Rehberg: Spannung ist gut

Gladbach-Trainer Marco Rose. Foto: dpa

Die Fußball-Bundesliga ist nach sieben Spieltagen so spannend wie lange nicht mehr. Zwischen Platz eins und Platz sieben liegen gerade einmal zwei Punkte. Und einen ersten...

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. Das hat die Bundesliga gebraucht. Nach sieben Spieltagen hat der Tabellenführer Borussia Mönchengladbach lediglich zwei Punkte Vorsprung vor dem Tabellensiebten Bayer Leverkusen. Was das sportlich aussagt? Gar nichts. Bestenfalls stellen wir fest: Der FC Bayern steckt in einem Umbruchjahr und marschiert (noch) nicht vorneweg – und Borussia Dortmund als selbst ernannter Titelfavorit tut sich schwer mit einer zuweilen etwas genügsamen Spielweise.

Die anderen Mannschaften aus der Spitzengruppe bewegen sich im Rahmen ihrer Erwartungen. Ausnahme: Der SC Freiburg surft gerade auf einer Welle, die ausgelöst worden ist durch die ersten guten Ergebnisse. Schalke 04? Der Ruhrpottklub hat die vergangene Saison weit unter Wert in der Abstiegszone verbracht, deshalb wirkt der aktuelle Zwischenstand wie eine große Überraschung. Tatsächlich machen die S04-Spieler bislang nicht mehr, als das, was man von Profis erwarten kann: Hoher läuferischer Aufwand, viel taktische Disziplin in der Arbeit gegen den Ball. Dazu kam in einigen Spielen das nötige Matchglück. Und damit zieht das Team von David Wagner Ergebnisse. Spielerisch ist das auf Schalke noch keine Offenbarung.

Wenn wir nach einem ersten Trend fahnden, dann ist erkennbar: In der oberen Tabellenhälfte tummeln sich mit Marco Rose (Gladbach), Oliver Glasner (VfL Wolfsburg), Julian Nagelsmann (Leipzig), David Wagner (Schalke) und Adi Hütter (Frankfurt) fünf Trainer, die von der Red-Bull-Schule um Ralf Rangnick stark beeinflusst sind. Man muss diesen Pressing/Gegenpressing- und Umschaltfußball nicht schön finden, auch nicht unbedingt kreativ oder innovativ. Aber diese Stilart ist extrem pragmatisch auf das Ergebnis ausgerichtet - und das ist im Moment in der Bundesliga erfolgreich.

Nehmen wir als Beispiel die Wolfsburger. Der Tabellenzweite reißt die Zuschauer nicht aus ihren Sitzen. Würde diese Elf nicht so viele Punkte schnappen, dann wäre sehr wahrscheinlich längst Kritik laut geworden an dieser sehr athletisch-defensiven Spielweise des Österreichers Glasner. Beim jüngsten Heimsieg gegen Union Berlin war in der spielerischen Qualität kein Unterschied zu erkennen zwischen dem aktuellen Spitzenklub und dem Aufsteiger. Die Gastgeber haben aus sehr wenigen guten Angriffen und noch weniger Torchancen den Siegtreffer gemacht. Das war der Unterschied.

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Es gibt Mannschaften, die legen Wert auf einen gepflegten Ballbesitz, auf Kombinationsspiel aus der hinteren Reihe heraus, auf viele Ballkontakte auf dem Weg zum gegnerischen Strafraum. Diese Mannschaften tun sich schwer gegen den extrem physischen, extrem aggressiven, mann-orientierten, auf Balleroberung und Tempo-Umschaltung ausgelegten Fußball aus Rangnicks Lehranstalt.

Das Sprint-Pressing stresst die Gegner, insbesondere das hoch intensive Gegenpressing tief in der gegnerischen Spielhälfte provoziert beim Gegner Fehler in der Ballannahme und im Pass-Spiel. Wer sich dieser Wucht entziehen will, der benötigt in den Mittelfeldräumen technisch sehr gute Spieler, sehr sichere Abläufe und viel Überzeugung. Diese Qualität haben die Bayern und der BVB am Start, an guten Tagen auch Bayer Leverkusen. Ende.

Rose und Nagelsmann heben sich in bestimmten Details von Rangnicks Lehrsätzen durchaus ab. Rose und Nagelsmann wollen auch Lösungen präsentieren in Situationen, in denen ein defensiv massierter und gut organisierter Gegner das direkte Umschaltspiel nicht zulässt. Tatsache ist: So weit sind die Gladbacher noch nicht - und die Leipziger auch nicht. Wenn der Überfallfußball stockt, dann haben beide Mannschaften Probleme. Nach diesen Eindrücken wird es beiden Klubs schwerfallen, die für den Titel nötigen Punkte jenseits der 70-Punkte-Marke einzusammeln. Aber: Im Moment ist es spannend in der Bundesliga.