Rehberg: Nach Transfer-Schlussspurt neue Optionen für 05-Trainer

Am Mittwoch noch beim U-21-Länderspiel gegen Rumänien im Einsatz, am Samstag vielleicht erstmals in der 05-Startformation: Jonas Hofmann. Foto: dpa

Die Hertha schwebt in anderen Sphären als Mainz 05, befindet Reinhard Rehberg in seinem Blog vor dem Gastspiel der Rheinhessen im Berliner Olympiastadion. Und beim Blick auf...

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. Ende Dezember 2013 gewann Hertha BSC mal sensationell bei Borussia Dortmund. Mit 2:1. Die Berliner Tore schossen: Adrian Ramos und Sami Allagui (der auch die Vorlage zum 1:0 geliefert hatte). Bei den Dortmundern wurden in der zweiten Halbzeit als Anschieber eingewechselt: Jonas Hofmann und Julian Schieber.

Allagui trifft auf sein altes Team, Hofmann hofft auf Debüt

An diesem Samstag läuft der FSV Mainz 05 im Berliner Olympiastadion auf. Dann kickt der Mittelstürmer Ramos nicht mehr für die Hertha, weil er inzwischen nach Dortmund gewechselt ist. Mittelstürmer Schieber, den die Dortmunder einst für 5,5 Millionen Euro eingekauft hatten, stürmt dafür jetzt im Hertha-Dress. Jonas Hofmann ist an den Bruchweg gezogen, weil Jürgen Klopp einen Shinji Kagawa wieder ausgegraben hat. Und Allagui, der am ersten Spieltag dieser Saison beim 2:2 der Hertha gegen Werder Bremen noch spät für den zweimaligen Torschützen Schieber eingewechselt worden war, greift jetzt auch für die 05er an - obwohl der frühere Trainer dieses Klubs ihn ja schon mal für nicht mehr gut genug befunden hatte. Da kann es einem schwindelig werden. Nicht nur die Wege des Herrn sind unergründlich. Auch die mancher Profis. Und erst recht die entsprechenden wirtschaftlichen Hintergründe.

Die Hertha schwebt da inzwischen in ganz anderen Sphären. Der Elfte der vergangenen Saison darf auf dem Markt inzwischen ein paar Fächer höher ins Kaufregal greifen. Die 05er hätten sicher auch die 2,5 Millionen Ablöse für einen Schieber zahlen können, aber nicht dessen durch das Dortmund-Engagement gehypte Gehalt. Die Berliner haben sich wirtschaftlich von den Mainzern entfernt. Da hat sich am 31. Januar mit der KKR (Kohlberg Kravis Roberts & Co) ein Investor eingekauft mit 9,7 Prozent Anteilen an der Hertha BSC GmbH & Co KGaA. Das Engagement ist 61,2 Millionen Euro schwer, beinhaltet zusätzliche sieben Mio. alleine für die Vertragsunterschrift sowie ein verzinst zurückzuzahlendes Darlehen von 36 Millionen. Eine Menge Geld.

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Dicker Posten auf der Gehaltsliste

Nur vor diesem Hintergrund lässt sich auch die Verpflichtung von Salomon Kalou erklären. Knapp zwei Millionen Euro soll der Stürmer von der Elfenbeinküste nur gekostet haben. Aber wenn man hört, dass der 28-Jährige zuvor beim klammen OSC Lille ein Salär von sechs Mio. geschnappt hat, dann kann man sich ausmalen, welchen Posten da die Hertha jetzt auf der Gehaltsliste hat. Ohne den Investor nicht darstellbar. In Mainz per se undenkbar.

Sechs Jahre lang hat Kalou, der einst als 17-Jähriger von Feyenoord Rotterdam entdeckt wurde, für den FC Chelsea gespielt. Neben Größen wie Didier Drogba und Michael Ballack. Kalou war englischer Meister, viermal Pokalsieger, Ligapokalsieger, Supercupsieger. Und als der FC Chelsea 2012 in München gegen den FC Bayern das Champions-League-Finale gewann, da stand Salomon Armand Magliore Kalou in der Startelf. "Er ist schnell, beweglich, torgefährlich, einfach unberechenbar", sagt Hertha-Coach Jos Luhukay über den Mittelstürmer, der in Lille binnen zwei Saisons in 66 Spielen 30 Tore geschossen hat. Bei der WM 2014 stand Kalou in allen drei Gruppenspielen der Elfenbeinküste in der Startelf, auch zum Auftakt gegen Japan - mit Shinji Okazaki. Wiedersehen an diesem Samstag in Berlin.

Auch das Duell zwischen Schieber und Hofmann wird interessant, beide sind aus Dortmunder Tagen gut befreundet miteinander. Und auch Allagui wird sich zeigen wollen: Mit den Transfers von Schieber und Kalou wusste der 28-Jährige, dass er bei Luhukay nicht mehr ganz so hoch im Kurs steht.

Die Hertha hat noch einen Weltmann verpflichtet, der die ganz langen Scheine gewohnt ist. John Heitinga, früher vier Jahre im Trikot von Ajax Amsterdam, danach knapp sechs Jahre in der Premier League beim FC Everton. Der neue Hertha-Abwehrchef hatte genug von England, das halbe Jahr beim Absteiger FC Fulham unter einem gewissen Felix Magath hat den Holländer von der Insel vertrieben.

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84 Länderspiele für die Niederlande

Auch dieser 31-Jährige ist eine weltläufige Hausnummer mit seinen 84 Länderspieleinsätzen für Holland. Im WM-Finale 2010 gegen Spanien erlangte Heitinga Berühmtheit: In der 109. Minute sah er nach einem groben Foul Gelb-Rot, sieben Minuten später erzielte der von Heitinga gefällte Dribbler Andres Iniesta für die Spanier das 1:0-Siegtor. Kasper Hjulmand will in Berlin mit zügigen Umschaltattacken zum Erfolg kommen. John Heitinga gilt nicht als einer der schnellsten Innenverteidiger.

Wunderdinge sollte man in Berlin von Kasper Hjulmands Mannschaft nicht erwarten. Der 05-Trainer steckt tatsächlich in keiner einfachen Situation. Die Spätverpflichtungen Philipp Wollscheid, Jairo, Pablo de Blasis und Allagui haben in den beiden Länderspielwochen ohne die Nationalspieler am Bruchweg in einer Gruppe mit 13, 14 Leuten trainiert. Jonas Hofmann hatte im neuen Umfeld am Donnerstag seine erste von zwei Einheiten vor der Berlin-Partie. Abgestimmte Laufwege und Automatismen kann man jetzt noch nicht erwarten. Der Trainer hat sicher die Möglichkeiten, bislang fehlende Profile in die Offensive einzubauen, vor allem Geschwindigkeit, aber da spielt auch die jeweilige Persönlichkeit eine wichtige Rolle.

Trainercrew blickt genau auf die Neuen

Es gibt Spieler, die brauchen eine längere Anpassungszeit, es gibt Spieler, denen man von ihrem Selbstverständnis, von ihrer inneren Überzeugung her eher einen Kaltstart zutraut. Da wird die Trainercrew sehr genau hinschauen müssen für die passenden Entscheidungen. Nur ein Beispiel: Pablo de Blasis kommt gerade in eine ganz neue Welt, Allagui oder Hofmann kennen die Bundesliga in- und auswendig - und beiden ist auch die Mainzer Spielweise nicht fremd. Allagui hat hier schon gespielt, Hofmann kennt die Umschaltprinzipien aus Dortmund.

Dazu kommt Jairo, der zweifellos ein ganz feiner Fußballer ist, aber das ist ein junger Mann, der erstmals im Ausland sein Geld verdient. Und der spanische Fußball unterscheidet sich vom physisch geprägten deutschen Ansatz schon erheblich. Auf der anderen Seite ist das auch eine Chance: Niemand in Berlin kennt Jairo und seine Muster, da steckt ein Überraschungseffekt drin.

Selbstbewusster linker Innenverteidiger

In der Startelf erwartbar ist Philipp Wollscheid als linker Innenverteidiger. Der 25-Jährige ist ein selbstbewusster Typ, der ja auch in Leverkusen in vielen Spielen seine Leistung gebracht hat. Mag sein, dass Hjulmand eine defensiv stabile Viererkette baut mit Stefan Bell, Niko Bungert, Wollscheid und Junior Diaz. Der Däne könnte auf diese Idee kommen, weil er ja nun auf den offensiven Außenbahnen über klassische Sprinter Tempo aufziehen kann.

Bislang war Daniel Brosinski, der nun mal noch nicht perfekt verteidigt, fast die einzige Tempolösung. Und da Hjulmand angekündigt hat, über Umschaltattacken zum Erfolg kommen zu wollen, bietet sich als Zehner der flinke Ja-Cheol Koo an, ein leichtfüßiger Dribbler, der im Zentrum, dort, wo sich der Südkoreaner wohler fühlt, zügig Räume überwinden kann. Hjulmand hat jetzt zumindest mehr und unterschiedlichere Waffen am Start, das sollte Vorteile für den Matchplan bringen. Dass diese Mannschaft nicht überragend gut eingespielt sein kann, das ist klar. Auf der anderen Seite weiß Jos Luhukay nicht, auf wen und auf was er sich einstellen soll. Eine spannende Ausgangslage.