Rehberg: Schalke jubelt - dank Heidel

Schalke-Trainer David Wagner steht bereits nach dem ersten Bundesligaspieltag mit dem Rücken zur Wand. Foto: dpa

Vergangene Saison ging es auf Schalke ausschließlich gegen den Abstieg, nun mischen die Ruhrpottler die Bundesliga auf. Die Spieler sind größtenteils geblieben, gewechselt...

Anzeige

. Ganz so desolat, wie am Ende vom Klub und von Journalisten behauptet wurde, kann die Transferarbeit von Christian Heidel beim FC Schalke 04 denn doch nicht gewesen sein. Die Ruhrpottler mischen gerade die Bundesliga auf. Von den elf Startelfspielern, die jetzt auswärts den Spitzenreiter RB Leipzig gestürzt haben, hat Heidel in seiner S04-Zeit nicht weniger als acht Spieler verpflichtet: Oczipka, Sané, Stambouli, Mascarell, Serdar, Harit, Burgstaller und Matondo. Wer will, der kann die in Leipzig eingewechselten Caligiuri und Schöpf auch noch erwähnen als Heidel-Einkäufe.

In der Vorsaison unter Domenico Tedesco waren diese Profis bis zur Entlassung des Trainers im März 2019 oft versagende, fast durchgehend wacklige, an sich zweifelnde Abstiegskämpfer. Aktuell unter David Wagner ist dieses Ensemble Tabellenvierter - mit nur einem Zähler Rückstand auf den neuen Spitzenreiter FC Bayern München.

Was schließen wir daraus? 1. Tedesco hatte seinen Kader nach der Vize-Meisterschaft im Jahr zuvor weder als Anführer noch als sportlicher Vordenker noch mal so richtig in den Griff bekommen. 2. Tedesco hatte in seiner Entlassungssaison die ersten fünf Saisonspiele verloren - aus diesem Sog mit sich ständig steigernder Kritik, schlechter Stimmung und fehlender Zuversicht kam der junge Vordenker nie mehr raus. 3. Nachfolger David Wagner ist mit viel Geschick und nicht weniger Glück und mit einer offensiv mutigeren Spielweise ein hervorragender Saisonstart gelungen - die positive Atmosphäre nebst wachsendem Selbstvertrauen trägt die Mission.

Hätte Heidel Wagner für Tedesco geholt - alles gut?

Will man es sich einfach machen, dann könnte man heute sagen: Heidel hätte Mitte Januar den schlingernden Tedesco durch den gerade beim englischen Tabellenletzten FC Huddersfield zurückgetretenen Wagner ersetzen sollen – und für alle wäre alles gut geworden. Klar, Unfug. Tatsache ist: Im Februar verabschiedete sich Heidel aus Schalke, drei Wochen später wurde Tedesco entlassen. Wäre Heidel überhaupt auf die Idee mit Wagner gekommen? Jürgen Klopp, der enge Freund von Heidel und Wagner, hätte sicher dazu geraten. Doch Heidel wollte seine Entdeckung Tedesco nicht rauswerfen.

Anzeige

Heidel hatte ja schon mal David Wagner nach Schalke „gelotst“. Frühjahr 1995. Die Mainzer hatten mal wieder überhaupt kein Geld. Dann meldete sich Rudi Assauer beim jungen, noch sehr im Hintergrund wirkenden 05-Transferchef Heidel: S04 wolle Zweitligastürmer Wagner verpflichten. Wie bitte? Der junge Kerl hatte in jener Saison einen Wadenbeinbruch auskuriert, in seiner Bilanz standen gerade mal acht späte Einsätze und ein Tor. Für die damalige Zeit stolze 500.000 Mark überwies S04 nach Mainz. Ein warmer Regen in eine leere Kasse.

Wie es dazu kam? Der damalige S04-Trainer Jörg Berger und sein Assistent Hubert Neu (zuvor Co-Trainer am Bruchweg) kannten Wagner aus gemeinsamer Zeit bei Eintracht Frankfurt. Dort spielte das Talent im Amateurteam. Mit einem einzigen Bundesligaeinsatz. 1991, als Einwechselspieler für Anthony Yeboah.