Rehberg: RB Leipzig braucht Titel - die Fußballbranche...

Ralf Rangnick. Foto: dpa

Ohne die vielen Millionen der Milliardäre Hopp und Mateschitz gäbe es weder den Dorfklub TSG Hoffenheim noch den Dosenklub aus Leipzig auf der Fußball-Landkarte. Nur...

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. Ralf Rangnick ist wahnsinnig ehrgeizig. Der Sportdirektor der Rasenballsportler aus Leipzig wird getrieben von der Vorstellung, dass sein sächsisches Kunst- und Marketingprodukt ein nationales Vorzeigeprojekt werden muss. Als Trainer hat der relativ humorlose Schwabe immer einen Ruf als Taktikmeister behauptet. Aber Titel hat ihm das nicht eingebracht. Stimmt nicht ganz, denn mit dem FC Schalke 04 ist er 2011 DFB-Pokalsieger geworden. Doch da stand Rangnick erst in der Verantwortung, als S04 das Finale schon erreicht hatte – und der Auftritt in Berlin geriet beim 5:0 gegen den Zweitligisten MSV Duisburg zum Spaziergang.

Irgendwann hat sich der Fußballprofessor dann darauf spezialisiert, Geldunternehmen in die Bundesliga zu hieven. Aber ohne die vielen Millionen der Milliardäre Dietmar Hopp und Dietrich Mateschitz gäbe es weder den Dorfklub TSG Hoffenheim noch den Dosenklub aus Leipzig auf der nationalen und internationalen Fußball-Landkarte. Rangnick ist ein komplex und zukunftsorientiert denkender Projektleiter, er entwickelt überragende Nachwuchsleistungszentren; er buddelt mit einem sündhaft teuren Scoutingsystem überragende Talente aus in aller Herren Länder; er verpflichtet ausschließlich Trainer, die bedingungslos seine speziellen Vorstellungen von Fußball beherrschen. Toparbeit. Rangnick ist erfolgreich. Nur sympathisch sind diese Projekte nicht.

Leipzig nähert sich den Bayern an

Rangnick weiß, dass sich das wahrscheinlich ändern wird, wenn die Leipziger demnächst ein ernsthafter Titelanwärter sind. Die Branche dürstet danach, dass endlich ein Klub auf den Plan tritt, der die Vormachtstellung des FC Bayern ins Wanken bringt. Noch ist es nicht so weit. RB kommt immer näher ran. In den direkten Duellen und im internationalen Maßstab hinken die Leipziger aber noch hinterher. Aus im DFB-Pokal gegen die Bayern, 0:2 im Liga-Spitzenspiel in München. Und wenn der Branchengigant ohne seine Torjäger Robert Lewandowski und Thomas Müller in der Champions League bei Celtic Glasgow gewinnt, dann unterliegen die Leipziger in Bestbesetzung mit 1:3 beim FC Porto.

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Die Bayern stehen unter Jupp Heynckes bereits im CL-Viertelfinale. Die Leipziger haben in ihrer Gruppe erst vier Zähler auf dem Konto. Wenn sie am nächsten Spieltag in Monaco nicht mindestens ein Remis schaffen, dann gerät sogar der dritte Platz und damit der Einzug in die Europaliga in Gefahr.

Wahnwettrüsten: Leipzig kann mitgehen, Bayern hat Grenzen

Dass RB Entwicklungszeit benötigt mit dieser jungen Mannschaft, das ist klar. Geduld ist aber nicht die hervorstechende Eigenschaft von Rangnick. Von daher lässt sich erahnen, was kurzfristig ansteht bei RB: Der Sportdirektor wird den Kader ab Sommer 2018 aufrüsten, die Investitionen in Ablösesummen und Gehälter werden exorbitant steigen. Mittelfeldstar Nabil Keita wechselt für 70 Millionen Euro zum FC Liverpool. Auch diese Einnahme ermöglicht es Rangnick - unabhängig vom Mateschitz-Reichtum - künftig beim Einkauf in die höheren Regalfächer zu greifen. RB Leipzig kann, wenn der Brausekonzernchef das will, das internationale Wahnwettrüsten mitgehen. So merkwürdig das auch klingt: Den Bayern und noch mehr Borussia Dortmund sind da wirtschaftliche Grenzen gesetzt.

Der Tag, an dem das Leipziger Marketingprojekt Deutscher Meister wird, ist nicht mehr fern. Rangnicks Anspruchshaltung dokumentierte sich jüngst auch in seiner merkwürdigen Aktion, als er im Pokalspiel gegen die Bayern das Schiedsrichtergespann zu einer privaten Filmvorführung am Handy aufforderte. Seine Spieler seien bei Ungerechtigkeiten auf dem Feld viel zu brav, erklärte Rangnick seinen Run vom Oberrang der Red-Bull-Tribüne bis hinunter auf den Rasen. Die Sympathiewerte für RB sind danach nicht gestiegen. Also braucht es sportlichen Erfolg. Sprich: Titel.