Rehberg: Sonne darf für den BVB nicht wieder lachen

Bereit fürs Mainzer Spiel: Die Dortmunder Marcel Schmelzer (links) und Marco Reus. Foto: dpa

Fastnacht-Spiel für Mainz 05: Freitag bei Borussia Dortmund, dem Drittletzten der Tabelle. Eine extrem schwere Aufgabe für die 05er. Chancenlos sind sie nicht. In erster Linie...

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. Vor dem Rückrundenstart hatten wir an dieser Stelle die Frage gestellt, welche Überschrift wohl die Partie Borussia Dortmund gegen Mainz 05 bekommen wird. Die drei Partien in der englischen Woche sind gespielt, und wir konstatieren: Jürgen Klopp empfängt an diesem Freitagabend immer noch als Tabellendrittletzter "seine" Mainzer; der Gegner ist aber nur drei Zähler entfernt und kann eingeholt werden. "Mainz ist im Abstiegskampf dabei, wenn auch noch in einer etwas komfortableren Situation", erklärt der Dortmunder Trainer. Die Überschrift kann demnach lauten: Das erste spannungsgeladene Abstiegskampfduell zwischen zwei Klubs, die miteinander auf allen Ebenen gewachsene Freundschaften pflegen.

Die Freundschaftsgeschichten sind alle erzählt. Und sie werden auch nichts daran ändern, dass beide Klubs die Punkte brauchen. Und dass beide Mannschaften gezwungen sind, fußballerisch und emotional schwer bewaffnet um den Erfolg zu kämpfen. Die bessere Ausgangsposition haben die Dortmunder, die 75.000 Anhänger im Rücken haben, dazu den mental entkrampfenden 3:0-Sieg in Freiburg plus die angeblich symbolhafte Vertragsverlängerung von Marco Reus. Dazu kommt, dass die Misere der Dortmunder begonnen hatte mit dem 0:2 am vierten Spieltag in der Coface Arena. "Da haben wir noch etwas gut zu machen", sagt Klopp.

Hjulmand strahlt unbeirrt Ruhe und Gelassenheit aus

Die 05er haben gerade das Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten Hertha BSC vergeigt. Kasper Hjulmand strahlt aber unbeirrt Ruhe, Gelassenheit und Souveränität aus. In das Thema Abstiegskampf will sich der Trainer öffentlich nicht reinziehen lassen. Offenbar will der Däne keine Spieler nach Dortmund schicken, die sich - fußballerisch selbst limitierend - als Abstiegskämpfer begreifen. Sondern als Profis, die immer und überall in der Pflicht stehen, die maximale Einstellung und das höchste Leistungsniveau anzustreben. Auch das ist ein Weg. Wobei es in den Diskussionen am Bruchweg ja niemals um den Gegensatz "schlechte oder gute Einstellung" geht, sondern um den Unterschied zwischen einer guten und einer besonderen, einer feurigen, einer wilde Entschlossenheit signalisierenden Grundeinstellung.

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Welche Chance haben die 05er im Signal-Iduna-Park? Geht man vom bestmöglichen Potenzial beider Teams aus, dann wird es extrem schwer für die Hjulmand-Elf. Möglichkeiten werden sich dann ergeben, wenn es die Mainzer mit ihrer Herangehensweise schaffen, den Dortmundern das Gefühl aufzudrücken, dass nach dem Erfolg in Freiburg nicht automatisch wieder die Sonne lacht. Die vielen unguten Bilder in den Köpfen der Dortmunder Spieler kriechen dann wieder hoch, wenn es gegen die Mainzer längere Zeit holprig wird. Diesen Moment müssen die 05er provozieren. Dann kann diese Partie eine Eigendynamik bekommen, die dem Außenseiter Chancen eröffnet.

Hinter die ersten beiden Pressinglinien kommen

Stabilität bekommt die Borussia, wenn sie in Führung geht. Nervenflattern bekommt die Borussia im Falle eines Rückstandes. Steht es lange unentschieden, dann hilft das eher den 05ern. Probleme bekommt das Klopp-Team, wenn die schnellen Umschaltzüge nicht funktionieren. Chancen herauszukombinieren gegen einen tief, eng und aggressiv verteidigenden Gegner, diese Übung fällt den Dortmundern seit mehreren Wochen schwer. Und wenn es den 05ern gelingt, immer mal wieder die ersten beiden Pressinglinien der Borussia zu überwinden, dann ergeben sich dahinter bespielbare Räume gegen eine nach wie vor nicht überragend sichere Dortmunder Abwehrreihe. Das ist die Theorie. In der Praxis gehört zu einem günstigen Spielverlauf natürlich auch das nötige Abwehr- und Abschlussglück.

Wir wissen: Die 05er sind im Hinblick auf das Ergebnis abhängig von Konzentration und Konsequenz in der Abwehr und von Tempo und Zielstrebigkeit in der offensiven Umschaltung. Da liegt der Schlüssel für einen möglichen Erfolg. Dass es dafür auch eine sich mühsam einen Wolf spielende, zunehmend in die Verunsicherung gleitende Borussia braucht, das versteht sich von selbst. "Die Mainzer werden nutzen, was wir ihnen anbieten", sagt Klopp. Heißt im Umkehrschluss: Die Dortmunder werden mit Pressingwucht und Tempo versuchen, den 05ern wenig Entfaltungsmöglichkeiten anzubieten.

Großer Tag für Kapino

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Einen großen Tag bedeutet der Auftritt im Signal-Iduna-Park für Stefanos Kapino. Der 05-Torwart, der im März erst 21 Jahre alt wird, muss den gesperrten Loris Karius ersetzen. An Selbstvertrauen mangelt es dem 1,96 Meter großen Hünen mit dem lässigen Gang eines Westernhelden nicht. Kapino ist ein Typ. Erfahrung hat er auch.

Kapino war 2013/14 Stammkeeper beim griechischen Spitzenklub Panathinaikos Athen. 33 Einsätze inklusive der Playoffs (Panathinaikos zog in die Champions-League-Quali ein), Kapinos Vorderleute waren unter anderem die ehemaligen Bundesligaprofis Gordon Schildenfeld (Eintracht), Danijel Pranic (FC Bayern) und Marcus Berg (HSV). Kapino hat zwei A-Länderspiele absolviert (1:3 gegen Rumänien, 0:0 gegen Nigeria), er war dritter Torwart der Griechen bei der WM 2014 in Brasilien. Kapino hat darüber hinaus schon eine EM-Qualifikation mit dem U21-Nationalteam gespielt, ein WM-Turnier mit der U20 (2013 in der Türkei, 1:3 im Achtelfinale gegen Usbekistan) sowie zwei EM-Turniere mit der U19 (2011 in Rumänien, 2012 in Estland, 1:2 n.V. im Halbfinale gegen England). Der immer grimmig dreinschauende Mann hat für seine 20 Jahre durchaus schon etwas mehr gesehen von der Fußballwelt.

Hjulmand wird womöglich den notorischen Fehlerproduzenten Gonzalo Jara im Abwehrzentrum ersetzen durch Niko Bungert. Zusätzliche Qualität kann das Comeback von Jonas Hofmann einbringen. Im aggressiven Anlaufverhalten und im torgefährlichen Konterspiel ist der Leihspieler der talentierteste Stürmer im Kader. Jonas Hofmann und Christian Clemens als lauf- und sprintstarke Umschaltstürmer, das kann eine Waffe sein in Verbindung mit dem arbeitswütigen Shinji Okazaki. Und dann wird es darauf ankommen, ob es den Sechsern Johannes Geis und Julian Baumgartlinger gelingt, das Zentrum zu verdichten und Balleroberungen zu organisieren.

Schürrle: Kein Mietbieten des BVB

Die Dortmunder haben sich in der Winterpause verstärkt durch den schnellen und umtriebigen Konterstürmer Kevin Kampl. Der 24-Jährige ist ein in Solingen geborener Slowene, der über die SpVgg Greuther Fürth, den VfL Osnabrück und den VfR Aalen den Sprung zum österreichischen Brauseklub RB Salzburg (Meister und Pokalsieger) geschafft hatte.

Ein nahe liegendes Mitbieten um die Gunst des Ex-05ers André Schürrle war den Dortmundern womöglich zu teuer. Auch vor dem Hintergrund, dass Marco Reus zu diesem Zeitpunkt schon seine Vertragsverlängerung in Dortmund signalisiert hatte. Und da hat sicher nicht nur Heimatliebe eine Rolle gespielt, sondern auch die Tatsache, dass der Nationalspieler nun zum Spitzenverdiener im Klub und zu einem der Spitzenverdiener in der Liga aufsteigt. Da geht es um sehr viele Millionen, die auf das Konto des Spielers (und auf das Konto seines Beraters) wandern. Und vielleicht war es ja auch so, dass der Weltmeister Schürrle in der kommenden Saison Champions League spielen will. Das steht bei den Dortmundern erst 2015/16 wieder auf dem Plan. Aktuell hat die Borussia (noch) andere Aufgaben. Zum Beispiel das Abstiegskampfduell gegen Mainz 05.