Rehberg: Sicherheitspaket für Mainz 05 durch Millionen-Deal

Ein guter Deal sichert Mainz 05 hohe Garantie-Einnahmen in den kommenden zehn Jahren. Symbolfoto: dpa

Vor dem Start in die Pflichtspielsaison am Sonntag im Pokal bei Energie Cottbus hat Mainz 05 noch einen wegweisenden Millionen-Deal festgezurrt. Und Reinhard Rehberg beleuchtet,...

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. Die 05er haben keine Rechte verkauft, der Fußball-Bundesligist hat sich einen Dienstleister ins Haus geholt. Infront, der weltweit führende Sportrechtevermarkter, bearbeitet für den Klub und im Klub ab dieser Saison die Marketingaktivitäten. Für die Mainzer bedeutet dieses Abkommen ein nachhaltig wirksames Sicherheitspaket: Unabhängig von Konjunkturschwankungen im Sport und/oder in der Wirtschaft garantiert Infront dem Klub über zehn Jahre ein saisonales Marketingbudget, das rund fünf Millionen Euro über dem bisherigen Höchststand (aktuell: 20,8 Millionen) anzusiedeln ist. Dass Infront dieser Deal auch noch ein signing fee (eine Unterschriftsprämie) von rund zehn Millionen wert sein soll, das erhöht die Liquidität des wirtschaftlich kerngesunden Erstligisten zusätzlich.

Das ist eine Partnerschaft. Die dokumentiert wird durch die Verschmelzung von zwei Marketinggruppen: Infront, dessen nationale Vertriebszentrale in Frankfurt beheimatet ist, eröffnet im Klub ein Büro mit sieben Mitarbeitern, von denen drei aus der Abteilung von 05-Marketingleiter Dag Heydecker stammen; dieses Trio wechselt auf die Gehaltsliste des Vermarktungspartners. „Das macht Sinn“, erklärte Reinhardt Weinberger, Managing Director von Infront Germany, nach der Präsentation der Zusammenarbeit in der Coface Arena. „Die Mitarbeiter von Dag Heydecker haben die Kontakte zu den Sponsoren, die jetzt an Bord sind, sie kennen die Abläufe, sie haben ihr Netzwerk.“ Infront arbeitet in Deutschland mit 40 Klubs zusammen, hinter dem 1. FC Köln (der im Gegensatz zu den 05ern Werberechte verkauft hat) ist Mainz künftig für den Vermarkter die Nummer zwei in der nationalen Hierarchie.

Eigner ist ein chinesischer Immobilien-Konzern

Infront mit dem Hauptsitz in Zug in der Schweiz ist mit seinen 600 Mitarbeitern in 25 Büros in 12 Ländern im Februar für 1,05 Milliarden von der Dalian-Wanda-Group gekauft worden. Das ist ein chinesischer Immobilien-Konzern, der auch mit der weltweit größten Kino-Kette Geld verdient. Der Konzernchef Wang Jianlin hat 68,2 Prozent von Infront übernommen, das macht das Unternehmen aus China, das weiter stark in das Unterhaltungsgeschäft drängt, zu einem Anführer in der globalen Sportindustrie. Weinberger geht davon aus, dass künftig immer mehr asiatische, insbesondere chinesische Firmen Präsenz zeigen wollen auf dem europäischen Werbemarkt. Auch davon könnten die 05er eines Tages profitieren. CEO von Infront ist Philippe Blatter, ein Neffe des umstrittenen Fifa-Chefs Sepp Blatter, der Repräsentationsdirektor heißt Günter Netzer.

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In Mainz will Infront (hervorgegangen aus der einstigen KirchSport AG) neue Werbepartner für den Klub gewinnen. Das können dann auch internationale Unternehmen sein, die von sich aus nicht unbedingt auf Mainz 05 gekommen wären. Die Werbeflächen in der Coface Arena sind allerdings begrenzt, da wird künftig auch viel Kreativität gefragt sein in der Nutzung des Potenzials. Da kann es künftig Verschiebungen geben in der Werbe-Hierarchie, insgesamt soll der Marketingpool werthaltiger werden, also mehr Geld generieren als bisher. Davon profitieren dann beide Seiten, der Verein und der Vermarktungspartner. Beginnen wird Infront mit der Vermarktung der Businessseats, da besteht auch im Hinblick auf die kommende Saison noch Verkaufsbedarf.

Am Ziel Klassenerhalt wird sich nichts Gravierendes ändern

Natürlich werden die 05er auf der Basis dieser Partnerschaft ihr Personalbudget für den Bundesligakader erhöhen können. Aber man sollte da vorsichtig sein: Mit zwei, drei oder vier Millionen mehr im Spieleretat wird sich an der sportlichen Zielsetzung nichts Gravierendes ändern, die Bundesligazugehörigkeit zu sichern, bleibt immer eine spannende Aufgabe.

Leichter fällt dem Klub nun mit Sicherheit der geplante Ausbau der Infrastruktur am Bruchweg, natürlich auch die zeitlich erheblich verkürzte Tilgung der Finanzierungsraten für die 2011 in Betrieb genommene Coface Arena. Allein das sind schon prächtige Erfolge; das tendiert in Richtung Alleinstellungsmerkmal in der Bundesliga (sieht man mal ab von den Möglichkeiten des FC Bayern, der mit Hilfe eines Sportartikelriesen demnächst die 2006/07 erbaute Allianz-Arena komplett bezahlt haben wird).

Zum Saisonstart wartet sportliche Schwerstarbeit

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Geld hin oder her, die kniffligste Aufgabe im Profifußball ist und bleibt auch in Mainz der sportliche Erfolg. Am Sonntag (20.30 Uhr) startet die Mannschaft von Trainer Martin Schmidt in die erste Runde des DFB-Pokals. Bei Energie Cottbus, nach zwei Spieltagen Spitzenreiter in der Dritten Liga. Da kommt Schwerstarbeit zu auf die 05-Profis. Eines wissen wir: Der Kader ist definitiv besser vorbereitet als in der Vorsaison beim damaligen Erstrunden-Aus in Chemnitz. Schmidt hat seine Spieler physisch auf einem weitaus besseren Stand manövriert als das damals unter Kasper Hjulmand der Fall war. Zusätzlich hatte der Däne neue Defensivprinzipien eingeführt, die saßen noch überhaupt nicht zum Pokalstart, die 05er kassierten in Chemnitz bei jenem denkwürdigen 5:5 nach Verlängerung utopische Gegentore. Ein ähnliches Szenario ist diesmal nahezu auszuschließen.

Aber diese Spiele eines haushohen Favorit bei einem megamotivierten Underdog entwickeln zuweilen eine merkwürdige Eigendynamik. Und zwar immer dann, wenn der Favorit glaubt, die Sache in erster Linie über einen filigranen Ballbesitz regeln zu können. Der Außenseiter kann in diesen Fällen die spielerische Unterlegenheit ausgleichen über Laufbereitschaft, Zweikampfschärfe und mannschaftliche Geschlossenheit. Die Aufgabe lautet also: Die 05er müssen ihre defensive Disziplin nebst aggressiver Balljagd auf eine Stufe stellen mit dem Passverhalten und dem Bemühen, Torchancen herauszuspielen.