser spielende Mittelstürmer, der sich auch im Zehnerraum oder am Flügel bewegen kann, wird im Juli 19 Jahre alt. Was Seydel in der Dritten Liga lernen kann: Wettkampfhärte, Durchsetzungsvermögen, Behauptungswille, Abschlussgier.

Und dann wäre da noch Tim Müller. Der Sohn des langjährigen 05-Zweitligaprofis Michael Müller ist ein kompletter Mittelfeldspieler, der als Sechser oder Achter auch strategische Fähigkeiten am Start hat. Technisch sehr gut ausgebildet, ein aggressiver Balleroberer und Ankurbler, der als U19-Spieler zurückgeworfen wurde von diversen Verletzungen.

Wenn zwei bis drei der hier aufgezählten Spieler es schaffen, Bundesligaspieler zu werden, dann wäre das schon ein Riesenerfolg. Es gab Zeiten am Bruchweg, da bot sich in zwei, drei Jahrgängen hintereinander überhaupt kein Spieler an für höhere Aufgaben. Die aktuelle Talentauswahl kann sich sehen lassen. Und die Trainer Sandro Schwarz und Martin Schmidt wissen, wie man diese jungen Leute aufbaut - mit Geduld und mit der nötigen Mischung aus fordern und fördern.